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Vor Eröffnung der Husum Wind : Windenergie in SH: Verschwendeter Öko-Strom

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Umschalten statt abschalten: Der Windenergie-Verband fordert einen anderen Umgang mit erneuerbaren Energien – und hat Minister Robert Habeck auf seiner Seite.

Husum | Wer über Schleswig-Holsteins Landstraßen fährt und einen Blick nach rechts und links auf die zahlreichen Windkraftanlagen riskiert, dem fällt schnell auf, dass sich viele von ihnen gar nicht bewegen – trotz steifer Brise. Das verfolgen auch die Windmüller vor allem in den Regionen Nordfriesland, Dithmarschen und Ostholstein mit Sorge. Ihre Anlagen stehen immer häufiger still, obwohl der Wind weht. Der Grund dafür sind Engpässe bei den Netzen. Deren Betreiber können dann nicht ausreichend Strom abnehmen beziehungsweise abtransportieren. Ihnen bleibt nichts anderes übrig als die Anlagen vom Netz zu nehmen. Die erzeugte Energie bleibt ungenutzt.

Diese absurde Situation ist dem Bundesverband Windenergie (BWE), der mehr als 3000 Unternehmen aus der Branche vertritt, ein Dorn im Auge. Deshalb hat der Verband ein Impulspapier erarbeitet, in dem Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie man dieses verschwendete Strompotenzial sinnvoll nutzen kann. Die beste Gelegenheit, mit diesem Thema an die Öffentlichkeit zu gehen, ergriffen die BWE–Vertreter prompt: das Umfeld der Husumer Windmesse.

So fand am Montag (14. September) im Nordsee-Congress-Centrum ein Gespräch zwischen Schleswig-Holsteins Energiewende-Minister Robert Habeck, BWE-Präsident Hermann Albers und dem BWE-Landesvorsitzenden Reinhard Christiansen statt.

Generell gilt, dass bei Engpässen zunächst konventionelle Kraftwerke vom Netz genommen werden, anschließend Wind- und Solaranlagen. Windkraftanlagen sind dabei am häufigsten betroffen, denn sie lassen sich im Gegensatz zu Atom- oder Kohlekraftwerken schnell steuern und sind als reine Stromerzeugungsanlagen nicht in Wärme- oder industrielle Prozesse eingebunden. „Für uns ist es ärgerlich und unbefriedigend, dass der preiswerte Windstrom wegen stockenden Netzausbaus immer wieder nicht genutzt werden kann. Deshalb schlagen wir vor, in Fällen, wo Netz-Engpässe auftreten, die Anlagen umzuschalten und den Strom barrierefrei für Mobilität und Wärme bereitzustellen. Dafür sind neben gutem Willen lediglich einige wenige gesetzliche Präzisierungen erforderlich“, erklärt Albers.

Das bedeutet konkret: Man könnte zum Beispiel Elektroautos direkt im Windpark aufladen oder den Grünstrom örtlichen Tankstellen, Pflegediensten und dem öffentlichen Nahverkehr bereitstellen. Energieversorger könnten überschüssigen Strom nach der sogenannten Power-to-heat-Methode für Fernwärme nutzen. Davon habe der Verbraucher nicht nur einen ökologischen, sondern auch einen ökonomischen Vorteil, so Albers. Das Interesse an der Nutzung des überschüssigen Stroms sei groß, gibt Christiansen, selbst Windmüller, zu bedenken. Es gäbe schon zahlreiche Anfragen von verschiedensten Vereinen.

„Der BWE rennt bei mir offene Türen ein mit seinem Vorstoß“, macht Habeck deutlich. Der Netzausbau habe jedoch Vorrang und müsse zügig bundesweit vorangetrieben werden. Aus Sicht der Landesregierung sei entscheidend, dass jetzt, wo auf Bundesebene konkretere Vorstellungen für einen Strommarkt 2.0 vorgelegt werden, ein System geschaffen wird, das alle erneuerbaren Energien einbeziehe.

Ein Bericht des schleswig-holsteinischen Umweltministeriums zeigt, dass 2013 zirka 2,2 Prozent der erneuerbaren Bruttostrommenge (239 GWh) abgeregelt werden. Die Betreiber der Anlagen erhalten zwar eine Entschädigung für ihre durch Abschaltung nicht nutzbare Windenergie. „Letztlich ist es aber für keinen Windmüller wirtschaftlich attraktiv und unternehmerisch befriedigend, sein Geld auf Dauer mit Entschädigungszahlungen zu verdienen. Für diese müssen letztlich die Stromkunden aufkommen, obwohl keine Energie geliefert wird. Dies beeinträchtigt die Akzeptanz der Energiewende“, heißt es in dem Impulspapier. „Wir wollen erreichen, dass wirtschaftliche Konzepte erarbeitet werden können, ohne dass rechtliche Stolpersteine in den Weg gelegt werden“, sagt BWE-Sprecher Wolfram Axthelm.

Die rechtlichen Stolpersteine sind im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verankert. Dem BWE zufolge blockiere das EEG die Weiterverwendung und Speicherung des überschüssigen Stroms. Auch Habeck fordert von der Bundesregierung rechtliche Anpassungen. Da es sich beim EEG um ein Bundesgesetz handelt, kann das Land aber wenig bewirken. Der BWE wird es nicht nur bei dem Impulspapier belassen und plant, der Bundesregierung spätestens Anfang kommenden Jahres konkrete gesetzgeberische Vorschläge zu unterbreiten.

Die „Husum Wind 2015“ läuft von Dienstag an bis zum 18. September – jeweils von 10 bis 18 Uhr. Auf  25.000 Quadratmetern im Husumer Nordsee-Congress-Centrum und in den fünf angeschlossenen Hallen präsentieren sich mehr als 600 Aussteller aus 25 Ländern. Erwartet werden mehr als 20000 Besucher. Näheres: www.husumwind.com und www.windenergyhamburg.com.
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erstellt am 15.Sep.2015 | 06:30 Uhr

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