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Ein Fall für die Rechtsmedizin : Wirbel um Knochenfunde im Garten

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Matthias Schaper stieß beim Graben auf seinem Grundstück in der Husumer Woldsenstraße auf Teile eines Skeletts. Der 50-Jährige schaltete daraufhin die Polizei und die Kieler Rechtsmedizin ein.

Eigentlich wollte Matthias Schaper nur die Gelegenheit nutzen, seinen Garten komplett neu zu gestalten. Denn im vergangenen Oktober hatte der Orkan „Christian“ sein Grundstück in der Woldsenstraße 4 mächtig durcheinandergewirbelt. Also machte sich der 50-Jährige mit seinem Freund Thomas Bösser ans Werk. Mit einem Minibagger trug er gut 40 Zentimeter Boden ab. Danach ging es mit dem Spaten weiter. Beim Umgraben nahe des Nachbargrundstücks wunderte sich Schaper: Immer wieder kamen Knochen zum Vorschein – bei rund 60 Exemplaren hörte er auf zu buddeln. Für den Heilpraktiker stand fest: Die Fundstücke müssen alt sein müssen – denn durch das dort vorhandene Marsch-Geest-Bodengemisch sind sie zwar gut konserviert, aber so porös, dass sie sich mit dem Daumennagel abschaben lassen. Menschliche Überreste?

Schaper verständigte die Polizei. Die kam am vergangenen Sonnabend vorbei und fertigte einen Bericht mit Fotos an, die der Rechtsmedizin in Kiel vorgelegt wurden. Dazu Hauptkommissar Thomas Jacobsen vom Polizeirevier Husum: „Von dort erhoffen wir uns eine erste Einschätzung, ob es sich um tierische oder menschliche Knochen handelt.“ Danach sei zu entscheiden, „ob sie geborgen und einer eingehenden Untersuchung unterzogen werden müssen“. Das erklärte Jacobsen gestern Mittag gegenüber unserer Zeitung. Derweil hatte auch Schaper selbst auf eigene Faust und Rechnung einen Teil der Knochen in die Rechtsmedizin geschickt. „Ich will einfach wissen, was ich da gefunden habe und wie alt das wohl sein mag.“ Ein Versuch, den Rest des Körpers zu finden, verbot sich erst einmal – denn der muss auf dem angrenzenden Nachbargrundstück liegen. Zwischenzeitlich bekam er aus Kiel Bescheid, dass er nicht weitergraben darf. Und: Die restlichen Knochen werden von der Polizei abgeholt, hieß es.

Nun war es an den Rechtsmedizinern, zu prüfen, ob sich ein naheliegender Verdacht wissenschaftlich erhärten ließ: Handelt es sich bei den Fundstücken etwa um menschliche Überreste? Das 1994 von Schaper gekaufte Haus stammt aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts, der Nachbar war kein geringerer als der Maler Albert Johannsen. Zwei Schwestern aus Eiderstedt sollen das Haus gebaut haben. Gerüchte besagen, sie seien sehr eigenartig gewesen. Eine Straße weiter, im Osterende, steht heute noch das ehemalige Henkershaus. „Eventuell gibt es da eine Verbindung“, sagte der Knochenfinder. Zu der Möglichkeit, es könne sich um menschliche Gebeine handeln, erklärte Husum-Kenner Ulf von Hielmcrone auf Nachfrage: „Mir ist nicht bekannt, dass es an der Stelle einen Friedhof oder eine Abfallgrube gegeben hat. Dort wird die ,Fuule Rönn‘, die ,Faule Rinne‘ – ein Bachlauf – vermutet. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man dort das Wasser durch Abfall oder Leichen konterminiert hätte.“ Der Historiker schloss außerdem aus, dass man zu Kloster- oder Fronereizeiten im Henkershaus getötete Menschen an der Stelle der Knochenfunde begraben habe. Martin Segschneider vom Archäologischen Landesamt konnte anhand der übermittelten Fotos auch nicht beurteilen, ob es sich um menschliche oder tierische Knochen handelt – und verwies auf die Untersuchung der Rechtsmedizin.

Am späten Nachmittag dann die vorläufige Auflösung: Die Kriminalpolizei Husum teilte mit, „dass es sich bei den Knochen einer ersten Einschätzung der Gerichtsmedizin zur Folge mit hoher Wahrscheinlichkeit um Rinderknochen handelt“.

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