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Windmesse : Wie aus Streithähnen Partner wurden

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Lange tobte ein erbitterter Streit um die Windmesse: Hamburg wollte sie übernehmen und Husum hielt an ihr fest. Heute wechselt man sich ab.

Bald ist es wieder so weit: Husum zeigt sich als Gastgeber der wichtigsten Veranstaltung der Windenergiebranche. Mehr als 650 Aussteller präsentieren vom 12. bis 15. September auf dem Gelände der Messe Husum & Congress ihre neuesten Produkte. Sie bilden auf 27.500 Quadratmetern im Kongresszentrum und in fünf Messehallen die gesamte Wertschöpfungskette der On- und Offshore-Windindustrie ab. Zur „Husum Wind“ werden rund 18.000 Fachbesucher erwartet.

Dabei sah es eine Zeit lang so aus, als würde die Messe Husum & Congress um die Zukunft der Großveranstaltung bangen müssen. Denn was 1989 mit der ersten Husumer Windmesse in einer Viehauktionshalle mit 30 Wind-Pionieren begann, erfuhr eine rasante Entwicklung. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Expansion in der Windbranche die Veranstalter 2012 an ihre Kapazitätsgrenzen stießen ließ. „Wir hatten 1200 Aussteller mit ihren Vertretern und bis zu 9000 Messebesucher täglich. Und das ohne eine Autobahnanbindung oder einen großen Flughafen“, erklärt Messe-Geschäftsführer Peter Becker.

Neben der Unmöglichkeit, weiter expandieren zu können, sei erschwerend hinzugekommen, dass das Ende eines Kooperationsvertrages mit der Hamburg-Messe, die über viele Jahre partnerschaftlich mit Husum verbunden war, bevorstand. „Es war eine Art Geburtsfehler, dass in dem Vertrag nicht geregelt worden war, wie es im Anschluss weitergehen sollte“, so Becker. Und der Vorschlag aus der Industrie, die sich mit ihren Global Playern über die Jahrzehnte stark verändert hatte, eine Windmesse in Hamburg abzuhalten, entfachte eine hitzige Diskussion – von außen oft als „Kampf von David gegen Goliath“ betitelt. Zwei Windmessen an zwei norddeutschen Standorten hätten, ohne eine klare Definition und inhaltliche Abgrenzung, das Aus für Husum bedeutet.

Der Disput sei damals sehr emotional geführt worden, erinnert sich der Messe-Chef – da es nicht nur für die Windbranche, sondern auch für Husum um sehr viel ging. Als die Kontrahenten sich schließlich auf ein moderiertes Verfahren, begleitet von der Vereinigung der Unternehmensverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein (UV Nord), verständigen konnten, wurde zielführend agiert. Die Frage „Was ist das Richtige für die Windbranche?“ brachte im Januar 2014 den Durchbruch und die Einigung: Beide Messe-Standorte haben ihre Berechtigung, vorausgesetzt, man teilt die Märkte, wechselt sich im zweijährigen Turnus ab, beteiligt den anderen am wirtschaftlichen Erfolg und unterstützt sich. Heute gilt ein tragfähiger Kompromiss: Während die Hanseaten in den geraden Jahren den Fokus auf den internationalen Markt legen, bildet Husum als Schaufenster für den deutschsprachigen Markt die Branchenvielfalt ab.

Auf dieser Basis pflegt man heute eine fruchtbare Zusammenarbeit. „Wir betrachten es als Riesenerfolg, die ,Husum Wind‘ und die in rund 30 Jahren gesammelte Kompetenz gehalten zu haben. Husum ist Authentizität. Es ist unglaublich, was man hier in vier Tagen über die Branche lernt“, schwärmt Becker. „Vor allem gilt: Hier weht der Wind!“

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erstellt am 22.Jul.2017 | 15:00 Uhr

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