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St. Peter-Ording : Westküste ohne Kitesurf-Worldcup

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

St. Peter-Ording wird im kommenden Jahr nicht mehr Austragungsort für den Kitesurf-Worldcup sein. Der Veranstalter hat sich für Fehmarn entschieden.

Auf das weltgrößte Kitesurf-Event muss St. Peter-Ording im nächsten Jahr verzichten. Der Veranstalter, die Firma Act Agency aus Hamburg, hat das Sportereignis an die Ostseeküste verlegt. Es wird vom 26. August bis zum 4. September auf der Insel Fehmarn stattfinden.

Die Absage löste Bedauern in der Tourismus-Zentrale St. Peter-Ording aus. Immerhin war der Worldcup zehn Jahre lang im Badeort ausgetragen worden und erwies sich dabei als Publikumsmagnet: Bis zu 210.000 Besucher kamen laut Veranstalter an den Strand. Noch in der vergangenen Woche war mit Act Agency verhandelt worden, wie die stellvertretende Tourismusdirektorin des Nordseebades, Constanze Höfinghoff, auf Anfrage erklärt. „Wir haben extrem viel Arbeit in das Thema gesteckt.“

Doch die große Beliebtheit dieser Veranstaltung hatte auch ihre Schattenseiten. Wilde Partys am Strand, illegale Wagenburgen, Vandalismus und Müllberge nahmen in den vergangenen Jahren so zu, dass für den Worldcup in diesem Jahr ein neues Verkehrs- und Sicherheitskonzept auf die Beine gestellt wurde, dass unter anderem ein striktes Parkverbot am nächtlichen Strand vorsah. Der Veranstalter sorgte für Ersatzparkflächen am Ortsrand von St. Peter-Ording. „Doch das hat natürlich auch Geld gekostet“, sagte Sven Kaatz, Pressesprecher von Act Agency gestern. „Neben einigen anderen Punkten war das der letzte Anlass für die Entscheidung, einen anderen Austragungsort zu suchen.“ Man müsse auch die Wirtschaftlichkeit im Auge behalten. Eine weitere Rolle habe in diesem Zusammenhang auch das Park- und Übernachtungsverbot am Strand gespielt. „Diese Möglichkeit wollten wir gerade den Besuchern aus der Kitesurf-Szene schon gern geben“, so Kaatz. „Zudem ist uns der Festivalcharakter mit Sport und Musik wichtig.“ Konzerte hatten in St. Peter-Ording zuletzt gar nicht mehr stattgefunden, die offiziellen Partys waren eingeschränkt worden. Auch das angedachte Kitesurf-Verbot im Nationalpark Wattenmeer habe dazu geführt, dass sich Act Agency für die Austragung des Kitesurf Worldcups erstmals an andere Orte gewandt habe. „Wir betonen aber auch: Wir gehen nicht im Groll auseinander. Wir haben mit Bürgermeister Rainer Balsmeier und Constanze Höfinghoff wunderbar zusammengearbeitet. Aber nach zehn Jahren in St. Peter-Ording ist es sicherlich legitim, sich nach neuen Möglichkeiten umzusehen.“

„Schade, am Ende hat es nicht gereicht“, sagt Constanze Höfinghoff. „Doch wir haben auch eine Verantwortung gegenüber unserem Ort.“ Es hätte ein neues Format gefunden werden müssen, das für St. Peter-Ording wieder tragbar gewesen wäre. „Aus Sicht der TZ, der Gemeinde, der Ordnungsbehörde und der Besucher hatten wir für die Veranstaltung in diesem Jahr gute Arbeit geleistet.“ Die TZ habe zudem für Betriebs- und Werbekosten in diesem Jahr wieder eine sechsstellige Summe zur Verfügung gestellt. Aber letztendlich: „Es müssen prüffähige Konzepte vorliegen, sonst kann die Ordnungsbehörde auch keine Entscheidung treffen.“ Es seien gute Ansätze vorhanden gewesen, aber es sei nicht erkennbar gewesen, was Act Agency genau machen wollte. „An diesem Punkt waren wir in der vergangenen Woche.“ Der Veranstalter habe sich mit Hinweis auf die Wirtschaftlichkeit nun anders entschieden, das sei bedauerlich. Wie die Lücke gefüllt wird, stehe noch nicht fest, aber Angebote gebe es genug, sagte Höfinghoff.

Durch zwei Brillen betrachtet der Ortsvereinsvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Marco Lass, die Absage. „Die Werbung für den Ort, die uns die Fernsehbeiträge über das Event beschert haben, ist unbezahlbar. Und die jungen Leute, die extra zum Worldcup kamen, sind die Gäste von morgen. Das ist sehr schade, dass das nun vorbei ist.“ Er lobte die sehr gute Organisation in diesem Jahr. Aber als Hotelier hat er auch die Erfahrung gemacht, dass viele Urlauber für die Zeit des Worldcups extra nicht buchten. „Viele Hotelgäste fühlten sich gestört. Sie wollen ihre Ruhe am Strand.“ Auch der Einzelhandel habe teilweise nicht in dem Maße profitiert, wie man sich das vorgestellt hätte. Schließlich seien viele Besucher auf dem Eventgelände am Ordinger Strand geblieben und nicht in den Ort gegangen.

Freude herrscht dagegen auf der Insel Fehmarn. „Der Kitesurf World Cup ist ein Publikumsmagnet und für eine Urlaubsdestination ein großartiges Aushängeschild“, sagt der Tourismusdirektor des Tourismus-Service Fehmarn, Oliver Behncke. „Gemeinsam mit Act werden wir alles geben, damit sowohl die Kitesurf-Profis, aber auch die Szene und natürlich auch alle anderen Besucher ein einzigartiges Festival erleben werden.“

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erstellt am 24.Nov.2015 | 18:46 Uhr

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