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Windkraft in Nordfriesland : Windmüller treten auf der Stelle

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Veränderungssperre macht den Windmüllern in Nordfriesland zu schaffen. Bei der Mitgliederversammlung des Bundesverbands Windenergie war auch Journalist Franz Alt zu Gast.

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erstellt am 14.Okt.2015 | 15:30 Uhr

Dass ihnen etwas schwer im Magen liegt, das war den Windmüllern und ihren Unterstützern deutlich anzumerken, die in der Koogshalle in den Reußenkögen zusammenkamen. Die Regionalverbände Nordfriesland und Schleswig-Holstein Nord-Ost des Bundesverbandes Windenergie (BWE) hatten zur gemeinsamen Mitgliederversammlung geladen – knapp 200 Gäste waren gekommen. Insgesamt zählen die beiden Verbände rund 3000 Mitglieder. Reinhard Christiansen, Landes-Chef des Bundesverbandes Windenergie, brachte auf den Punkt, was viele Mitglieder aktuell bewegt: „Die Branche ist durch das Schleswiger Gerichtsurteil und die daraus resultierende Veränderungssperre tief erschüttert worden. Die Windmüller sind total verunsichert.“

Doch von vorne: Das Oberverwaltungsgericht Schleswig hatte im Januar zwei der fünf Regionalpläne des Landes, in denen Eignungsgebiete für die Windkraftnutzung festgelegt wurden, für ungültig erklärt. Um nun den befürchteten „Wildwuchs“ von Turbinen zu verhindern, ist ein planungsrechtliches Gesetz von Seiten der Landesregierung entwickelt worden. Grundsätzlich wird nun in einem Zusatz-Paragrafen der Bau von Windkraftanlagen vorläufig für zwei Jahre unterbunden, Ausnahmen werden aber zugelassen. So trat ab 5. Juni die landesweite Veränderungssperre in Kraft. Damit der Windkraftausbau aber nicht vollständig lahmgelegt wird, können die Investoren für jedes ihrer Projekte Einzelausnahmen beantragen. Das soll ihnen Rechtssicherheit geben und die Akzeptanz der Bevölkerung sichern.

„Die Veränderungssperre macht uns sehr zu schaffen. Auch wir wollen keinen Wildwuchs, aber es war angedacht, dass Anträge, die schon seit Monaten laufen, beschieden werden. Bislang wurden aber von mehr als 300 Anträgen, die die Ausnahmekriterien erfüllen, lediglich elf genehmigt. Wir wissen nicht mehr, wo es hingehen soll“, betonte Christiansen. Dabei handele es sich um ein Investitionsvolumen von insgesamt einer Milliarde Euro. „Das ist Stillstand und nicht das, was uns versprochen wurde. Wir brauchen Ergebnisse.“ Nun treten die Windmüller auf der Stelle und langsam macht sich in ihren Reihen Ungeduld breit. Am 4. November ist in Kiel ein Treffen zwischen den Windkraftbetreibern und der Staatskanzlei geplant, in dem die aktuelle Lage sondiert wird. Christiansen ist gespannt, wie sich Ministerpräsident Torsten Albig (SPD), der „körbeweise Genehmigungen“ versprochen habe, zu dem Thema äußern wird.

„Ohne Windenergie wird die Energiewende in Schleswig-Holstein nicht funktionieren und ohne Schleswig-Holstein schaffen wir den Atomausstieg und die Klimaziele in Deutschland nicht“, erklärte der BWE-Landes-Chef abschließend und prophezeit, dass die aktuelle Flüchtlingskrise nur ein kleiner Vorgeschmack auf das wäre, was passiere, wenn sich Klimaflüchtlinge in Richtung Europa aufmachen werden.

Das war Wasser auf die Mühlen von Gastredner Franz Alt. Der Fernseh-Journalist und Buchautor ist ein Verfechter der Energiewende und hielt einen leidenschaftlichen Vortrag zum Thema „Sonne und Wind schicken keine Rechnung“. Sein Szenario, sofern die Energiewende nicht bis 2050 umgesetzt ist: Afrika ist nicht mehr bewohnbar und aus Europa werde Afrika. „Dann reden wir von Flüchtlingen in ganz anderen Dimensionen.“ Alt ist davon überzeugt, dass der Kampf um Rohstoffe die Wurzel allen Übels ist. Doch um Sonne und Wind könne man gar keine Kriege führen. Sein Publikum bezeichnete der 77-Jährige als Pioniere unserer Zeit. „Wir können ein ökologisches Wirtschaftswunder organisieren. Die Technik ist vorhanden. Allein Nordfriesland produziert 350 Prozent seines eigenen Stromverbrauchs. Sie hier im Saal sind die Vorreiter für eine bessere Welt.“ Dieses Lob hörten die BWE-Mitglieder natürlich gern. So nahmen sie ihm auch nicht übel, dass er in seinem – rhetorisch beeindruckenden Vortrag – ab und zu Ost- mit Nordfriesland verwechselte.

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