Stadtentwicklung : Wie sieht Husum in zehn Jahren aus?

<strong>Ernste Gesichter</strong> und ein wichtiges Thema: Hans-Jürgen Vollrath-Naumann (3. von links) leitete die zum Teil emotional geführte Diskussion.  Foto: Müllerchen
Ernste Gesichter und ein wichtiges Thema: Hans-Jürgen Vollrath-Naumann (3. von links) leitete die zum Teil emotional geführte Diskussion. Foto: Müllerchen

Eine Podiumsdiskussion zur Stadtentwicklung lockte zahlreiche Zuhörer an. Der Appell an die Bürger der Storm-Stadt: "Bringt euch mehr ein!"

shz.de von
01. April 2010, 05:58 Uhr

Husum | "Husums Innenstadt vertrocknet und die grüne Wiese blüht auf" - mit dieser provokanten Aussage eröffnete Philipp Jensch von der Friedrich-Naumann-Stiftung die Podiumsdiskussion im "Thomas-Hotel" zum Thema "Husum 2020 - Die Zukunft nach der Krise".

Ganz so tiefschwarz schätzten die Teilnehmer die Lage denn doch nicht ein. Der stellvertretende Bürgermeister Lothar Pletowski verwies auf die Lebendigkeit der Einkaufsstadt Husum, die von erstklassigem Unternehmergeist profitiere. Ein attraktives Gewerbegebiet werde gebraucht, um die Kunden anzuziehen. Das sah auch Volker Articus, der Vorsitzende der Gesellschaft für Husumer Stadtgeschichte, so. Die Stadt habe sich gut entwickelt, weil sich Menschen dafür eingesetzt hätten. "Doch die politisch machbare Entwicklung ist nicht richtig erkannt worden." Funktionen, die eigentlich der Innenstadt zuzuordnen seien, würden in das Gewerbegebiet verlagert.
Stadtbildpflege auf hohem Niveau fortführen

Manfred Kamper, Vorsitzender des Vereins Stiftung zur Erhaltung des Husumer Stadtbildes, forderte größte Vorsicht bei der Stadtentwicklung. Leer stehende Gebäude würden eine Verschmutzung nach sich ziehen. Daher müsse die Stadtbildpflege auf hohem Niveau fortgeführt werden. Die renovierte Kirche sei ein gutes Beispiel dafür, wie Denkmalpflege in die Planungen integriert werden könne, sagte er. "Wer jedoch den Denkmalschutz als Feind ansieht, hat schon verloren."
Attraktives Gewerbegebiet

Die Frage nach der Erreichbarkeit der Innenstadt sei von grundsätzlicher Bedeutung, so Peter Cohrs, Vorsitzender der Werbegemeinschaft. "Wir brauchen ein vernünftiges Verkehrskonzept, von dem wir noch himmelweit entfernt sind." Großes Lob zollte er dem Gewerbegebiet: "Es ist sehr attraktiv und das ist auch gut so." In diesem Zusammenhang forderte er den Ausbau der B 5. "Wenn wir hier nicht vorankommen, können wir uns die Vision von einem fortschrittlichen Husum abschminken." Wichtigstes Projekt sei jedoch die Fertigstellung der Westtangente. Damit seien Hunderte Arbeitsplätze verbunden. Pletowski zeigte sich zuversichtlich, dass mit den Arbeiten bald begonnen werden könne. Es fehle nur noch die endgültige Antwort aus dem Landeswirtschaftsministerium in Kiel.
"Welcher Bürger sieht sich den Bebauungsplan an?"

Kritische Töne kamen von Stadtplaner und Architekt Uwe Siemens. Husums Innenstadt müsse wieder bewohnbar gemacht werden. Gleichzeitig forderte er die Bevölkerung auf, sich stärker in die Diskussion bei der Erstellung von Flächennutzungs- und Bebauungsplan einzubringen. "Wer schaut sich denn im Rathaus den ausgehängten Bebauungsplan an und beteiligt sich mit Vorschlägen?" Hier habe die Bevölkerung die Möglichkeit, an der Stadtentwicklung mitzuwirken.
Stadt packe Probleme nur widerwillig an

Auch die knapp 100 Zuhörer lies Moderator Hans-Jürgen Vollrath-Naumann zu Wort kommen - und die sparten nicht mit Kritik. Die Stadt mache es sich zu einfach, wenn sie immer nur auf fehlende Mittel verweise: "Ich habe den Eindruck, dass sowohl die Stadtvertretung als auch die Verwaltung Probleme nur mit Widerwillen anpackt", stellte ein aufgebrachter Zuhörer klar. Es könne nicht sein, dass sich die Stadt mit der Begründung angeblicher Handlungsunfähigkeit aus der Affäre ziehe. Auch die heiß diskutierte Gestaltungssatzung kam auf den Tisch. Sie könnte den Abriss erhaltenswerter alter Gebäude verhindern. Das neue Messe- und Kulturzentrum sei zwar gut, so ein weiterer Zuhörer. "Doch damit wird der Innenstadt ein großer Anteil des kulturellen Lebens entzogen." In seinem Schlusswort forderte Vollrath-Naumann die Zuhörer noch einmal auf, sich mehr in die Politik einzumischen und öffentliche Ausschuss-Sitzungen zu besuchen.

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