Besonderes Konzert : Wie der Flamenco nach Koldenbüttel kam

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Ein Mann und seine Gitarre: Benjamin Nissen in seinem Garten.

Ein Mann und seine Gitarre: Benjamin Nissen in seinem Garten.

Benjamin Nissen berichtet, warum er den Flamenco so liebt und was es mit der Gruppe „Entre dos Mares“ auf sich hat.

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11. Juli 2019, 14:48 Uhr

Koldenbüttel | Einmal im Jahr treffen sich fünf Freunde, die den Flamenco lieben und leben, in Schleswig-Holstein und versuchen dann stets, in der Region ein oder zwei Konzerte zu geben. Sie nennen sich „Entre dos mares“ und treten am 13. Juli, 19 Uhr, in der St.-Leonhard-Kirche zu Koldenbüttel auf, sowie am 14. Juli, 17 Uhr, in der Kreuzkirche in Schülp bei Rendsburg.

Benjamin Nissen ist einer von ihnen. Er lebt mit seiner Familie in Koldenbüttel und arbeitet im Husumer Rathaus. In der Bauverwaltung kümmert er sich um das Thema Straßenausbau-Beiträge. Beim Flamenco taucht der Familienvater in eine ganz andere, eigenwillige Welt ein. Flamenco ist für ihn Gefühlsausdruck pur.

Am 13. Juli, 19 Uhr, findet in der St.-Leonhard-Kirche zu Koldenbüttel ein Konzert statt

„Genau das will ich mit Musik erreichen: Freude ausstrahlen, Gefühle übermitteln“, sagt der 34-Jährige, der schon als Teenager den Flamenco für sich entdeckte.

Alles fing mit dem Album „Friday Night in San Francisco“ an, das ein Freund seiner Eltern mitbrachte. „Ich war sofort begeistert von den für mich völlig neuen Rhythmen. Vor allem aber beeindruckte mich das unglaubliche schnelle Spiel von Paco de Lucia, der dazu kein Plektron benutzte. Das kannte ich bisher nur von der klassischen Gitarre. Also wollte ich wissen: Was macht er da mit seinen Fingern und wie kann man so spielen?“

Um den Flamenco dort zu spüren, wo er beheimatet ist, fuhr Benjamin Nissen immer wieder nach Spanien, zu den jährlichen Flamenco-Festivals in Jerez de la Frontera. Dort lernte er den Gitarristen Agustin de la Fuente kennen, der ihm bis heute ein Vorbild ist.

Der Flamenco ist für mich wie eine Auszeit vom Alltag. Benjamin Nissen, Musiker
 

„Agustin ein sehr angesehener Lehrer und Komponist. Aus aller Welt kommen Gitarristen zu ihm. Er hat mir das Handwerkszeug beigebracht, die Rhythmen und Traditionen, die in den verschiedenen Flamenco-Gattungen fest verankert sind“, sagt  Nissen.

Wie gut das funktioniert, zeigt sich im Zusammenspiel mit seinen Freunden, der Sängerin Kristina Heursjlaeger (Amsterdam), dem dänischen Percussion-Experten Janne Thomassen und den in Eckernförde lebenden Tänzern Beate und Matthias Hasselberg: „Wenn Kristina beispielsweise sagt, dass sie eine Alegria singen möchte, wissen alle sofort, welche Tonart zu spielen ist, welche Compas (Rhythmen), Melodiebögen und Klischees auf der Gitarre gefragt sind und was die Palmas machen müssen, die für das rhythmische Klatschen zuständig sind“, erklärt „Benni“ Nissen.

Auf der Bühne gilt eine strenge Hierarchie: „Sind Tänzer dabei, bestimmen diese, wo es langgeht. Die Gitarre versucht den Rhythmus in die Fußteile des Tanzes zu legen. Auch die Sängerin achtet auf den Tänzer. Wenn alle auf der Bühne diese Sprache beherrschen, kann es losgehen.“ Natürlich haben alle vor dem Auftritt im Kopf, was gespielt werden soll: „Dennoch entsteht im Flamenco viel spontan und aus dem Gefühl heraus.“

Sängerin Kristina Heursjlaeger aus Amsterdam.
Kristina Heursjlaeger

Sängerin Kristina Heursjlaeger aus Amsterdam.

 

„Ich bin froh, dass ich Musik machen kann, für die ich brenne – und dass ich nicht davon leben muss“, sagt der Nordfriese lachend und erzählt, dass er in Husum nur einen Gitarristen kennt, der seine Leidenschaft teilt: Sven Ketelsen. Mit ihm tritt er auch als Duo auf.

Auf die Frage, ob er jemals mit dem Gedanken gespielt hat, ins Land des Flamenco zu ziehen, sagt Nissen: „Ich bin durch und durch Norddeutscher und liebe es, hier zu leben. Der Flamenco ist für mich wie eine Auszeit vom Alltag.“ Deshalb gehe es ihm auch nicht so sehr darum, ständig Auftritte zu haben: „Ich vergleiche den Flamenco gerne mit einer Meditation, in der ich zu mir kommen kann und dieses Gefühl trotzdem mit anderen teilen darf.“

Ansonsten steht das Familienleben für ihn immer an erster Stelle. „Ich versuche mich mit Laufen und Radfahren fit zu halten, wobei meine Kinder das mit dem Fithalten auch schon gut hinbekommen.“

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