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"Wirtschaften muss sozial und ökologisch sein"

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WElt | "Vielleicht gelingt es heute Abend, so manches an Vorurteilen aufzulösen." Mit diesem Wunsch eröffnete Moderator Henning Röhl den Diskussionsabend zum Thema "Was wird aus unserer schönen Landschaft - Die Folgen der Energie- und Agrarwende für die Umwelt", eine Veranstaltung im Rahmen der Sommerkirche Welt. Es referierten Prof. Dr. Michael Succow von der Universität Greifswald, Träger des Alternativen Nobelpreises, und Peter Lüschow, Vizepräsident des Landesbauernverbands. Er vertrat den erkrankten Präsidenten Werner Schwarz.

Wie bei diesem Thema zu erwarten, ging es emotional zu. Viele Landwirte, nicht nur aus Eiderstedt, waren in die

St.-Michael-Kirche gekommen. Aber auch Bürger, Feriengäste und Naturschützer aus Eiderstedt saßen im Publikum. Letzere hinterfragten kritisch die Politik des Bauernverbands. Insgesamt wurde an diesem Abend ein breites Spektrum beackert - von der Düngung über Tierhaltung, Fruchtfolge, ökologischer Landbau, Mais anbau, Knickpflege, Wiesenvogelschutz bis zum Konsumenten-Verhalten, dem Demographischen Wandel und der Energiewende. Doch blieb es bei der Darstellung der eigenen Argumente, eine Annäherung fand so gut wie nicht statt.

In seinem Eingangsstatement mahnte Succow, dass eine zukunftsfähige Wirtschaftsweise sozial und ökologisch sein müsse. Er verwies auf seine Erfahrungen in Äthiopien und ehemaligen russischen Republiken sowie mit dem Ökodorf Brodowin bei Berlin. Er betonte, dass im Vergleich mit der Industrialisierung der Landwirtschaft in Ostdeutschland auf Eiderstedt noch heile Welt sei.

Peter Lüschow wies dagegen auf die wirtschaftlichen Anforderungen hin, denen sich die moderne Landwirtschaft stellen muss - und schlug dabei einen Bogen zur Vergangenheit. "Haubarge sind nicht als Denkmal errichtet worden, sondern weil sie sich damals rechneten." Auch der Wandel Eiderstedts vom Ackerland zum Grünland im 19. Jahrzehnten vollzog sich aus wirtschaftlichen Gründen - die Landwirte konnten mit dem Verkauf von Fleischrinder nach England gutes Geld verdienen. Ferner sprach er die Regulierung durch die Europäische Union an: "Jede neue Verordnung hat zur Folge, dass einige Betriebe sie nicht erfüllen können und aufhören." Das Einfrieren des Status quo sei nicht möglich, sagte er mit Blick auf diejenigen, die sich den Erhalt der traditionellen Landwirtschaft wünschen. Es müsse aber immer wieder diskutiert werden, ob die Bewegungsrichtung noch richtig sei, gab er zu.

In der Diskussion ging es zentral um das Konsumenten-Verhalten. "Wenn Verbraucher bereit sind mehr auszugeben, dann würden wir auch so anbauen", bemerkte Lüschow. "Wir können genügend Lebensmittel auf ökologische Art und Weise produzieren", war sich Sucow sicher. "Aber kann sich jeder Verbraucher das leisten?" fragte ein Zuhörer. Zustimmung erhielt ein anderer, der bemerkte: "Wir haben die Probleme wegen unseres Wohlstands, den wir uns nicht mehr leisten können." Nach zwei Stunden intensiven Gesprächs beendete Röhl die Diskussion. Angesichts der Fülle der Themen "wage ich kein Schlusswort", sagte er.

Heute Abend steht in der Sommerkirche Shakespeare im Mittelpunkt. Es spielt das teatro furioso aus Berlin. Und am Montag geht es um "900 Jahre Kirchen in Eiderstedt - Ein Blick in ihre Gschichte" mit Dr. Dr. Johannes Schilling, Professor für Kirchengeschichte in Kiel. Beginn ist jeweils um 20 Uhr.

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erstellt am 02.Aug.2013 | 03:59 Uhr

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