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Husumer Nachrichten

23. August 2017 | 04:54 Uhr

Katharinenheerd : Wirbel um Himbeer-Anbau

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In Katharinenheerd sorgen die Pläne eines Oldensworters für Aufregung: Er will dort Himbeeren unter Folie anbauen. Von Seiten der Anwohner stößt er auf Gegenwind.

Für Aufregung in Katharinenheerd sorgen die Pläne von Tobias Jürgens aus Oldenswort, dort Himbeeren unter Folie anzubauen. Er möchte zunächst auf 2,3 Hektar starten. Dazu will er mit einem Landwirt aus Katharinenheerd zusammenarbeiten. Noch in diesem Frühjahr, wie er auf Anfrage erklärt. Allerdings wehte ihm bei einer internen Informationsrunde mit den Gemeindevertretern von Katharinenheerd, zu der Bürgermeister Dieter Heisterkamp auch die Anwohner eingeladen hatte, ein rauer Wind entgegen. Die meisten seiner künftigen Nachbarn zeigten sich entsetzt über die Aussicht, demnächst auf Folientunnel statt auf grüne Wiesen und Weiden zu blicken. Die Himbeerproduktion soll auf einer Fläche westlich des Dorfes, nördlich der Bundesstraße  202 beginnen. Der Kreis Nordfriesland erklärte auf Anfrage, dass das Verfahren für die Baugenehmigung laufe. Eine Änderung des Flächennutzungs- oder eines Bebauungsplans sei nicht erforderlich.

In einem Schreiben moniert die Interessengemeinschaft „Ein Nein zu Folientunneln auf Eiderstedt“ (IG), zu der sich einige Anwohner zusammengeschlossen haben, dass die Folientunnel mit ihrer Höhe von 3,6 Meter zu einer starken Veränderung des Landschaftsbildes führen werden. Die von Jürgens angeführte Einfassung mit Büschen und Bäumen sieht die IG als nicht ausreichend an. Zumal sie in den ersten Jahren noch nicht hoch genug für einen Sichtschutz sein werden. Und im Winter seien die Tunnel auf jeden Fall zu sehen, wenn das Laub fehle. Ferner würden durch die Folien der Boden versiegelt, zumal die Himbeeren nicht in die Erde gepflanzt werden sollen, sondern in Plastiktöpfen stehen – mit Folgen für den Wasserhaushalt, so die IG. Es habe niemand etwas gegen Himbeeren unter freiem Himmel und das geplante Café, aber mit den Folien sähe das ja aus wie in den spanischen Gemüseanbau-Regionen, sagt Birgit Sell von der IG. „Wir betrachten das Vorhaben als industriellen Anbau.“ Ihre Eltern wären von drei Seiten von diesen Folientunneln umzingelt, dort, wo jetzt noch Grünland sei. Auch ein weiterer Nachbar würde direkt auf die Tunnel schauen. Zudem habe Jürgens in der Infoveranstaltung in Aussicht gestellt, dass der Anbau in den nächsten fünf Jahren auf zehn Hektar ausgeweitet werden könnte. Die Interessengemeinschaft befürchtet durch diese Veränderung des Landschaftsbildes auch eine nachteilige Auswirkung auf den Tourismus und für die Vermieter in der Gegend. Ferner geht sie davon aus, dass die Folien bei Wind und Regen für eine Lärmbelästigung sorgen werden. Darüber hinaus führt die IG in einem Schreiben auch Nachteile für die Tier- und Vogelwelt an.

Tobias Jürgens kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen. Er wolle doch ökologisch und nachhaltig produzieren. Er wolle wenig Pflanzenschutz einsetzen, dafür verstärkt Nützlinge. Von Versiegelung des Bodens könne keine Rede sein. Zwar sei geplant, die Pflanzen in Plastiktöpfe zu setzen, aber er könne sich auch eine andere Produktionstechnik vorstellen. Auf jeden Fall sei ein Umweltaustausch gegeben. Denn die Tunnel, in denen jeweils drei bis vier Reihen Himbeeren stehen sollen, werden im Sommer an den Seiten geöffnet sein, im Frühjahr und Herbst nur an den Stirnseiten. Beheizt werden sie nicht. Die Pflanzen überwintern unter der Folie. Netto werden von den 2,3 Hektar nur 1,4 Hektar unter Folie sein, da zwischen den einzelnen Tunneln 1,8 Meter Abstand vorgesehen sei, so Jürgens.

Wie groß das ganze Projekt werde, könne er noch nicht sagen. „Wenn ich nur vier Hektar brauche, werde ich nur so viel machen.“ Es komme auch immer auf die Nachfrage an. Zum einen will er Selbstpflücken anbieten, zum anderen will er die Ware über einen Großhändler absetzen.

Die Gemeinde werde eine Stellungnahme abgeben, wenn sie dazu aufgefordert wird, erklärte Bürgermeister Heisterkamp auf Anfrage. „Wir Gemeindevertreter werden darüber beraten.“ Persönlich sieht er das Vorhaben äußerst kritisch. „Das passt nicht in die Landschaft.“ Genau wie die IG befürchtet er, dass in der Folge andere Landwirte auf Eiderstedt in diese Produktionsform einsteigen könnten. Wie sehe das dann aus? „Wir sind verpflichtet, die Eiderstedter Landschaft für die nachfolgende Generationen zu erhalten.“ Zudem geht Heisterkamp davon aus, dass der Folienanbau Nachteile für den Wasserabfluss bei Starkregen haben werde.

 

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