Leser fragen Politiker : Wie barrierefrei hätten Sie’s gern?

Wie stehen die Fraktionen zum Shared-Space-Konzept?
Wie stehen die Fraktionen zum Shared-Space-Konzept?

Leser fragen, Politiker antworten: Unsere Leserin interessiert sich dafür, was die politischen Fraktionen in Husum vom Shared-Space-Konzept für die Innenstadt halten.

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28. März 2018, 12:00 Uhr

Unter dem Motto „Leser fragen – Politiker antworten“ hatte die Redaktion Leserinnen und Leser aufgerufen, die Anliegen zu schicken, die ihnen vor der Kommunalwahl auf den Nägeln brennen. In der ersten Folge hat eine Husumerin, die namentlich nicht in der Zeitung erscheinen möchte, gleich zwei Fragen:

1. In welcher Form setzt sich Ihre Partei für ein barrierefreies Tourismuskonzept für Husum und für den barrierefreien Nah- und Fernverkehr ein? Konkret: Ab wann können Gäste und Bürger mit einem Niederflurbus vom Bahnhof zu den Sehenswürdigkeiten – etwa zum Schloss – fahren?

2. Wie positioniert sich Ihre Partei zur Einführung des Konzeptes Shared Space auf der Norderstraße?

Christian Czock (CDU):

Zu 1.: Die Neuausschreibung des ÖPNV wird zu barrierefreien Haltestellen und zu einem wesentlich verbesserten Linienangebot führen. Darum bitte abwarten, was die Busunternehmen auf die Ausschreibung der Stadt anbieten werden. Beim Tourismuskonzept hat die CDU vor längerer Zeit bereits ein eigenes Konzept erarbeitet, bei dem die Barrierefreiheit ein Themenschwerpunkt gewesen ist. Wir werden dafür sorgen, dass dieses Thema auch im Konzept der Stadt Schwerpunktthema sein wird.

Zu 2.: Beim Thema Shared Space ist es die CDU-Stadtfraktion gewesen, die bereits vor einigen Jahren dieses zum Thema in Husum gemacht hat. Damals war es für die anderen Fraktionen nicht so wichtig. Insoweit stehen wir diesem Thema positiv gegenüber. Gerade die Norderstraße ist für Radfahrer in Richtung Osten gefährlich zu befahren – hier müssen wir etwas ändern. Auch die jetzige Parksituation ist derzeit unbefriedigend.


Horst Bauer (SPD):

Zu 1.: Der ÖPNV wird künftig die Bedürfnisse von Menschen mit Einschränkungen in der Mobilität besser berücksichtigen und zu festen Taktzeiten erfolgen. Ergänzt wird das Angebot durch den Rufbus. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass dies schrittweise umgesetzt werden muss. Auch in Zukunft wird der ÖPNV nur bestimmte Linien abdecken können. Es werden also auch in Zukunft nicht alle Sehenswürdigkeiten in Husum direkt angefahren werden können. Ein solcher Busverkehr wäre für Husum nicht zu bezahlen.

Zu 2.: Die SPD unterstützt das Konzept des Shared Space im Bereich Großstraße/Markt, solange sichergestellt ist, dass dies zu einer deutlichen besseren Verkehrssicherheit in diesem Bereich beiträgt. Für den Bereich der Norderstraße setzen wir uns auch für bauliche Anpassungen ein, die die Fahrradfahrer besser schützen und die Barrierefreiheit verbessern, etwa durch weniger breite und hohe Bürgersteige.

Reimer Tonder (WGH):

Zu 1.: Es wird künftig nur noch Niederflurbusse geben, doch die Umsetzung bei 100 Haltestellen im Stadtgebiet wird dauern. Das Bauamt ist beauftragt.

Zu 2.: Shared Space wird von der WGH positiv gesehen. Allerdings haben wir bisher nichts davon gehalten, schon jetzt ein Stück davon auszuprobieren. Wir sind für ein abgestimmtes Vorgehen, unter anderem mit unserem Mobilitätskonzept und mit der Fertigstellung des neuen Husum Shopping-Centers. Das alles gehört in ein Paket.


Frank Hofeditz (Grüne):

Zu 1.: „Die Grünen-Fraktion hat die Aktivitäten des Behindertenbeauftragten für ein Barrierekataster unterstützt und fördert die Aktivitäten, Barrieren überall abzubauen, also auch im Tourismus. Mit dem neuen Stadtbussystem werden in Husum Niederflurbusse zum Einsatz kommen. Es wird deutliche Verbesserungen für viele Fahrgäste bringen. Dafür haben wir uns eingesetzt. Das ÖPNV-Konzept sieht Barrierefreiheit verbindlich ab 2022 vor, die notwendigen Angleichungen an den Haltestellen werden ab Ende 2018 beginnen. Der Husumer Bahnhof verfügt über Aufzüge zu den Bahnsteigen, wegen des ungeklärten Wartungskonzeptes werden diese aber immer wieder außer Betrieb gesetzt. Hier muss die Deutsche Bahn unverzüglich Abhilfe schaffen.

Zu 2.: Mit dem niveaugleichen Ausbau des Straßenzuges Norderstraße/Markt/ Großstraße nach dem Shared-Space-Gedanken wollen wir Barrieren (hohe Bordsteine!) abbauen und für ein besseres Miteinander aller Menschen, die mit dem Rad, zu Fuß oder mit dem Auto unterwegs sind, sorgen. Diese Maßnahme muss sorgfältig geplant werden und auch die Bedürfnisse von geh- oder sehbehinderten Menschen berücksichtigen. Dazu hatte die Grünen-Fraktion unlängst einen Verkehrsexperten aus Hamburg zu einer öffentlichen Veranstaltung ins Rathaus eingeladen, der die Vorteile eindrücklich dargestellt und kritische Fragen kompetent beantwortet hat.

Peter Knöfler (SSW):

Zu 1.: Wir fordern schon seit Jahren Barrierefreiheit überall in der Stadt, gemäß der Uno-Behindertenkonvention. Bisher läuft die Umsetzung in Husum in zu kleinen Schritten. Die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TASH) hat ein wunderbares barrierefreies Tourismuskonzept für die Städte des Landes vorgelegt. Daran können wir uns orientieren. Wir müssen die guten Vorschläge des Konzepts nur umsetzen, damit Menschen mit Handicap echte Teilhabe erfahren können. Barrierefreie Busse und Bahnen sind Teil dieses Konzepts, dessen Umsetzung wir in Husum vorantreiben wollen.

Zu 2.: Der Antrag zur Errichtung einer Shared-Space-Zone im Bereich Norderstraße/ Markt/Großstraße wurde schon vor ein paar Jahren von der SSW-Fraktion im Bauausschuss gestellt. Er fand damals aber leider keine Mehrheit. Die beauftragten Verkehrsplaner für das Mobilitätskonzept 2025 forderten dann aber wie wir genau dies. Durch die Umsetzung der Maßnahme ergeben sich große Chancen für mehr Aufenthaltsqualität in der Innenstadt, insbesondere für Fußgänger, Radfahrer und selbstverständlich auch für Menschen mit Behinderung.

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