Brutgebiete an der Nordseeküste : Wildgänse in SH sorgen für reichlich Nachwuchs

Eine Graugans verjagt einen fremde Graugans. Die Brutsaison bei den Wildgänsen ist in vollem Gange.
Foto:

Eine Graugans verjagt einen fremde Graugans. Die Brutsaison bei den Wildgänsen ist in vollem Gange.

Überall in den Brutgebieten ziehen die Gänseeltern ihre Küken auf. Dabei gibt es schnell Streit mit dem Nachbarn.

shz.de von
15. Mai 2018, 07:00 Uhr

Husum | Eben noch hat „Papa“ Graugans mit vorgestrecktem Hals einen fremden Ganter verjagt, da wird er selber zum Ziel einer wütenden Attacke: Mit fauchendem Schnattern macht eine Weißwangengans ihm Beine. Bei den Wildgänsen an der deutschen Nordseeküste herrscht Hochbetrieb in Sachen Nachwuchs.

Graugänse brüten an der gesamten Küste – „an jedem Tümpel und Dünen-See“, weiß Biologe Klaus Günther von der Naturschutzgesellschaft „Schutzstation Wattenmeer“. Das war vor 40, 50 Jahren noch anders. Anfang der 1970er Jahre lebten in ganz Europa gerade einmal 20.000 der Vögel. Heute treffen sich allein an Schleswig-Holsteins Nordseeküste im Mai und Juni rund 30.000 Graugänse, sagt Günther. „Vor allem im Beltringharder Koog, im Hauke Haien Koog und in der Eidermündung.“ Der Biologe koordiniert im Auftrag der Nationalparkverwaltung die regelmäßigen Zählungen der Rastvögel.

Gefährlicher Weg durch Wasser und Watt zum Festland

Daher weiß er, dass die Graugänse ihre Kinderstube mittlerweile auch ins Wattenmeer bis zu den Halligen oder Sandbänken wie Norderoogsand haben. „Eine zweifelhafte Strategie der Vögel“, sagt Günther. Weit weg vom Festland können sie zwar geschützt vor Füchsen brüten. Doch nach dem Schlüpfen brauchen die Gänsebabys grüne Wiesen und Frischwasser.

Viele Graugans-Familien machen sich daher von Oland oder Langeness auf den gefährlichen Weg durchs Wasser und das Watt zum Festland. Unterwegs landet manches Gänseküken im Magen einer hungrigen Silber- oder Mantelmöwe, berichtet Günther.

Weißwangengans im Beltringharder und im Fahretofter Koog sowie auf Trischen

Auch die arktische Weißwangen- beziehungsweise Nonnengans hat Schleswig-Holsteins Wattenmeer seit Mitte der 1980er Jahre als Brutgebiet entdeckt. Vermutlich haben sich damals „Gefangenschafts-Flüchtlinge“ unter die Wildvögel gemischt, sagt Günther. Doch die hier Geborenen bleiben Schleswig-Holstein nicht unbedingt treu.

Als Erwachsene zogen einige der Weißwangengänse den eigenen Nachwuchs in der Arktis auf, wie beobachtet wurde. „Wenn sie heiraten, wenn sie sich verpaaren, bestimmt einer der Partner, wo es zum Brüten hingeht“, erklärt Günther. Das führe zu einer großen Durchmischung des genetischen Materials und wenig Inzucht. Heute brütet die Weißwangengans im Beltringharder Koog und im Fahretofter Koog sowie auf Trischen, Föhr und Sylt, sagte Günther. Die meisten der aktuell rund 150.000 Weißwangengänse im Wattenmeer ziehen jedoch weiter gen Norden.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen