Chor aus Breklum : „Wir sind auch Brückenbauer“

Obwohl die Sänger die meiste Zeit räumlich getrennt sind, bilden sie auf ihren Konzerten eine deutliche Einheit.
Obwohl die Sänger die meiste Zeit räumlich getrennt sind, bilden sie auf ihren Konzerten eine deutliche Einheit.

Punda Milia – der Zebra-Chor ist wieder auf Tournee durch die Gotteshäuser Nordfrieslands. 25 der Sänger kommen aus Tansania, 40 aus Deutschland. Am 10. Juni stehen sie wieder in der Breklumer Kirche auf der Bühne.

shz.de von
28. Mai 2015, 09:30 Uhr

Überall wo sie singen, erreichen sie nicht nur Ohren und Herzen der Menschen – sondern schaffen es durch ihre mitreißende Art vor allem, dass viele mit einstimmen in die fröhlichen Lobgesänge zu Ehren Gottes oder spontan mittanzen. Die Rede ist von den Sängerinnen und Sängern des Chores Punda Milia, die einmal mehr ihre Tour durch Gotteshäuser gestartet haben.

Das Besondere: Der Chor besteht aus derzeit 25 Tansaniern und 40 Deutschen. Höchstens einmal im Jahr üben sie gemeinsam, entweder auf dem schwarzen Kontinent oder hier. Noten und Musik werden ansonsten via Internet ausgetauscht. Das Repertoire reicht von traditionellen bis hin zu modernen geistlichen Liedern beider Nationen.

Auch wenn die Sänger die meiste Zeit räumlich getrennt sind, so bilden sie sichtbar und gefühlt besonders deutlich in den Konzerten eine Einheit. „In der Verbindung liegt unsere Kraft“, sagt Ingrid Sievers. Die Kirchenmusikerin ist Dirigentin für die deutschen Mitwirkenden. Henry Ross Mwaikkambo obliegt die Leitung in Tansania. Meist wird in der dortigen Hauptstadt Daressalam geübt. Die Sänger kommen aus allen Regionen des Landes.

In Deutschland wohnen die meisten in Nordfriesland – insbesondere rund um Breklum, dem ohnehin missionarischen Mittelpunkt. Dort wird auch hierzulande geprobt. Einige wenige sind in Hamburg oder Schleswig-Holstein zu Hause.

„Punda Milia heißt Zebra. Ein Zebra ist ein schönes Tier. Was wäre es ohne Streifen. Durch sie wird das Tier interessant – genau wie der Chor mit tollen Stimmen und den vielfältigen Liedern, die mit Rhythmik, Gestik und Percussionsinstrumenten unterstützt werden“, sagt Mwaikkambo mit leuchtenden Augen. „Wir sind auch Botschafter und Brückenbauer. Bei unseren Konzerten erleben wir, dass die Zuhörer sich beiden Kulturen annähern. Es entstehen Dialoge“, so Ingrid Sievers. Die Annäherung des Denkens und Empfindens im positiven Sinne als die Gemeinschaft der geistigen Geschwister in der einen Welt werde gefördert, sagt die Kirchenmusikerin. Mitsingen dürfe übrigens jeder der Lust habe. Und das gilt auf beiden Seiten.

Seit Gründung des multikulturellen Chores Anfang 2012 wird dieser von Bingo, der Umweltlotterie, dem Goethe-Institut und dem Auswärtigen Amt als internationales Projekt gefördert. Die Idee wurde bereits im Jahre 2008 geboren, erzählt Ingrid Sievers. Anlässlich eines Gospel-Workshops in Breklum sei sie mit den Dozenten aus Tansania näher ins Gespräch gekommen. In lockerer Runde mit anderen Chorleitern sei daraus das Grundkonzept gestrickt worden.

Die erste Station der jetzigen musikalischen Reise legte der Chor im Rahmen des Pfingstgottesdienstes in der Breklumer Kirche ein. Pastor Arend Engelkes zelebrierte ihn in deutscher und englischer Sprache zusammen mit Propst Nylbuko Joel Mwambola aus Tansania.

Viel Beifall gab es für die Lieder, allesamt Auszüge aus dem Konzertprogramm. Tanzend und singend waren die Akteure bereits in das Gotteshaus eingezogen. Und kaum jemand konnte sich dem Reiz des Rhythmus und der eingängigen Melodien entziehen.

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