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Husumer Nachrichten

17. Dezember 2017 | 05:55 Uhr

Olderup : Wertvoller Dachbodenfund

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Landwirt Marten Clausen entdeckte ein Kassenbuch von 1820. Die Arbeitsgemeinschaft Dorfchronik übersetzt das Dokument derzeit.

„Da sage mal jemand, Chronikarbeit ist langweilig.“ Karen Wilms ist Kopf der Arbeitsgemeinschaft Dorfchronik in der Gemeinde Olderup. Erst vor wenigen Tagen erhielt sie von dem Landwirt Marten Clausen eine Rarität. Auf seinem Dachboden fand dieser ein Kassenbuch aus dem Jahre 1820. „Wir haben es inzwischen aufarbeiten lassen, und ich bin nun dabei, den Text, der in der altdeutschen Schrift verfasst wurde, zu übersetzen“, berichtet Wilms.

In dem Buch sind alle Einnahmen und Ausgaben vom damaligen Burvogt, also dem obersten Herrn der bäuerlichen Selbstverwaltung des Dorfes, eingetragen worden. Bis 1867 war ein solches Amt mit der Aufsicht über die Einhaltung der Ordnung im Ort verbunden. Der Buurvogt vertrat auch die Bevölkerung vor der Obrigkeit und hatte in einer bäuerlichen Feldgemeinschaft über Fruchtfolge und Arbeitstermine zu entscheiden. In Olderup war er zudem für die damals existierende Stampfmühle, also Getreidemühle, verantwortlich.

Beim Durchblättern des Buches fand Grita Nissen, die auch die Homepage der Arbeitsgruppe pflegt, ein weiteres Kleinod, nämlich eine Zeichnung von einem sogenannten Dingstock. Hierbei handelt es sich um einen unterschiedlich gestalteten kreuz- oder stabförmigen, meist eisernen Gegenstand, der dazu diente, zu Zusammenkünften oder Verhandlungen beim Bauernvogt einzuladen. Der Dingstock, so hatte Nissen recherchiert, war dazu in festgelegter Reihenfolge von Hof zu Hof weitergereicht worden. Unterließ oder verzögerte jemand die Weitergabe, so wurde das bestraft.

Nissens Idee, eine Replik nach der Skizze anfertigen zu lassen, fand sofort Zustimmung in der Runde, zumal die Gemeinde sie regelmäßig unterstützt. Gesagt, getan: Der Rentner Dieter Delfs aus Olderup wurde beauftragt, das Zeugnis aus alten Zeiten erlebbar zu machen. „Eine gelungene Arbeit“, findet auch Bürgermeister Thomas Carstensen. Das Werk werde nun seinen Platz in der Vitrine der Arbeitsgemeinschaft finden.

Jeden letzten Donnerstag im Monat trifft sich Wilms im Gemeindehaus mit einem harten Kern – meist die vier Akteure der Gruppe, dabei Elisabeth Koop und Klaus Petersen, manchmal auch geschichtsinteressierte Bürger –, um Geschichten auszugraben oder Aufzeichnungen und Fotos für künftige Generationen zu sammeln. Elisabeth Koop steuert die Fotos bei und kümmert sich um Veröffentlichungen, die übrigens regelmäßig auf der Internetseite zu finden sind. „Wer Fragen, Funde oder Bildmaterial hat, darf gern dazukommen. Ehrenamtliche Mitstreiter sind immer willkommen“, so Wilms.

Aktuell wird an dem Jahreskalender 2018 sowie an einer Chronik über die Geschichte sämtlicher Häuser und Höfe Olderups gearbeitet.

www.chronik-olderup.de oder 04846/6194 (Nissen).





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