Dampf-Premiere : Wiederholung mit einigen Änderungen

Seltenes Bild: die Dampflokomotive mit angehängten IC-Kurswagen  im Abendlicht. Fotos: Stephan Bülck
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Seltenes Bild: die Dampflokomotive mit angehängten IC-Kurswagen im Abendlicht. Fotos: Stephan Bülck

Zehn Wochen lang war zwischen Niebüll und Dagebüll an Wochenenden erstmals eine Dampflok im Einsatz. Nun zogen die Initiatoren Bilanz.

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21. August 2008, 09:48 Uhr

Niebüll | Südtondern ist um eine Attraktion ärmer. Die Güterzug-Dampflokomotive 528079-7 ist in ihre 700 Kilometer entfernte Heimat zurückgekehrt. Zehn Wochen lang bestimmte das Dampfross im Bahnhof der Norddeutschen Eisenbahngesellschaft Niebüll GmbH (NEG), an der Dagebüller Mole und auf den Gleisen dazwischen das Bild. Zeit für den Initiator, NEG-Geschäftsführer Dipl.-Ing. Ingo Dewald, Bilanz zu ziehen.

Das seit Jahren stetige Ansteigen des Passagieraufkommens bei der NEG setze sich fort, so Dewald. Und daran habe auch die 528079-7 ihren Anteil. "Insgesamt sind mit unseren Dampf-Zügen in den vergangenen zwei Monaten 50 000 bis 60 000 Reisende gefahren." Im Vergleich zu 2006 (insgesamt 272 000 Fahrgäste), erwartet der Geschäftsführer für das laufende Jahr eine Steigerung um 16 Prozent. Besonders freut sich Ingo Dewald über die vielen positiven Resonanzen und Zuschriften, die er bekommen hat - und über die breite Unterstützung der Unternehmerschaft, die das Ereignis mit ihren Spenden erst möglich gemacht habe.
"Wir mussten einen kleinen Betrag zuschießen."
Doch es gebe auch einen Wermutstropfen in Bezug auf den Dampfbetrieb. "Wir haben das wirtschaftliche Klassenziel nicht ganz erreicht. Wir mussten einen kleinen Betrag zuschießen." Grund dafür seien unvorhersehbare Kosten, so Ingo Dewald. "Das Rangieren der Lok in Dagebüll kostete Zeit, die bei den herkömmlichen NEG-Triebwagen mit zwei Führerständen entfällt. Daher mussten wir sonntags zeitweise Parallel-Busse nach Niebüll einsetzen, damit die Gäste ihre Anschlusszüge noch bekamen." Aber das seien Dinge, die bei der Premiere eben passierten, so Ingo Dewald. Der NEG-Geschäftsführer kann sich sehr gut eine Wiederholung vorstellen. "Allerdings müssen wir dafür die Kosten reduzieren und eine noch bessere Auslastung erreichen." Ein Beispiel: Die kostenintensiven Überführungs-Fahrten mit angehängten Salonwagen der ehemaligen DDR-Reichsbahn nutzten mit 40 Passagieren auf der Hin- und rund 50 auf der Rückfahrt weniger Gäste, als erwartet.
Dänemark mit einbinden
Unterm Strich heißt das für das kommende Jahr: Eine umfassendere und frühzeitige Werbung, eine eventuelle reduzierte Einsatzzeit der Lok von zehn auf fünf Wochen, ein früherer Start der Fahrten an den Wochenenden sowie das Anbieten touristische Sonderfahrten. Dewald kann sich dabei gut vorstellen, das Nachbarland Dänemark in die Route mit einbeziehen. "Interesse hat es schon dieses Mal gegeben." So wurde angefragt, ob die Dampflok am Eisenbahnfest in Odense teilnehmen könnte. "Doch das war so kurzfristig nicht möglich." Trotz des in Dänemark unkomplizierten Genehmigungsverfahrens für historische Fahrzeuge sei immer noch eine Vorbereitungszeit von zwei bis drei Monaten nötig.

Armin Korok, Geschäftsführer der Föhr-Tourismus GmbH, hat durchweg positive Erfahrungen gesammelt. "Die Reaktion unserer Gäste war geradezu euphorisch", sagt er. "Das ist für uns ein Anlass, noch einen oben draufzusetzen. Wenn es nach mir geht, sind wir im kommenden Jahr gerne wieder dabei. Der Einsatz der Dampflok war eine prima Sache und ein großer Image-Gewinn." Die Wyker-Dampfschiff Reederei sowie die Inseln Amrum und Föhr hatten einen großen Teil der Kosten übernommen. "Das war gut angelegtes Geld", so Armin Korok.
Lagerschaden auf der Rückfahrt
Highlight waren am letzten Tag die Führerstand-Mitfahrten. Gegen einen kleinen Kostenbeitrag nahmen rund 30 Besucher die Gelegenheit wahr, einmal am Kessel zu stehen und an der Pfeife zu ziehen.

Ganz reibungslos verlief die Rückkehr der 52 8079-7 in ihren Heimatort Dresden allerdings nicht. "Zehn Wochen lang ging alles gut", so Ingo Dewald. "In Itzehoe hatte sie dann einen Lagerschaden, saß vier Stunden fest." Aber: "Sie ist eben eine alte Dame."
17 Kubikmeter Wasser und sechs Tonnen Kohle
Zehn Wochen lang waren fünf Lokführer und sieben Heizer im Einsatz. Einige von ihnen investierten sogar ihren Urlaub. Jeden Tag gingen 17 Kubikmeter Wasser, sechs Tonnen Oberschlesische Steinkohle (sie hat besondere Brenneigenschaften) und eine Menge biologisch abbaubares Schmieröl drauf. Das Auffüllen der Vorräte nach einer Lokführer-Schicht, das Abschmieren und das Entfernen der Schlacke kostete die Dampflok-Profis jedes Mal zwei bis drei Stunden Zeit. Prominentester Dampfzug-Passagier war übrigens Verkehrsminister Dr. Werner Marnette (CDU).

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