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Interview mit Bredstedts neuem HGV-Vorsitzenden : „Wir sind nur als Solidargemeinschaft erfolgreich“

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Von unterschiedlichen Öffnungszeiten in den einzelnen Geschäften bis zu Leerstand – der neue Vorsitzende des Bredstedter HGV steht vor einigen Herausforderungen.

shz.de von
erstellt am 14.Feb.2017 | 14:00 Uhr

Manfred Feddersen ist der neue Vorsitzende des Bredstedter Handels- und Gewerbevereins (HGV). In der vergangenen Woche übernahm er diesen Posten, nachdem er zuvor sechs Jahre stellvertretender Vorsitzender war. Im Interview mit den Husumer Nachrichten spricht er über Herausforderungen und seine Pläne in diesem Amt.

Herr Feddersen, was wird sich mit Ihnen an der Spitze im Bredstedter Handels- und Gewerbeverein ändern?

Es wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit gar nicht so viel ändern. Der HGV war in den vergangenen Jahren richtig gut aufgestellt. So haben wir beispielsweise die verkaufsoffenen Sonntage mit einem attraktiven Rahmenprogramm versehen, was nicht immer so war. Darüber hinaus werden wir natürlich versuchen, an der einen oder anderen Stellschraube zu drehen, um die HGV-Aktivitäten insgesamt weiter zu verbessern.

Woran wollen Sie auf jeden Fall festhalten?

Die verkaufsoffenen Sonntage, die Markttage, der Weihnachtsmarkt und die Weihnachtsbeleuchtung. Das sind alles Dinge, die uns – und insbesondere meinem Vorgänger Michael Thomsen – bisher am Herzen lagen. Dinge, die gut sind, muss man auch nicht ändern. Man kann höchstens überlegen, wie man sie noch weiter verbessern kann.

Wo wollen Sie künftig Ihre Schwerpunkte setzen?

Die Hauptaufgabe des HGV war und ist es, dass es gelingt, eine Solidarität zu erzielen. Jeder muss verinnerlichen, dass wir nur als Solidargemeinschaft für den Geschäftsstandort Bredstedt erfolgreich sein können. Da muss jeder seinen Teil dazu beitragen – beispielsweise die Öffnungszeiten überdenken und die verkaufsoffenen Sonntage als Chance sehen, sich alten und neuen Kunden zu präsentieren.

Einige Geschäftsinhaber fühlen sich bei verkaufsoffenen Sonntagen abgeschnitten, ganz konkret am östlichen Ende der Osterstraße. Was wollen Sie dagegen tun?

Wir wollen auch für die diesjährigen verkaufsoffenen Sonntage wieder versuchen, das untere Ende der Osterstraße bis zum Marthaplatz mit einzubinden. Es ist nicht in Stein gemeißelt, wo die Meile beginnt und wo sie aufhört. Wir sind für neue Ideen zur Belebung dieses Abschnitts offen und dankbar.

Spätestens mit dem in diesem Jahr geplanten Neubau sollen sich dort schließlich wieder Geschäfte ansiedeln.

Der Stellenwert dieses Straßenzuges wird mit dem Neubau auf dem ehemaligen Schlange-Gelände unglaublich erhöht. Das kann man ja jetzt schon nach dem Bau der Tondern-Stiftung merken. Die Ecke ist inzwischen durchaus so lebhaft wie der Markt. Wenn da weiter neu gebaut wird, dann wird das mit ziemlicher Sicherheit auch zu einer weiteren Belebung der gesamten Stadt führen.

Was wollen Sie gegen den Leerstand in anderen Ecken der Innenstadt unternehmen?

Wir bemühen uns seit längerer Zeit darum, dass Leben in die leeren Geschäfte kommt. Auch damit wollen wir uns jetzt noch einmal ganz zielgerichtet befassen. Wir wollen jeden einzelnen Eigentümer ansprechen und unsere Unterstützung bei der Vermietung anbieten. Außerdem werden wir versuchen, die Eigentümer zu bewegen, die Fenster ihrer leerstehenden Geschäfte besser zu präsentieren. Als die Tondern-Gebäude errichtet wurden, hat der HGV in Zusammenarbeit mit der Tondern-Stiftung Motive aus dem alten Bredstedt in die Fenster geklebt. Jeden Tag standen Leute davor und guckten hin. Dann sieht das Geschäft einerseits nicht tot aus und die Leute registrieren es ganz anders – der Leerstand ist dann nicht so offensichtlich.

Wie kann man die Geschäfte schließlich wieder tatsächlich mit Leben füllen?

Dazu brauchen wir Unternehmer, die Lust haben, sich selbstständig zu machen. Wir bieten jedem dabei Unterstützung an. Außerdem sind wir mit den Vermietern im Gespräch. Auch sie müssen ihre Läden renovieren und aufwerten, den aktuellen Bedingungen anpassen und eine ortsübliche Miete dafür verlangen. Dann hat man zwar noch immer nicht die Garantie, dass man seine Räume vermietet bekommt – aber es erhöht natürlich die Chancen deutlich.

Außerdem muss über kürzere Mietlaufzeiten nachgedacht werden. Früher war es üblich, dass ein Vertrag über zehn Jahre abgeschlossen wurde. Heute muss man so etwas auch schon mal zu günstigen Bedingungen, zum Beispiel für ein Jahr, anbieten – mit der Option auf Verlängerung. Und wenn es dann gut läuft, sieht man weiter. Letztendlich lässt sich ja alles vertraglich gestalten. Zusätzlich wollen wir das Gespräch mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland suchen.

Unterschiedliche Öffnungszeiten und vereinzelt mittags geschlossene Geschäfte sorgen bei vielen Besuchern Bredstedts für Unverständnis. Was wollen Sie dagegen unternehmen?

Es sollen noch einmal intensive Gespräche mit den Geschäftsleuten geführt werden. Wir wollen versuchen, sie dazu zu bewegen, zumindest in der Saison – von Ostern bis zu den Herbstferien – ihre Läden durchgehend zu öffnen. Wir sind ein Luftkurort, den Touristen gerne besuchen. Es gibt viele positive Rückmeldungen zur Gestaltung der Osterstraße und des Marktes und auch die angenehme Einkaufsatmosphäre wird geschätzt. Aber als Urlaubsgast steht man auch schon mal etwas später auf, frühstückt länger – und wenn man dann um 11 Uhr in die Stadt kommt, ist es schlecht, wenn um 12 Uhr die Geschäfte schließen. Da sind aber in erster Linie die Geschäftsleute gefordert und müssen kreativ sein. Durch flexible Arbeitseinsatzzeiten des Personals müssen dadurch nicht zwingend die Kosten steigen.

Wo sind die Geschäftsleute außerdem gefordert?

Sie müssen selbst dazu beitragen, dass Bredstedt attraktiver wird. Dann siedeln sich auch weitere Läden an. Jeder weiß, dass sich das Einkaufsverhalten im Laufe der Jahre geändert hat. Wenn man gegen das Angebot aus dem Internet gegenhalten will, dann muss man für den Kunden präsent sein und guten Service bieten. Die Menschen müssen ihren Einkauf in unserer schönen Stadt wieder als Einkaufserlebnis wahrnehmen. Es muss Spaß machen, durch Bredstedt zu bummeln.

Gibt es schon konkrete Ideen, Bredstedt attraktiver zu machen?

Wir werden uns auch künftig Gedanken machen, wie man die Stadt insgesamt weiter verschönern und attraktiver machen kann – zum Beispiel mit Pflanzaktionen und Parkleitsystemen. Dabei stehen wir in engem Kontakt mit der Stadt, die für unsere Belange immer ein offenes Ohr hat. Darüber sind wir froh und auch dankbar. Die erste Vorstands-Sitzung dieses Jahres werden wir nutzen, um Ideen zu sammeln und dabei auch die Möglichkeit der Umsetzung erörtern. Wir haben mit Ute Thomsen vom Reisebüro Bredstedt und Björn Martensen von der Firma Printspeed zwei junge Geschäftsleute dabei, die neu im Vorstand mitarbeiten. Da erhoffen wir uns natürlich auch neue Ideen und Gedanken. Bei der diesjährigen Jahresversammlung hat sich bereits gezeigt, wie engagierte Geschäftsleute aus Bredstedt gute Vorschläge eingebracht haben, die wir weiter verfolgen werden.

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