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Prototyp in der Marsch : Windkraftanlage: Beton ersetzt Stahl

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In der Südermarsch entsteht ein Windkraftanlagen-Prototyp mit Betonmast und zweiflügeligem Rotor. Der Mast ist 80 Meter hoch. Im März rücken die Spezialkräne an, mit denen die 3,2-Megawatt-Anlage fertiggestellt werden soll.

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erstellt am 28.Feb.2014 | 17:00 Uhr

Die Ruhe in der Südermarsch ist bald beendet, denn seit Ende vergangenen Jahres steht ein grau-brauner Betonturm mitten in der Landschaft auf dem Windtestfeld vor den Toren Husums, ohne das sich dort etwas regt. Dabei handelt es sich nicht um eine Bauruine, sondern um einen neuartigen Turm für Windkraftanlagen. Bis in eine Höhe von 80 Metern wurde er aus Betonfertigteilen zusammengesetzt. Doch um die Anlage fertig stellen zu können, muss ein Spezialkran zum Einsatz kommen. Und von diesem Gerät gibt es nur ganz wenige Exemplare in Deutschland. Nun allerdings, im März, soll es mit dem Bau weitergehen. Darauf hat das Unternehmen Sky-Wind aus Rendsburg fast ein Viertel Jahr warten müssen, da möglichst wenig Wind bei der Montage wehen soll – und im März toben statistisch nur selten Stürme über das Land.

Holger Arntzen von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland sagt dazu, dass mit dieser 3,4 Megawatt-Anlage ganz neue Wege im Windmühlenbau beschritten werden. Erstmals sei der Turm aus Betonfertigteilen errichtet worden, und es werde nur einen zweiflügeligen Rotor geben. Das Maschinenhaus könne zudem am Turm selbst in die Höhe gezogen werden.

Wenn Maschinenhaus und Rotor montiert sind, dann soll beides mehrfach hoch- und runterfahren. Den Vorteil dieses Anlagentyps sieht Sky-Wind unter anderem in der einfacheren Bauweise. Der Turm kann mit wesentlich weniger Kraneinsatz errichtet werden als herkömmliche Anlagen. Hinzu kommt, dass die genannten Komponenten quasi direkt am Turm „hochklettern“, dafür also keine Spezialkräne benötigt werden, da der Turm selbst als Kran dient – nur eben bei der Errichtung der Testanlage noch nicht.

Den Vorteil dieser Methode sehen die Entwickler unter anderem bei der Errichtung von Windkraftanlagen in ökologisch besonders sensiblen Bereichen. Beispielsweise muss in Waldgebieten nicht mehr eine größere Fläche zur Aufstellung von Kränen gerodet werden.

Eigentlich hätte die neue Anlage bereits Ende des Jahres Strom in das Netz einspeisen sollen, doch die Bundeswehr hat den Planern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ihre Radaranlage am Flugplatz in Jagel (Kreis Schleswig-Flensburg) könnte nämlich nach ihrer Angabe durch die neue 3,4 Megawatt-Anlage irritiert werden. Daher mussten die Pläne von Sky-Wind modifiziert werden.

Augenblicklich läuft für die insgesamt sieben Standorte für Testanlagen in der Südermarsch die Bauleitplanung. Ursprünglich waren zehn vorgesehen, doch drei, so Arntzen, seien aus Vogelschutz-Gründen rausgefallen. Ausschließlich Unternehmen aus Schleswig-Holstein sollen dort neue Anlagen zu Testzwecken errichten dürfen. „Noch wissen wir aber nicht, um was für Typen es sich handeln wird“, sagt Arntzen und unterstreicht, dass daher auch das notwendige Schall- und Schattenwurfgutachten schwer zu erstellen sei, „Wir müssen immer vom Worst Case ausgehen“, so der Mann von der Wirtschaftsförderung. Interessenten gebe es wohl, doch noch keine Vertragsverhandlungen. Ehe weitere Anlagen errichtet werden, müsse zudem das Umspannwerk der Eon umgebaut werden. Die 3,4 Megawatt-Anlage von Sky-Wind könne noch über den Mittelspannungsbereich einspeisen, doch für weitere Mühlen reicht die Kapazität nicht mehr aus. Eon habe aber den Umbau zugesagt, so Holger Arntzen.

Er rechnet damit, dass die zweiflügelige Betonmühle auf dem Testfeld in der Südermarsch vermutlich schon im April Strom in das Netz einspeisen wird.

 

 

 

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