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Sozialarbeit : „Wir brauchen einen Streetworker“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Für die Einrichtung so einer Stelle muss viel Geld in die Hand genommen werden. Die Aktiv-Region soll mit einer Förderung helfen.

Schon im Oktober hatte sich das Gremium dafür ausgesprochen – jetzt stand die Einrichtung einer Streetworker-Stelle erneut im Mittelpunkt des Hauptausschusses des Amtes Mittleres Nordfriesland. Bedarf sei, so hieß es, auf jeden Fall gegeben. Geplant ist bislang, die Stelle für alle 20 Gemeinden der Region unter dem Dach des Amtes anzusiedeln.

Der Leitende Verwaltungsbeamte (LVB), Dr. Bernd Meyer, war beauftragt worden, alles Nötige – inklusive Akquirierung möglicher Fördermittel – in die Wege zu leiten und vor allem auch ein Konzept mit Kostenermittlung zu erstellen. Ohne Fördermittel, war die weitere einhellige Meinung, gehe es nicht. Mit ins Boot genommen werden sollte der Handels- und Gewerbeverein (HGV) Bredstedt. Dessen ehemaliger Vorsitzender, Michael Thomsen, hatte eine Kostenbeteiligung in Aussicht gestellt. Die Idee hatte übrigens Johanna Christiansen, Diplom-Psychologin, Vorsitzende des Friesenrates Sektion Nord, Stadtvertreterin (SSW) in Bredstedt sowie stellvertretende Bürgermeisterin dort. Sie habe, so erläuterte sie, im Rahmen ihrer ehrenamtlichen Supervisions-Arbeit im Jugendzentrum Breklum festgestellt, dass es gut wäre, ein präventives, niedrigschwelliges und nachhaltiges Angebot außerhalb von Elternhaus, Schule oder Arbeitsplatz für Kinder und Jugendliche von zwölf bis 25 Jahren zu schaffen. Der Streetworker sollte sich dann – auch da waren sich alle einig – eng mit den vier Jugendzentren Langenhorn, Bordelum, Bredstedt und Breklum vernetzen.

Über die bisherigen Ergebnisse sowie neueste Entwicklungen informierte Meyer. „Eine Projektskizze liegt Carla Kresel von der Aktiv-Region Nord vor. Sie hat das Projekt bereits positiv für eine mögliche Dauer von drei Jahren nach einer Tabelle mit über 25 Punkten bewertet. Zudem sind inzwischen sieben potenzielle Projektpartner, also Sponsoren, mit dabei, die jährlich über den genannten Zeitraum 2750 Euro beisteuern wollen.“ An Personalkosten müsse man für eine Projektdauer von drei Jahren mit insgesamt 250.000 Euro rechnen. Hinzu käme noch ein Fahrtkosten-Budget. Die Höhe müsste noch festgelegt werden. „Mit der genannten Punktzahl wären die Voraussetzungen für eine 75-prozentige Förderung erfüllt. Allerdings wird zur Zeit nur eine Fördersumme von höchstens 100.000 Euro gezahlt, so dass die Gemeinden den Rest abzüglich Sponsorengelder stemmen müssten“, so Meyer weiter. Nun zeichne sich aber laut neuestem Signal der Aktiv-Region eine positivere Lösung an, wenn denn die neu angedachten Fördersätze auch in der Mitgliederversammlung Anfang Juli verabschiedet werden. Das würde umgerechnet bedeuten, dass im Falle einer Bewertung von bis zu 24 Punkten 100.000 Euro fließen würden, von 25 bis 29 Punkten 150.000 Euro und ab 30 Punkten 200.000 Euro. „Die Zahlen sind aber derzeit unverbindlich“, betonte der LVB.

„Wie sollen wir vorgehen?“ – so seine Frage. „Ich bin dafür, dass wir das durchziehen sollten, unabhängig von der Höhe etwaiger Fördermittel. Das sollte es uns wert sein. Wir haben soziale Brennpunkte. An den Schulen kommen wir ohne Sozialarbeiter nicht mehr aus“, erklärte Amtsvorsteher Hans-Jakob Paulsen. Bredstedts Bürgermeister Knut Jessen pflichtete ihm bei. „Der Bedarf ist unstrittig. Es geht darum, an die jungen Leute heranzukommen, die die Jugendzentren scheuen und sich keinen Regeln unterwerfen wollen“, erklärte er. Breklums Bürgermeister Heinrich Bahnsen und Vorsitzender des Finanzausschusses, sah die Sache anders. „Ich finde, wir sollten das Projekt von den Fördergeldern abhängig machen, also es nur angehen, wenn wir die höchste Punktzahl erhalten“, erklärte er. Mit dieser Meinung stand er alleine da.

Bahnsens weiterer Vorschlag, man solle zunächst noch einmal in eine Gesprächsrunde mit den Jugendzentrums-Leitern und allen Beteiligten, auch den Sponsoren, gehen, um noch einmal ihre Ansichten zu hören, fand dagegen Zustimmung. „Mich würde interessieren, ob ein Streetworker es wirklich schafft, an diejenigen heranzukommen, um die es geht“, so Bahnsen. Mitglied Knut Jessen hielt dagegen: „Genau das schafft so ein Mann. Ich könnte aus meiner aktiven Schulzeit Beispiele nennen, wo ich in Einzelfällen außerhalb von Elternhaus und Schule etwas durch Gespräche erreichen konnte.“

Das Gremium einigte sich schließlich darauf, die Expertenrunde einzuberufen und den Finanzausschuss einzuschalten. „Ich nehme positive Stimmung wahr und werde mich in Absprache mit der Aktiv-Region um die höchste Förderquote bemühen“, so Meyer.

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