125 Jahre : Winnerter Wehr feierte mit Innenminister

Innenminster Lothar Hay überreichte  Urkunde und Glocke an Wehrführer Heiko Mailahn.
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Innenminster Lothar Hay überreichte Urkunde und Glocke an Wehrführer Heiko Mailahn.

125 Jahre besteht die Freiwillige Feuerwehr Winnert - das wurde mit einem großen Fest begangen. Unter den Gästen war auch Innenminister Lothar Hay (SPD), der sich zur Zukunft der Feuerwehren im Land äußerte.

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31. August 2008, 07:23 Uhr

Winnert | Einen besseren Eindruck davon, wie viele unvorhergesehene Dinge "König Zufall" den Feuerwehren immer wieder beschert, hätte Winnerts Wehrführer Heiko Mailahn seinen vielen Gästen bei der 125-Jahr-Feier gar nicht vermitteln können: Just, als er im Beisein von Innenminister Lothar Hay, vielen Ehrengästen und Einwohnern zu seiner Festrede angehoben hatte, klingelte sein Handy. Unbefangen, souverän und mit einer gehörigen Portion Humor befasste sich Mailahn vor offenem Mikrofon mit einer Nachfrage zur Bereitschaft während des Festes - und trug so zu großer Heiterkeit im Publikum bei. Ein gelöster Minister applaudierte spontan, unüberhörbare Lachsalven gingen durchs Publikum. Auf den "Ernst der Lage" machte der Wehrführer dennoch aufmerksam.

Und ein Ernstfall führte im Jahr 1883 zur Gründung der Wehr: Eine große Feuersbrunst hatte mehrere Häuser im Dorf in Schutt und Asche gelegt. Im Laufe der Jahre entstanden an unterschiedlichen Standorten in der Gemeinde Feuerwehrgerätehäuser - das jetzige wurde 1987 gebaut und 1993 erweitert. Dennoch konnte die Feier dort nicht stattfinden, ergiebige Regengüsse hatten das Außengelände arg durchgeweicht. Ein ortsansässiger Zeltbetrieb sorgte schnell für einen neuen Festort auf dem Freigelände am Norderweg.
Absage an das Modell "Stützpunktwehr"
Auf sehr großes Interesse stießen die Ausführungen des Innenministers - unterstrich der "oberste Feuerwehrchef des Landes" doch in seiner Ansprache: "Die Aufgabe der Feuerwehrleute ist eine mutige Aufgabe." Eine klare Absage erteilte Minister Hay jenen Stützpunktwehren, die in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen eingerichtet worden sind und dort wiederholt zu schärfsten Protesten und reihenweisen Austritten von Feuerwehrleuten gesorgt haben. "Stellen Sie sich einmal vor, es gäbe nur noch eine hochgerüstete Stützpunktwehr hier im östlichen Teil des Amtes Nordsee-Treene", so Hay. Glaubte denn jemand ernsthaft, die erforderliche höhere Mannschaftsstärke würde sich aus Freiwilligen der umliegenden Dörfer rekrutieren? Die Landesregierung setze auf ein flächendeckendes Feuerwehrwesen. Im Ernstfall sei die schnelle Hilfe durch die Feuerwehr der eigenen Gemeinde die effektivste Hilfe, die man sich vorstellen könne. "Auf eine Stützpunktwehr warten zu müssen, kann Menschenleben kosten", betonte Hay. Spontaner Beifall und am Ende der Ansprache dann als Geschenk für die Wehr eine Urkunde sowie eine silberne Glocke. Im Übrigen erinnerte sich der Innenminister, der aus Hattstedt stammt und der einst bei "Friese Husum" begeisterter Fußballer war, gern an Winnert: "In den 1960er Jahren hattet ihr eine tolle Handballmannschaft."
Stets Einsatzbereit
Bürgermeisterin Jutta Rese freute sich, "dass Winnert unserem Innenminister ein Begriff ist" und dankte den Feuerwehr-Mitgliedern "für die stete Einsatzbereitschaft". Der Wehr gehören derzeit 40 Aktive und 16 Mitglieder in der Ehrenabteilung an. Fünf Jugendliche sind in der Ostenfelder Jugendwehr.
"Sparen an der Feuerwehr - eine Katastrophe."
Glückwünsche seitens des Landkreises überbrachte Kreispräsident Albert Pahl, der betonte: "Sparen an der Feuerwehr wäre eine Katastrophe. Eine landesweite Berufsfeuerwehr wäre nicht bezahlbar." Amtsvorsteherin Karen Hansen, der stellvertretende Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbandes, Walter Behrens, der stellvertretende Kreiswehrführer Wolfgang Clasen, der stellvertretende Amtswehrführer Hermann Peter Rudolph sowie die Ostenfelder Bürgermeisterin Eva-Maria Kühl (stellvertretend für die angrenzenden Gemeinden Ostenfeld, Oldersbek, Schwabstedt und Wittbek), überbrachten Grußworte und Geschenke.
Dokumentation
Viel Beachtung fand die vom Winnerter Chronisten Hermann Hansen, der 81 Jahre alt und seit über 60 Jahren Feuerwehr-Mitglied ist, auf Stellwänden präsentierte großartige Feuerwehr-Dokumentation. Fröhliche Spiele der Jugendfeuerwehren, es siegte die Ostenfelder vor der Schwabstedter Mannschaft, Mittagessen und ein Riesen-Kuchen- und Torten-Bufett sowie der abendliche Auftritt der "Sönke-Sievers-Band" bildeten einen erstklassigen Rahmen. Zur Sicherheit stand ein Rettungswagen vor Ort bereit. Als Sponsoren hatten die Provinzial-Versicherung, die VR-Bank und die Schleswiger Versicherung finanzielle Unterstützung geleistet.

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