Zu wenig Salz, Räumgerät und Manpower : Winterdienst kommt auf den Prüfstand

Der Winter stellte sich diesmal sehr früh ein - und das mit aller Kraft: Teilweise kam der Räumdienst mit der Arbeit kaum hinterher. Foto: vb
Der Winter stellte sich diesmal sehr früh ein - und das mit aller Kraft: Teilweise kam der Räumdienst mit der Arbeit kaum hinterher. Foto: vb

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15. Februar 2011, 12:16 Uhr

Husum | Bei den jüngsten Kämpfen gegen Frau Holle und Väterchen Frost gab es wohl kaum eine Kommune, die nicht von vornherein auf verlorenem Posten stand. Trotz aller Anstrengungen, die sämtliche Beteiligten nicht selten bis an die Schmerzgrenze und darüber hinaus führte, war das auch in Husum nicht anders. Und als wenn es nicht schon schwer genug wäre, sich gegen die Naturgewalt zu stemmen, kommen in solchen Extremsituationen auch noch kritische Stimmen von aufgebrachten Bürgern hinzu. Schließlich sind eine Art unversöhnlicher Unzufriedenheit "über die da oben" und fehlende Gelassenheit ebenfalls Bestandteile des menschlichen Wesens. Bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger.

In diesem Spannungsfeld nun trat Klaus Lorenzen aus dem Straßenbauamt an, um bei der jüngsten Bauausschuss-Sitzung im Rathaus einen Bericht über den Winterdienst mit all seinen Tücken und Problemen abzugeben. "Mit Ausnahme von 2009/2010 hatten wir seit mehr als zehn Jahren keine derart extreme Winterperiode - sie kam sehr früh, brachte sehr viel Schnee, dauerte sehr lange und brachte sehr niedrige Temperaturen", sagte er. Letztere hätten ein neues Problem nach sich gezogen: "Streusalz ist nur bis fünf Grad minus so wirksam wie es sein sollte." Eine weitere Schwierigkeit bestand Lorenzen zufolge darin, für Nachschub zu sorgen: "Ab Mitte Dezember haben Kommunen kein Salz mehr bekommen - die Landesbetriebe gingen vor." Sobald der Markt wieder etwas hergegeben habe, sei bestellt und bezahlt worden: "Da wurde schon gar nicht mehr über den Preis verhandelt."

In den vergangenen vier Jahren kam Husum nach Angaben von Lorenzen durchschnittlich mit 150 Tonnen Streusalz pro Winter aus. "Dieses Mal waren es vom 25. November bis zum 12. Januar alleine schon 600 Tonnen." Gut das Vierfache - bei einer unveränderten Anzahl von Fahrzeugen und Personal. Der aus einem Lkw und zwei Treckern bestehende Fuhrpark des Kommunalen Servicebetriebes der Stadt Husum (KSH) sei für derartige Mengen gar nicht ausgelegt. "Mit Schobüll zusammen ist ein Netz von rund 140 Kilometern zu bewältigen", rechnete Lorenzen vor: "Da schafft man nur die Hauptstraße und fängt gleich wieder von vorne an." Um der Schneemassen einigermaßen Herr zu werden, habe die Verwaltung nichts unversucht gelassen und ab 29. Dezember zusätzliche Radlader und Lastwagen angemietet.

KSH-Geschäftsfüher Ekkehard Lenius erklärte, dass alle seine 30 Mitarbeiter im Winterdienst eingesetzt worden seien: "Es gab keinerlei Reserve." Jeweils 15 von ihnen hätten abwechselnd eine Sieben-Tage-Schicht geschoben, um von 4 Uhr morgens an bis - bei Bedarf - 22 Uhr zu räumen und zu streuen. "Das ist eine sehr große Leistung", sagte Lenius. Allein im November und Dezember seien so 1100 Überstunden aufgebaut worden.

"Ich glaube, wir haben in Husum ein bisschen die Mentalität, dass wir im Winter die gleichen Straßenverhältnisse wie im Sommer haben möchten", sagte der KSH-Chef. "Ich war zu der Zeit in München - dort war es genauso schlimm, aber es wurde weniger gejammert."

Ausschuss-Vorsitzender Peter Empen bedankte sich im Namen aller bei der KSH-Belegschaft: "Die Mitarbeiter haben sich teilweise bis zur physischen Erschöpfung eingesetzt." Das erkenne jeder an, sagte Irene Fröhlich (Bündnis 90/Die Grünen). Es entstehe allerdings auch eine Schieflage in der öffentlichen Wahrnehmung: "Als Bürger sehe ich mich in der Räumpflicht, aber eben auch, dass die Stadt ihrer hinterherhinkt." Fröhlich regte an, für die entsprechende Ortssatzung in diesem Punkt "vielleicht eine klügere Formulierung zu finden".

Angesichts der jüngsten Negativ-Erfahrungen wollen Klaus Lorenzen und Ekkehard Lenius nach dem Winter mögliche Konsequenzen besprechen: Was lässt sich mit welchem Aufwand besser machen? "Letztendlich wird es darum gehen, welchen Standard Husum haben möchte - eine finanzielle Frage, die von der Politik beantwortet werden muss", so Lorenzen.

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