Hallig Süderoog : Wiedervereint: Filmreifes Ende für William und seine Kamera

Endlich hält William seine Kamera wieder in den Händen. Roland Spreer, Vater von Hallig-Bewohner Holger Spreer, hatte sie im Herbst an Süderoogs Küste gefunden.
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Endlich hält der zehnjährige William seine Kamera wieder in den Händen. Roland Spreer, Vater von Hallig-Bewohner Holger Spreer, hatte sie im Herbst an Süderoogs Küste gefunden.

Nach ihrer 900-Kilometer-Reise durchs Meer holt ein zehnjähriger Brite seine Action Cam auf der Hallig ab. Er hatte sie im Herbst an der englischen Küste verloren.

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07. Januar 2018, 12:14 Uhr

Was soll man auch sagen, als freundlicher zehnjähriger Brite, der gerade seine kleine Kamera wiederbekommen hat und dabei von fünf großen Kameras und zehn Journalisten umringt ist, die jedes Wort aufzeichnen? Er sei speechless, erklärte William, sprachlos, und ohnehin sei die ganze Geschichte um seine Action Cam einigermaßen unglaublich und großartig.

Von England nach Hallig Süderoog – William bekommt seine Kamera wieder:

Video: Victoria Lippmann

Stimmt. Bemerkenswert ist es schon einmal, dass die kleine Kamera in ihrem Schutzgehäuse über zwei Monate fast 900 Kilometer weit durch die Nordsee getrieben ist, und dabei nicht kaputt ging, so dass sie Teile ihrer Reise selbst dokumentierte. Dadurch konnten die Hallig-Bewohner Nele Wree und Holger Spreer, an deren Küste die Kamera schließlich antrieb, sehen, wie William das gute Stück beim Spielen an der Küste von Thornwick Bay auf einem Stein abstellt, der Junge irgendwann aus dem Sichtfeld der Kamera verschwindet und sie später von einer Welle ins Wasser geschwemmt wird.

„Selbst der Autovermieter kannte unsere Geschichte“

Das junge Paar stellte Aufnahmen von diesen Szenen ins Netz, Medien in Deutschland und Großbritannien griffen die Geschichte auf und eine Woche später schickte eine Bekannte Williams Mutter Helen Etherton einen Link zu einem Onlineartikel und fragte sie, ob dort nicht ihr Sohn gezeigt werde.

Nun, wenige Wochen später, ging also das Happy End der Kamera-Saga in Nordfriesland über die Bühne: Auf Einladung von Wree und Spreer reisten William, seine Eltern und Schwester Poppy (12) am Freitag zunächst nach Pellworm, um Sonnabend gemeinsam mit Wattpostboten Knud Knudsen und einer Gruppe von Journalisten durchs Watt nach Süderoog zu wandern. „Wir finden es toll, dass die Kinder diese spannende Erfahrung machen können“, sagte Mutter Helen, die von der plötzlichen Berühmtheit ihres Sohnes einigermaßen überwältigt ist: „Selbst der Autovermieter am Hamburger Flughafen kannte unsere Geschichte“, berichtete ihr Mann.

 Wattwanderung zur Kamera: Gut sechs Kilometer führte Wattpostbote Knud Knudsen (r.) Familie Etherton von Pellworm nach Süderoog.
Victoria Lippmann
Wattwanderung zur Kamera: Gut sechs Kilometer führte Wattpostbote Knud Knudsen (r.) Familie Etherton von Pellworm nach Süderoog.

Und William? Der hätte sich den Weg nach Süderoog zwar etwas kürzer als gut sechs Kilometer vorgestellt, schaffte es aber, fröhlich durch die für ihn doch recht tiefen Priele zu waten und trotzdem höflich ein Interview nach dem nächsten zu geben.

Ein Geschenk des Urgroßvaters

Ob es denn nicht einfacher gewesen wäre, eine neue Action Cam zu kaufen, anstatt extra nach Deutschland zu fliegen? Einfacher vielleicht schon, gab der Zehnjährige zu. „Aber das wäre nicht meine Kamera, die bis nach Deutschland geschwommen ist. Und außerdem hat sie mir mein Urgroßvater geschenkt.“

Noch einmal verlieren, beteuerte er, als er das leicht veralgte Stück auf Süderoog schließlich in den Händen hält, werde er sie sicher nicht. William sei sehr aufgelöst gewesen, als er Anfang September ohne seine Kamera vom Strandausflug nach Hause in den englischen Ort Hull gekommen war, erinnerten sich seine Eltern. Sie hätten den Verlust damals unter der Rubrik „so etwas passiert halt mal“ abgehakt und niemals geglaubt, die Kamera einmal wieder zu sehen.

Auf der Hallig nahmen Wree und Spreer, die dort normalerweise allein mit ihrer acht Wochen alten Tochter leben, die britischen Gäste herzlich auf, versorgten sie mit Kartoffelsuppe und einer Kurzeinführung über das Leben auf dem „tiny island“. So richtig könne er sich nicht vorstellen, wie die beiden Süderooger allein in in der Nordsee zu leben, sagt William: „Ich glaube, das kann hier schnell einsam werden.“

Aber für einen Urlaub würden sie gern wiederkommen, versicherte die Familie, bevor sie am Nachmittag vom Seenotretter „Eiswette“ zurück nach Pellworm gebracht wurde.

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