Kultur in Tetenbüll : Wind- und Deichgeschichten

„Schafe klein“ von Hartmut R. Berlinicke.
„Schafe klein“ von Hartmut R. Berlinicke.

Doppelausstellung im Haus Peters: Gezeigt werden eine Auswahl von Berlinickes Lebenswerk und Fotografien von Torsten Richter.

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17. August 2018, 12:00 Uhr

Im Haus Peters in Tetenbüll eröffnet ab morgen eine neue Doppelausstellung. Bis zum 28. Oktober treffen dann zwei unterschiedliche Kunstrichtungen aufeinander. Unter dem Titel „Windige Geschichten“ wird eine retrospektive Grafik-Auswahl von Berlinickes Lebenswerk zu sehen sein, während Torsten Richter mit „Neuland/Hinterland“ seine fotografischen Arbeiten zeigt. Die Ausstellung wird um 15 Uhr mit einer Einführung in das Werk Berlinickes von Otto Beckmann – einem Kollegen des in diesem Jahr verstorbenen Künstlers – eröffnet. Zudem wird es ein Künstlergespräch mit Torsten Richter geben.

Hartmut R. Berlinicke lebte viele Jahre in Wildeshausen, wo er auch sein Atelier und seine Galerie betrieb. In diesem Jahr hätte er sein 50-jähriges Künstler-Jubiläum feiern können. Der Künstler arbeitete vorzugsweise im Bereich Druckgrafik und in der Technik der mehrfarbigen Aquatinta-Radierung, die ihm erlaubte, einen Farbton in verschiedenen Abstufungen flächig wiederzugeben. Berlinicke war ein Meister der Grafik, er beherrschte alle Techniken – von der Radierung mit Kaltnadel, über die Farb-Aquatinta bis hin zum Sieb- und Holzdruck.

Berlinicke schreckte vor keinem Thema zurück. So setzte er sich in mehreren Mappenwerken und Zyklen mit dem Holocaust und dem Judentum auseinander, oder widmete sich sensiblen Themen wie Tod und Religion. Gleichermaßen liebte er aber Landschaften, Natur, Architektur und die kleinen, scheinbar unsichtbaren Dinge, die sonst niemand beachtet. Was alle seine Werke kennzeichnet, ist, dass der Betrachter immer sehr genau hinschauen muss. Dann findet er Anspielungen, Zitate und ironische Brechungen, die seine Motive in der Schwebe lassen zwischen Realität und Vision. „Bilder entstehen als formaler Protest oder als Tröstung. Meine Bilder beinhalten den Dialog mit der Erinnerung an den letzten Augenblick oder gar an die früheste Zeit meiner Kindheit“, sagte Berlinicke über seine Werke. Sie seien auch Tagebuchnotiz in der Beziehung zu Weggefährten, Auseinandersetzung mit Zeitung und Tagesthemen. Seine Arbeiten entstünden trotz aller Anstrengung spielerisch und „entwickeln sich im Arbeitsprozess unerwartet ausgebufft zu existenziellen Lebensmitte, natürlich durch die Nachsicht und die kritische Anteilnahme meiner Umwelt“.

Der Brunsbütteler Fotokünstler Torsten Richter hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem Land hinterm Deich (und dem Treiben vor dem Deich) einige neue und ungewöhnliche Eindrücke abzutrotzen. In der Ausstellung „Neunland/Hinterland“ geht es um das beobachtende Leben vor und hinterm Deich, unter Vermeidung der zu erwartenden Postkartenidylle und unter Zuhilfenahme diverser grafischer und fototechnischer Mischtechniken.

Die Bilder entwickeln hierbei eine elementare Eigenständigkeit, die ihren Ursprung nicht verhehlt, und gleichzeitig eine Tür öffnen, die einen universellen Zugang ermöglicht. So entstehen teils klassische Motive in völlig neuen Intensitäten, während auf der anderen Seite besonders der Verzicht auf das Offensichtliche den Betrachter in eine abstrahierte Wahrnehmung mitnimmt, und so den Blick nach innen lenkt. „Mit Hilfe der Fotografie und verschiedenster Mal- und Mixed-Media-Techniken wird hierbei nicht einfach die Realität in bekannter Form abgebildet, sondern Bild und Betrachter in eine Position versetzt, die in einem hohen Maße subjektiv bleibt“, erklärt der Künstler.

Die Ausstellung ist bis Ende September dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr und ab Oktober von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Info unter www.hauspeters.info.de und www.trchtr.de.











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