Trotz Energiewende : Windkraft-Branche verunsichert

Andreas Eichler, ist Vice President Sales Germany beim Windenergieanlagenbauer Vestas und Vizepräsident der IHK Flensburg.
Andreas Eichler, ist Vice President Sales Germany beim Windenergieanlagenbauer Vestas und Vizepräsident der IHK Flensburg.

Die Berliner Kürzungspläne bedeuten schwierige Zeiten für Anlagenhersteller wie Vestas.

shz.de von
11. März 2013, 08:27 Uhr

Husum | "Nein", sagen Andreas Eichler und Christina Buttler mit Nachdruck: "Vestas plant keine Entlassungswelle." Das Unternehmen passe sich lediglich den internationalen Marktbedingungen an. Schon 2012 habe der Windkraftanlagen-Hersteller öffentlich erklärt, dass er weltweit rund 2000 Beschäftigte abbauen müsse, um Doppelstrukturen in Europa, Asien und den USA zu vermeiden. Das bedeutet eine Reduktion von 18 000 auf 16 000 Mitarbeiter.

Gerüchte, wonach 500 dieser Entlassungen allein in Deutschland, die meisten noch dazu in Husum anstünden, wiesen die Pressesprecher für Vestas Deutschland und Europa allerdings zurück. Tatsächlich seien hierzulande 40 Mitarbeiter betroffen, von denen einige zudem noch in den vorzeitigen Ruhestand gingen. Das Ganze ziele auf eine Anpassung der Verwaltungsstrukturen, nicht auf die Anlagen-Produktion und schon gar nicht auf einzelne Standorte. "Wir sind uns sehr bewusst, was wir am Standort Husum haben", sagte Eichler, "und daran wollen wir festhalten." Ein Hinweis, den er auch als Bekenntnis für Schleswig-Holstein verstanden wissen wollte, "das für uns nicht nur als Fläche für Windkraftanlagen, sondern auch als Produktionsstandort von Bedeutung ist". Von Lübeck-Travemünde gelangten Generatoren von Vestas-Anlagen in die ganze Welt.

Eichler dementierte ferner, dass vor allem ältere Mitarbeiter von der Kündigung betroffen sind und ging in die Offensive. Natürlich müsse das Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben und dafür immer die beste Technologie entwickeln. Mit seinem Flaggschiff, der

V 112, sei das auch gelungen, so Eichler. Um zu zeigen, wie gut das Unternehmen am deutschen Markt platziert ist, ließ er Zahlen sprechen. "Vor drei Jahren lagen wir bei einem Marktanteil von 14,9 Prozent, 2012 waren 24,2. Darauf sind wir stolz. Und das brauchen wir auch." Neue Abschlüsse - unter anderem in Niebüll und Simonsberg - bestätigten, "dass wir die richtige Technologie haben und auf dem richtigen Weg sind". Darin sehen Buttler und Eichler auch einen Beitrag zur langfristigen Arbeitsplatzsicherung im Unternehmen.

Sorge bereitet Vestas und der gesamten Branche allerdings die zögerliche Haltung der Bundesregierung zur Energiewende, die, "obgleich von der Bevölkerung getragen", viel zu schleppend angegangen werde. Beide Vestas-Vertreter haben kein Verständnis dafür, dass die Bundesregierung die Energiewende will, zugleich aber die Kosten dafür "deckeln oder sogar reduzieren" möchte. Die Aussagen "der Herren Rösler und Altmeier hierzu" bezeichnete Eichler als "nicht sehr förderlich". Die Branche erkenne sehr genau, wie die Unsicherheit - auch die der Banken - den Ausbau der regenerativen Energien zu finanzieren, wachse. "Und der Onshore-Ausbau ist offenbar gar nicht mehr gewollt", erklärte Eichler. "Wir sind heute in der Lage, einen hohen Anteil des Strombedarfs über die Windenergie abzudecken", fuhr er fort. Doch tatsächlich werde nur etwa die Hälfte der Anlagen realisiert, "die wir dafür brauchen". Und mit Fingerzeig auf Berlin, wo Vestas derzeit nach neuen, günstigeren Büroräumen Ausschau hält, wurde Eichler noch deutlicher: "Die Ausbauziele für die Energiewende werden nicht gefördert, sondern stattdessen auf die Branche eingeschlagen." Auf die Frage, wie er sich die Haltung der Bundesregierung erkläre, fügte er hinzu: "Die sind alle im Wahlkampf." Zielführender wäre aus Eichlers Sicht, die Einnahmen aus der Stromsteuer in den Endverbrauch zu reinvestieren. Als "sehr konstruktiv" bezeichneten die Vestas-Sprecher demgegenüber den Dialog mit der Landesregierung.

Nicht kommentieren wollten sie die Frage, ob zur Stabilisierung des Unternehmens ein Gehaltsverzicht der Mitarbeiter vorgesehen ist. "Wir sind ein globales Unternehmen", sagte Buttler. "Und was wir tun, tun wir nach geltendem Recht und Gesprächen mit dem Betriebsrat." Aber Vestas ist auch eine Aktiengesellschaft und steht daher immer in der Gefahr, von der Konkurrenz - zum Beispiel aus China - geschluckt zu werden. Auch dazu gab es keine, beziehungsweise diese Stellungnahme: "Vestas hat eine sehr breite Aktionärs-Struktur."

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