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Husum Shopping Center : „Wir sind hier nicht bei Monopoly“

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Planungsausschuss und Bürger diskutierten kontrovers über das geplante neue Husumer Shopping-Center.

von
erstellt am 12.Mai.2016 | 06:28 Uhr

Der nächste Schritt zum Bau des Shopping-Centers in der Innenstadt ist getan: Die Mitglieder des Umwelt- und Planungsausschusses sprachen sich einstimmig für die Auslegung des Bebauungsplans für das Areal aus.

Um die genaue Form des geplanten Einkaufszentrums sollte es aus Sicht der Verwaltung in dieser Sitzung eigentlich nicht gehen. Fragen nach der Optik des neuen Gebäudes und weitere planerische Themen sollen in einem Durchführungsvertrag festgeschrieben werden, über den Umwelt- und Bauausschuss in einer gemeinsamen Sitzung beraten werden. „Beim heutigen Beschluss geht es vor allem darum, dass die planungsrechtliche Zulässigkeit des Shopping-Centers geprüft wird“, erläuterte Jörg Schlindwein von der Bauverwaltung. „Es wird hier nichts zementiert, was den Baukörper betrifft.“

Durch derartige Versicherungen ließen sich allerdings weder alle Zuhörer noch ein Teil der Ausschussmitglieder beruhigen. Einen Grund für die zahlreichen kritischen Nachfragen benannte Frank Hofeditz (Grüne): Obwohl der B-Plan noch gar nicht genehmigt sei, habe man in den vergangenen Monaten schon Aktivitäten auf dem Baugelände wie etwa das Fällen von Bäumen beobachten können: „Diese Parallelarbeiten, bevor der Sack zu ist, sind vielleicht nachvollziehbar, aber befremdlich.“

Ein weiteres Thema, das das Forum beschäftigte: Für wie viel mehr Verkehr wird das neue Einkaufszentrum sorgen? Die Antwort, die aus der Begründung des zuständigen Planungsbüros heraus zu lesen ist, sorgte bei einer Bürgerin für leichtes Entsetzen: „Die Verkehrszahlen erhöhen sich künftig um ein Drittel. Und das in einem kleinen, sensiblen Bereich: Der Schlossstraße und dem Quickmarkt. Das halte ich für bedenkenswert.“ Zudem wurden erneut Sorgen über die Höhe und die Optik der Gebäudefassaden laut.

Während auf Antrag der CDU die Umsetzung der Ergebnisse des Fassadenwettbewerbs für die Seite an der Großstraße nun auch in einem Beschluss festgeschrieben ist, ist noch unklar, wie die Fassade an der Schlossstraße aussehen soll. Schlindwein versicherte, die Pläne für die Schloss-Seite würden in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz entschieden. Diese und ähnliche Bedenken – wie etwa die Frage, ob das neue Einkaufszentrum das Torhaus verdecken würde – konterte Schliemann: „Sie haben Angst vor einem Moloch von einem Gebäude, das so gar nicht kommen wird.“ Zudem sollten sich die Kritiker einmal vor Augen führen, dass ja keine bisher unbebaute Fläche bebaut werde: „Wir haben jetzt dort ein Einkaufszentrum aus den 60er Jahren und bauen jetzt eins nach aktuellen Vorstellungen.“

Auf den Vorwurf, die „Eins-A-Lage“ der Schlossstraße werde durch den Bau des zum Einkaufszentrum gehörigen Parkhauses zerstört, entgegnete der Ausschussvorsitzende Dr. Ulf von Hielmcrone leicht irritiert: „Die Schlossstraße war noch nie eine Eins-A-Lage. Und außerdem sind wir hier nicht bei Monopoly.“

Noch gereizter reagierte Hielmcrone auf die Selbstbeschreibung einer Zuhörerin, die sich und ihre Mitstreiter als „wir Bürger, die im Widerstand arbeiten“ bezeichnete. Das sei unpassend, befand der SPD-Politiker, schließlich handele es sich bei der Kritik am Bau eines Einkaufszentrums nicht um Widerstand, wie es ihn in der NS-Zeit gegeben habe.

In die Historie, zumindest in die Husumer, begab sich zum Schluss der Sitzung auch der Ausschussvorsitzende: Nach positivem Votum für die Auslegung des B-Plans erklärte er, das letzte Projekt vergleichbarer Größe sei in Husum wahrscheinlich die Eindeichung des Dockkoogs 1847/48 gewesen.

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