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Hauptausschuss: Husum bald Fairtrade-Stadt? : Wird Husum zur Fairtrade-Stadt?

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Immer mehr Städte und Gemeinden wollen den fairen Handel aktiv unterstützen, und die Politik überlegt, diese Idee auch in der Storm-Stadt umzusetzen.

von
erstellt am 21.Jul.2017 | 11:00 Uhr

Fairtrade-Lebensmittel gibt es heutzutage nicht nur im Weltladen, sondern auch in den Regalen von großen Ketten wie Edeka, DM oder Aldi Nord. Trotzdem: Übermäßig häufig landen diese Lebensmittel nicht im Einkaufswagen – nur drei Prozent des in Deutschland verkauften Kaffees ist Fairtrade, bei Bananen sind es ungefähr vier Prozent, alle anderen Produkte liegen noch deutlich unter diesen Zahlen.

Der Verein TransFair arbeitet daran, dass die Fairtrade-Produkte populärer werden – unter anderem mit der Kampagne „Fairtrade Towns“. In solchen Städten soll der faire Handel gezielt gefördert werden. In der jüngsten Sitzung des Husumer Hauptausschusses berieten die Kommunalpolitiker darüber, ob sie sich dieses Ziel auch auf die Fahnen schreiben wollen. Den Anstoß zu diesen Überlegungen hatte die SSW–Fraktion mit einem entsprechenden Antrag gegeben.

Welche Kriterien Husum erfüllen müsste, erklärte die Geschäftsführerin des hiesigen Weltladens, Esther Jacobi:

1. Die Stadtvertreter müssen beschließen, dass sie Fairtrade-Town werden wollen; bei allen Sitzungen und im Bürgermeister-Zimmer wird nur noch fair gehandelter Kaffee ausgeschenkt.

2. Eine lokale Steuerungsgruppe mit Teilnehmern aus Wirtschaft, Gesellschaft, Verwaltung und Politik bildet sich und überlegt, was für Aktionen auf die Beine gestellt werden sollen.

3. Mindestens fünf Husumer Geschäfte und drei gastronomische Betriebe müssen mindestens zwei Fairtrade-Produkte anbieten. Die Quote für die Geschäfte habe Husum jetzt schon erfüllt, erklärte Jacobi – und auch in der Gastronomie sei man offen dafür, dieses Ziel mit umzusetzen.

4. Eine Schule, ein Verein und eine Kirchengemeinde müssen auf Fairtrade-Produkte umstellen. Auch diese Quote habe Husum mit der Hermann-Tast-Schule, mehreren Kirchengemeinden und dem Hospitzdienst schon erfüllt.

5. Die örtliche Presse berichtet über den Weg hin zur Fairtrade-Town.

Sind diese Kriterien erfüllt, kann sich die Stadt um das kostenfreie Zertifikat bewerben. In der Region sind bisher beispielsweise Heide und Niebüll diesen Schritt gegangen, auf Hallig Hooge oder in Büsum gibt es einen entsprechenden Beschluss.

Nachdem die Grundregeln vermittelt waren, brach Friedemann Magaard, Geschäftsführer des Christian-Jensen-Kollegs, noch eine Lanze für diese Initiative: 25.000 Menschen würden täglich an Hunger sterben, angesichts der zahlreichen globalen Krisen würden immer mehr Menschen den Wunsch verspüren, etwas zu tun. Den fairen Handel zu unterstützen, wäre ein Weg, aktiv gegen das Elend der Welt anzukämpfen.

Gleichzeitig sei es aber auch im Sinne einer Tourismusregion, bewusst Angebote für Menschen zu bieten, die an nachhaltigem Urlaub interessiert sind, führte Magaard weiter aus. Niebüll würde beispielsweise das Prädikat „Fairtrade Town“ ganz aktiv für das Stadtmarketing nutzen.

In der anschließenden Debatte zeigte sich die Husumer Politik der Idee gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen. „Eigentlich dürfte dieses Thema keine Streitfrage sein“, sagte Ursula Vogt von den Grünen, „schließlich haben wir schon vor 15 Jahren beschlossen, dass wir Agenda-Stadt sind. Jetzt ist es an der Zeit, diesen Beschluss mit Leben zu füllen.“ Reimer Tonder (Wählergemeinschaft Husum) erklärte: „Spätestens nach dem Vortrag von Herrn Magaard steht fest, dass es keinen anderen Weg gibt.“

Ganz so enthusiastisch konnte sich der Vorsitzende des Finanzausschusses, Ralf Fandrey (CDU), nicht äußern: „Ich komme aus den Haushaltsberatungen und würde doch schüchtern fragen: Was kostet uns das?“ Nicht viel, versicherte Jacobi, das Zertifikat sei schließlich kostenlos, Fairtrade-Produkte wären auch nicht so teuer.

Horst Bauer erklärte, die SPD-Fraktion sei dem Projekt durchaus gewogen. Allerdings wolle man keine symbolhaften Beschlüsse fassen, sondern erst in Ruhe überlegen, wie die Idee mit Leben gefüllt werden kann.

Schlussendlich meldete sich Bürgermeister Uwe Schmitz zu Wort: Nicht nur als Bürgermeister, „auch als Mensch“ sei ihm die Idee durchaus sympathisch. Auch die zusätzlichen Kosten für den Fairtrade-Kaffee wären nicht das Problem. Aber: Es dürfe nicht sein, dass die Politik die Hand dafür hebe, dass Husum Fairtrade-Town werde und die Verwaltung anschließend mit der Umsetzung allein gelassen werde. Zudem erinnerte er daran, dass die Stadt kürzlich Nationalpark-Partner geworden sei – „und die Kriterien erfüllen wir jetzt schon nicht mehr.“

Bürgervorsteher Peter Empen wies anschließend darauf hin, dass Husum zudem „sprachenfreundliche Gemeinde“ sei, „und auch da hat sich so furchtbar viel nicht getan“. Er plädiere dafür, solche Ziele nicht leichtfertig zu beschließen, sondern sie dann auch aktiv umzusetzen.

Fazit: Mit dem Thema Fairtrade will sich die Politik nun noch einmal gründlich auseinander setzen.


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