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St. Peter-Ording : „Wir wollen kein zweites Sylt werden“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

St. Peter-Ording will sein Einzelhandels-Angebot optimieren. Als erster Schritt wurde ein Gutachten erstellt und präsentiert.

Manchmal kann es höchst hilfreich sein, den Sach- und Fachverstand Außenstehender in Anspruch zu nehmen. Das hat die Gemeinde St. Peter-Ording in Kooperation mit der Wirtschaftsförderungsgemeinschaft, der Interessengemeinschaft Dorf und dem Ortsverein des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DeHoGa) getan. Auf Beschluss der Gemeindevertretung wurde ein Einzelhandelsgutachten in Auftrag gegeben, das von der Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH Dr. Lademann und Partner in Hamburg erstellt worden ist.

Anlässlich der Präsentation des Papiers mit den Perspektiven für die Einzelhandelsentwicklung begrüßte Bürgermeister Rainer Balsmeier nun mehr als 100 Interessierte im Dünen-Hus. Bei der Entwicklung von Zukunftsprojekten wie dem Tourismusentwicklungskonzepts sei auch der Einzelhandel in den Blickpunkt gerückt. Von dritter Seite mehr zu erfahren und eine Wissenslücke zu schließen, steckte hinter der Auftragserteilung. Dieser Abend sei dafür angelegt, „wie wir für Einheimische und Gäste etwas besser machen können. Wir möchten Sie informieren und an Beispielen Möglichkeiten aufzeigen“. Er begrüßte Ulrike Rehr vom Büro Dr. Lademann und Partner, sowie Karl Max Hellner von Hellner Moden Sylt, Jonathan Seiffert von der IHK Flensburg und als Moderator Frank Simoneit von der Fachhochschule Westküste in Heide.

Ulrike Rehr präsentierte und erläuterte die Ergebnisse. Die Lage an der Westküste Eiderstedts, die Struktur des Ortes mit zwei Einzelhandelsstandorten (Dorf und Bad) und einem Gewerbegebiet, das hohe Urlauber- und Gästeaufkommen, die Einwohnerentwicklung einschließlich Zweitwohnungsbesitzern und Umland wurden dabei betrachtet. Art und Angebote der Einzelhändler, das Erscheinungsbild der Läden, die Befragung von Gästen und Einheimischen im Dorf sowie Bad und vieles mehr sind in das Gutachten eingeflossen. Ergebnis: „Die sozioökonomischen Rahmenbedingungen für die Entwicklung in St. Peter-Ording sind durchweg positiv.“ Es sei „Luft nach oben“. In den 118 Ladengeschäften gebe es eine Vielfalt von Angeboten. In der Sortimentsstruktur dominieren Lebensmittel und Konsumartikel für den täglichen Bedarf sowie Bekleidung und Wäsche zu etwa je rund 5500 Quadratmeter Verkaufsfläche. Bei einer Gesamtverkaufsfläche von 16.500 Quadratmetern verbleibt somit nur etwa ein Drittel für andere Angebote, die für den Verbraucher nicht hinreichend wahrnehmbar sind. Mit großem Abstand folgt das Angebot der Segmente Möbel/Teppiche und Heimtextilien sowie Schuhe und Lederwaren. Luxuriös einzustufende Angebote fehlen. Fassaden- und Schaufenstergestaltung sowie Warenpräsentation weisen einen allenfalls durchschnittlichen Zustand auf. Eine Vernetzung der beiden Standorte Bad und Dorf beispielsweise durch gemeinsame Auftritte der Einzelhändler wäre im Hinblick auf das vorhandene Angebot im Sinne der Gäste. Perspektivisch ginge es insgesamt darum, „durch eine Qualitätsoffensive die Wertschöpfung des Handels zu erhöhen, um damit zu einem starken und attraktiven Einzelhandelsstandort für Einheimische und Touristen gleichermaßen zu werden“. Handlungsansätze dafür sind: Sichtbarkeit und Vermarktung ausbauen, Qualitäten und Service stärken, Sortimentsvielfalt behutsam diversifizieren und das Angebotsniveau anheben sowie die Rahmenbedingungen verbessern. Im Internet unter www.amt-eiderstedt.de/ Startseite können Präsentation und Konzept als pdf-Dateien heruntergeladen werden.

Karl Max Hellner berichtete auch anhand seines Unternehmens über die Verhältnisse auf Sylt. Die Einzelhändler einschließlich DeHoGa sind auf Sylt miteinander vernetzt. „Man muss investieren und reinvestieren, in Mitarbeiter und Geschäft.“ Er habe für seine Angestellten auch Wohnungen zu einem angemessenen Mietpreis. In seinem Geschäft hat er die Idee „Sylt inside“ verwirklicht. Er sagte: „Ich glaube an das besondere Einkaufserlebnis im Urlaub.“

Jonathan Seiffert von der IHK lenkte den Blick darauf, was sich in St. Peter-Ording machen lässt und konzentrierte sich auf die „Betriebsblindheit“ als Bremser der Entwicklung. Drei Fragen waren für ihn maßgebend: Was wollen die Kunden? Wie geht es mit dem Geschäft weiter? Wie entwickelt man das eigene Ladengeschäft? Als Einstieg dazu bietet die IHK einen kostenlosen Ladencheck anhand eines standardisierten Bogens in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule an. Das Geschäft wird abgecheckt nach „Außen – Innen – Sonstiges“. Kleine Schritte könnten Großes bewirken.

Die anschließende sehr sachliche Aussprache gab zu erkennen: Wir wollen kein zweites Sylt werden, aber wir sind bereit, uns den Aufgaben der Entwicklung und einer Qualitätsoffensive zu stellen und wollen das auch miteinander. Wir sind uns auch bewusst, dass „Shoppen zum Urlaub“ gehört.

Rainer Balsmeier schloss den Abend mit einem anerkennenden Dank an alle und der Zuversicht: „Wir werden an dem Thema hoffentlich gemeinschaftlich arbeiten.“

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