Glasfaser für die Dörfer : Windparks finanzieren Turbo-Internet

Der Wind spült genügend Investitionsmittel in die Kasse des Bürgerwindparks.
Der Wind spült genügend Investitionsmittel in die Kasse des Bürgerwindparks.

In Behrendorf und Sollwitt wollen die Bürgerwindparks die Verlegung von Glasfaserleitungen finanzieren. Noch sind nicht alle Verträge unter Dach und Fach. In Sollwitt sind sie aber schon ausgearbeitet, in Behrendorf wird darüber noch beraten.

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18. Juni 2014, 08:00 Uhr

So wie in Löwenstedt, so wollen auch die Einwohner von Sollwitt und Behrendorf das Internet nutzen können. Blitzschnell, mit einer Übertragungsrate von bis zu 100 MBit pro Sekunde lässt sich in Löwenstedt nämlich mittlerweile im weltweiten Netz surfen. Und die Chancen dafür, dass es in den beiden Dörfern bald losgehen kann, stehen gut. Beispielsweise wird am Mittwoch (25.) in der Gemeindevertreter-Sitzung in Behrendorf über das Thema Breitbandversorgung beraten. Dort stehen die „Beratung und Beschlussfassung über den Abschluss eines Vertrages mit dem zweiten Bürgerwindpark Behrendorf GmbH&Co. KG wegen Breitbandversorgung“ auf der Tagesordnung.

Der zweite Bürgerwindpark Behrendorf will nämlich, so Bürgermeister Jens Andreas Carstensen auf Anfrage, das nötige Kapital für den Bau eines Breitbandnetzes in der Gemeinde vorstrecken. Dabei will die Kommune nicht die Bürger-Breitband-Netzgesellschaft übergehen – ganz im Gegenteil. Investiert wurden beispielsweise von der Gesellschaft für den Ausbau der ersten Gemeinde in Löwenstedt rund 900.000 Euro. Vorgesehen als nächste Gemeinde für den Breitbandausbau ist Norstedt, doch vorher muss wieder frisches Kapital eingesammelt werden. Zudem ist es wichtig, dass die Bewohner auch angeschlossen werden wollen. Mindestens 68 Prozent der Einwohnerschaft einer Kommune müssen sich dafür aussprechen, ehe die Bagger losgeschickt werden. Sollte sich allerdings ein Kapitalgeber finden, der den Netzausbau einer Gemeinde zahlen will, dann ist auch dies möglich. Die Region investiert selbst in den Ausbau des Netzes und die Netzgesellschaft appelliert an den Solidar-Gedanken. Die Solidarität einer ganzen Region war auch der Grund, weshalb Ministerpräsident Torsten Albig zum ersten Spatenstich nach Löwenstedt gekommen war. Er sagte damals: „Sie verdienen das Prädikat: Ausdrücklich zum Nachmachen empfohlen.“

Nun wollen die Windparks das Kapital vorstrecken. Doch noch sind längst nicht alle Details geklärt. In Behrendorf, erläutert der Gemeinde-Chef, hätte es auch noch keine Befragung der Bürger gegeben. Noch sei nicht sicher, ob wirklich mindestens 68 Prozent der Einwohnerschaft mitmachen wolle. Denn nur dann könne es ja losgehen, unterstreicht Carstensen.

Der Vorsteher des Amtes Viöl, Sollwitts Bürgermeister Thomas Hansen, ist optimistisch, dass auch in seiner Gemeinde bald Glasfaserkabel verlegt werden können. Der Windpark Sollwitt GmbH & Co.KG, ebenfalls ein Bürgerwindpark, hatte sich schon vor längerer Zeit dazu entschlossen, Kapital in die Netzgesellschaft zu stecken, um den Breitbandausbau voranzubringen – 10.000 Euro je Megawatt. Nun will der Windpark, wie Hansen erläutert, Kapital für den Sollwitter Glasfaserausbau vorstrecken. Die Lage ist günstig, denn Leerrohre für die Glasfaserstränge von Löwenstedt liegen schon an der Gemeindegrenze in Pobüll, sagt Hansen. Weitere Details über Finanzierungsmodalitäten wollte er noch nicht mitteilen, da noch die letzten Vertragsinhalte juristisch geprüft werden müssen. Um die Zustimmung seiner Einwohner macht sich Hansen keine Sorgen, er rechnet mit einer Ja-Quote von weit über den geforderten 68 Prozent

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