Masterplan „Westküste“ gefordert : Werden Inseln und Halligen abgehängt?

Der Autozug als schnelle Verbindung zum Festland ist für die Sylter wichtig für ihre Lebensqualität.
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Für Sylter ist der Autozug zwischen Niebüll und Westerland günstiger.

Vertreter der Insel- und Halligkonferenz möchten am Vergabeverfahren für den Autozugverkehr nach Sylt beteiligt werden. Das Gremium sorgt sich, dass auf Einheimische höhere Preise zukommen könnten.

shz.de von
23. Januar 2015, 17:00 Uhr

Die Insel- und Halligkonferenz beobachtet mit großer Sorge die Entwicklungen im Bereich der Trassenvergabe für den Autozugverkehr nach Sylt. Wohin soll die Entwicklung gehen? Wer zahlt den Preis, wenn die Kostenspirale immer weiter nach oben dreht, und welche Züge werden noch in den hohen Norden – in den „echten“ Norden – fahren? Werden die Preise für die höheren Trassenentgelte, die die amerikanische Eisenbahngesellschaft Railroad Development Corporation (RDC) anscheinend zu zahlen bereit ist, auf die Kunden umgelegt, dann geht die Finanzierung der Bahnstrecke zu Lasten der Einheimischen und Gäste. Eine reine Betrachtung der Trassenentgelte sei zu kurz gedacht. „Oberstes Vergabekriterium sollte die Sicherung der Daseinsvorsorge für die Bevölkerung vor Ort sein und nicht allein unternehmerische Gewinnmaximierung. Hier ist ein Umdenken auf allen Verantwortungsebenen notwendig“, fordert der Vorsitzende Manfred Uekermann. „Die Anbindung der Inseln und Halligen muss im sozio-ökonomischen Kontext betrachtet werden.“

Alle Bestrebungen, die Auswirkungen des demografischen Wandels zu verringern und den Wirtschafts- und Lebensstandort Westküste zu stärken, werden zunichte gemacht, wenn die Anbindung der Inseln und Halligen an den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nicht sichergestellt ist, warnt die Konferenz. Ein Umschichten des Verkehrs auf die Straße kann nach ihrer Auffassung nicht die Zukunftsperspektive sein. Zudem gebe es noch viele ungeklärte Fragen bei der Trassenvergabe für den Autozugverkehr: vom Einsatz der Fahrzeuge über den Bestand der IC-Anbindung nach Westerland mit Kurswagen nach Dagebüll, der Gewährleistung eines optimalen Güterverkehrs per Schiene bis zur Sicherung von Arbeitsplätzen in der Region.

Im Gesamtkonzept der Verkehrsanbindung ist die Bahn ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor, wird angeführt – zum einen zur Sicherung der Infrastruktur und zum Erhalt dauerhaften Wohnraumes, zum anderen zur Sicherung der Arbeitsplätze rund um den Tourismus. Die Inseln und Halligen seien auf die zuverlässig funktionierende Bahnanbindungen (Fern-, Nah-, Güterverkehr) angewiesen.

„Ein Kriterium der Vergabe muss die Gewährleistung der Leistungsfähigkeit des Autozug-Anbieters sein, sodass bei einem eventuellen Anbieterwechsel ein reibungsloser und uneingeschränkter Betrieb vom Zeitpunkt der Übernahme an sichergestellt ist“, sind sich die Vorsitzenden der Konferenz-Arbeitsgemeinschaft „Verkehr und Schiffssicherheit“, Paul Raffelhüschen und Göntje Schwab, einig. Zudem bedarf es einer Festschreibung des hohen Angebotsstandards, um diesen bei gleichbleibenden Kosten zu verbessern.

Es wird an Bund und Land appelliert, zur Verantwortung für die Region zu stehen. „Das Land hat im Koalitionsvertag versprochen, die Wirtschaftskraft Schleswig-Holsteins durch einen gut ausgebauten Öffentlichen Personennahverkehr und eine vernetzte Verkehrsplanung zu stärken“, merkt Geschäftsführerin Natalie Eckelt an. Die Konferenz fordert neben der Beteiligung am Vergabeverfahren einen Masterplan „Westküste“ zur Verkehrsanbindung der Inseln und Halligen, der in ein langfristiges, zukunftsorientiertes Gesamtkonzept für Schleswig-Holstein eingebunden ist.

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