Flüchtlingsunterkunft in Seeth : „Wir sind keine Dorftrottel“

Durch die Bank richtet sich der Ärger der Bevölkerung nicht gegen die Flüchtlinge, sondern gegen die Landesverwaltung.
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Durch die Bank richtet sich der Ärger der Bevölkerung nicht gegen die Flüchtlinge, sondern gegen die Landesverwaltung.

In der Gemeinde Seeth wird die Informationspolitik des Landes scharf kritisiert, die Flüchtlinge sind aber vielen Bürgern willkommen. Am Wochenende sollen bereits einige 100 Asylbewerber in die Kaserne kommen.

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16. Juli 2015, 12:00 Uhr

„Gegen die Flüchtlinge haben wir nichts, wir werden sie gut behandeln, aber die Informationspolitik, die ist katastrophal“, so Fiede Wobig aus Seeth. Noch am Montag in der Gemeindevertreter-Sitzung habe der Bürgermeister nur über die Donnerstag-Sitzung des Amtsausschusses Nordsee-Treene in Schwabstedt informieren können. „Man behandelt uns wie kleine Kinder, wie Dorftrottel, so geht das nicht“, beklagt Wobig. Er wohnt im alten Kirchenweg in Seeth, ist direkter Nachbar der Stapelholmer-Kaserne, in die bereits am Wochenende mehrere 100 Flüchtlinge einquartiert werden sollen. „Die Unterbringung dort ist bestimmt besser als in irgend welchen Turnhallen“, sagt er, daher habe er auch nichts gegen die Aussiedler, wie er sie nennt. Man könne doch nicht so viele Menschen dort hinbringen, ohne im Vorwege die Betreuung garantieren zu können, kritisiert Wobig.

In die gleiche Kerbe schlägt auch Seeths Bürgermeister Peter-Wilhelm Dirks. „Ich hätte gern in der Gemeinderats-Sitzung am Montag schon über die Entwicklung informiert, doch ich wusste nicht mehr, als am Donnerstag im Amtsausschuss gesagt worden war.“ Am Dienstag dann habe er einen Anruf erhalten, dass er in das Amtshaus nach Mildstedt zur Pressekonferenz kommen solle. Da, so Dirks, habe er aber keine Zeit gehabt. „Die ganze Arbeit mit der Stapelholm-Kaserne liegt auf den Schultern der Ehrenamtler, doch wenn es brennt, dann lässt man uns im Regen stehen. Wir haben immer gesagt, dass die Kaserne für Flüchtlinge geeignet ist, doch erst hieß es Ja, dann Nein, und nun plötzlich wieder Ja. Doch mehr Informationen als in der Zeitung stand, habe ich noch nicht“, so ein über die Informationspolitik stark verärgerter Bürgermeister.

Gemeindevertreter Udo Obst fragt sich, was denn die Flüchtlinge in Seeth machen sollen. Zwar handele es sich nur um eine Erstaufnahme-Einrichtung, doch sollen die Menschen da über Wochen eingesperrt sein?, fragt sich Obst. In Seeth gibt es nämlich keine Anlaufstellen, außer einer Gaststätte und einer Bäckerei-Filiale mit Stehausschank. Seiner Ansicht nach dürften Flüchtlinge erst nach Seeth gebracht werden, wenn deren Versorgung und Betreuung gesichert sei. Für die Region sei es sicherlich gut, wenn dort rund 80 Arbeitsplätze entstehen. „Wer soll sich denn jetzt um die Menschen kümmern? Auch er kritisiert, dass letztendlich alle Einwohner, einschließlich des Gemeinderats, aus der Zeitung erfahren haben, wie es in der Stapelholm-Kaserne weitergehen wird, und dass es erst heute in der Kaserne ab 19 Uhr eine Informationsveranstaltung geben wird, der übrigens der Bürgermeister der Nachbargemeinde Drage, Hermann Paulsen, aus Protest gegen die Vorgehensweise fern bleiben wird. In der Seether Filiale der Eiderland Bäckerei Pahlen werde viel über das Thema diskutiert, sagt Mitarbeiterin Petra Gimmini. Negatives über die Einquartierung von Flüchtlingen selbst habe sie noch nicht gehört, wohl aber immer wieder, dass darüber geklagt werde, das niemand im Ort Bescheid gewusst habe.

Innenstaats-Sekretärin Manuela Söller-Winkler hatte bei der Präsentation der Pläne Überlegungen angestellt, dass die Betreuung an diesem Wochenende eventuell von Feuerwehren und anderen Hilfsorganisationen übernommen werden könnte. Mit dem Amtswehrführer und stellvertretenden Seether Wehrführer Tim Petersen gab es aber gestern noch keine Kontaktaufnahme. „Wir würden natürlich einspringen, die Feuerwehren helfen immer gern, aber wir haben Urlaubszeit und unsere Mitglieder stehen auch im Berufsleben“, sagt der Amtswehrführer. In erster Linie sieht er die Übernahme des Brandschutzes, denn den hat die Freiwillige Feuerwehr Seeth auch schon in der Vergangenheit, als die Bundeswehr noch in der Stapelholm-Kaserne residierte, auch übernommen.

Da noch keine Ausschreibungen für die Besetzung der Betreuungs- und Wachdienste erfolgt ist, soll nach den Vorstellungen von Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler die Polizei die Kaserne schützen, bis ein Wachdienst die Arbeit aufgenommen hat. Von der Polizeidirektion Flensburg hieß es gestern dazu, dass gegenwärtig Gespräche laufen. Vermutlich werde es eine fünfköpfige-Polizeimannschaft geben. Diese, so die Überlegungen, würden aber nicht aus den Stationen Husum und Friedrichstadt zusammengestellt, sondern wohl eher von der Landespolizei aus Eutin.

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