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Bargums charakteristischer Landschaftsraum : Windkraft: Gräben zwischen Befürwortern und Gegnern

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Kreistag gibt am Freitag, 13. November, seine Stellungnahme zum ausstehenden Ausnahmeverfahren im Gebiet Scheinmark ab. Zudem soll am Sonntag, 29. November, ein Bürgerentscheid dazu in Bargum durchgeführt werden.

Täglich ist Dierk Jensen in der Scheinmark unterwegs, um nach seinen Rindern zu schauen und seine vier Hektar Weiden zu bewirtschaften. Er genießt die Ruhe in der Natur und die vielfältige Tierwelt um sich herum. Seit ein paar Monaten ist es mit der Ruhe für ihn allerdings vorbei: Das geplante Windparkprojekt lässt ihn nicht mehr los. „Wenn das Realität wird, ist das eine endgültige Entscheidung für die Zukunft. Ein furchtbarer Gedanke“, meint er.

Mit seiner Meinung ist er nicht allein. Ähnlich wie in anderen Gemeinden, wo derartige Projekte tiefe Gräben zwischen Befürwortern und Gegnern zogen. In Bargum zog eine Gemeindevertreterin aufgrund des Vorgehens zum geplanten Windparkprojekt ihre Konsequenz und legte ihr Ehrenamt aus persönlichen Gründen nieder. Sie sei „erschüttert“ darüber, wie sie in einem öffentlichen Kommentar auf der Internetseite der Interessengemeinschaft Pro Landschaftsräume (pro-landschaftsraeume.de) deutlich machte: „Wir trauern um die Gemeinschaft in Bargum: Sie ist dem Virus Unvernunft und Geldgier zum Opfer gefallen.“

Dierk Jensen ist Sprecher der Interessengemeinschaft (IG), die sich am 6. Oktober gründete. Die Zeit, um die Ausmaße des geplanten Projektes in den Köpfen der Bewohner bewusst zu machen, drängt, wie er sagt. Am Freitag, 13. November, ist der Kreistag gefordert, eine Stellungnahme zum ausstehenden Ausnahmeverfahren zu den geplanten Windkraftanlagen abzugeben – und am Sonntag, 29. November, soll ein Bürgerentscheid zum Thema in Bargum durchgeführt werden.

Was erst 2016 ansteht, ist ein externes Gutachten von Landesebene, dass darüber befinden soll, ob das Gebiet Scheinmark aufgrund seines Status als charakteristischer Landschaftraum überhaupt für den Bau von Windkraftanlagen infrage kommt, oder ob es schützenswert ist. „Wir erwarten, dass Verwaltung und Politik das Gutachten abwartet und das es im Vorwege zu keiner Ausnahmegenehmigung für den Bau kommt“, so Dierk Jensen. Täglich sind er und die Mitglieder der IG damit beschäftigt, die Öffentlichkeit über die Planungen der Firma Offtec aus dem benachbarten Enge-Sande zu informieren, ihre Standpunkte den politischen Gremien des Kreises und der Staatskanzlei näherzubringen und durch eine öffentliche Unterschriftenaktion die „politische Führung zum Handeln“ aufzufordern.

Geht es nach dem Unternehmen Offtec, das Sicherheitstraining und Ausbildung für die Windenergiebranche anbietet, sollen in dem charakteristischen Landschaftsraum Scheinmark – Hauke-Haien-Koog/Langenhorner und Störtewerker Koog/Niederung der Soholmer Au – vier Windkraftanlagen entstehen. Eine davon als Übungsanlage (wir berichteten).

In Nordfriesland gibt es insgesamt fünf dieser charakteristischen Landschaftsräume, die bisher als Tabuzone für Windeignungsflächen galten – obwohl sie keinen gesetzlich definierten Schutzstatus genießen. Nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Schleswig, das Ende Januar 2015 die Teilfortschreibung der Regionalpläne und damit die Ausweisung von Windeignungsgebieten von 2012 für unwirksam erklärt hatte, richtet sich das Land in Sachen Wind planerisch neu aus. Bestimmte Landschaftsräume sind damit nicht mehr unantastbar, nur weil es die Kreise, Gemeinden oder Bürger so wollen. „Wenn im Bargumer Gebiet wirklich gebaut werden sollte, dann ist die Tür für die anderen charakteristischen Landschaftsräume in ganz Schleswig-Holstein auch offen. In Bargum würde mit einer Ausnahmegenehmigung ein Präzedenzfall geschaffen“, gibt Dierk Jensen zu bedenken. Dass es für die Firma Offtec um ihre betriebliche Wirtschaftlichkeit und für Teile der Gemeindevertretung Bargum um die Stärkung der Finanzkraft durch Gewerbesteuereinnahmen geht, kann er sogar verstehen. Er sei auch kein Gegner von Windkraft, wie er betont. Allerdings habe in seinen Augen das Vorhaben nichts mit Klimaschutz oder Energiewende zu tun: „Wir müssen diese einzigartigen Landschaftsräume jetzt und für unsere Nachkommen bewahren. Das ist unsere Aufgabe“, meint er.


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