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Husumer Nachrichten

24. November 2017 | 04:48 Uhr

Küstenschnack : Wer den Stein im Deich hat ...

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In dieser Kolumne werfen wir einen Blick auf eine Spottanzeige, die auf die derzeitigen Probleme des Küstenschutzdeiches auf Nordstrand hinweist, und auf mögliche Auswirkungen für andere Bereiche.

von
erstellt am 01.Jul.2017 | 08:00 Uhr

Der den Stein im Deich hat, spottet jeder Beschreibung. Oder wie ging das Sprichwort noch? Hohn und Spott jedenfalls bekommt derzeit der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN) ab. Der streitet sich ja bekanntlich mit der Baufirma darüber, wer für die Steine im Nordstrander Klimaschutzdeich verantwortlich ist, die aus dem Vorzeigeprojekt moderner Deichsicherheit jetzt mühsam herausgeklaubt werden müssen. Wobei beide Seiten interessanterweise dasselbe Argument bemühen: Nämlich dass man dem Gegenpart doch rechtzeitig gesagt hätte, dass das Baumaterial ungeeignet sei. Wie auch immer, neuerdings kursiert jedenfalls eine gefälschte, auf den ersten Blick aber täuschend echt wirkende Stellenanzeige mit Briefkopf des LKN im Internet. In der werden „mit sofortiger Wirkung Steinesammler (m/w)“ gesucht. „Für das durch uns verursachte Desaster beim Deichneubau auf Nordstrand suchen wir qualifizierte Menschen, die anders als wir Steine von Kleiboden unterscheiden können“, steht dort zu lesen. Und unter den nötigen Qualifikationen ist unter anderem aufgeführt, dass „Schlagfertigkeit in deutscher Sprache, um den ironischen Bemerkungen der Passanten ... entgegenwirken zu können“, gefordert sei. Natürlich wären auch „zwei gesunde und gebrauchsfähige Hände“ sowie „zwei gesunde Füße ... von Vorteil“, letztere seien aber nicht zwingend erforderlich. Unter der Fake-Anzeige steht als Ansprechpartner der Name und die Telefonnummer vom Direktor des Landesbetriebs, Dr. Johannes Oelerich. Ob der genauso darüber lachen kann wie eine ständig wachsende Zahl an Facebook-Nutzern, ist der Redaktion nicht bekannt.

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Andererseits bringt einen diese Anzeige natürlich auf (dumme) Gedanken. Welche Tätigkeiten gibt es denn noch so in Husum, für die geeignetes Personal gesucht werden könnte? Vielleicht „Staubwedler/Gartenschlauchspritzer (m/w)“, die während der Arbeiten auf der Baustelle des künftigen Shopping-Centers dafür sorgen, dass die Anwohner von grauen Wolken verschont bleiben? Oder „Hockensbüll-Erschließungsplan-Träger (m/w)“ mit Sitz in Kiel, die die Vorlagen des Bauamtes täglich neu ins zuständige Büro im Landesinnenmisterium bringen und dort mit Verve auf den Tisch knallen, um den Genehmigungsprozess zu beschleunigen? Möglich wäre auch die Aufstellung neuer Automaten: Unter Halteverbotsschildern zum Beispiel solcher Geräte, an denen sich Parksünder künftig das Ticket selber ziehen können. Das würde die Verwaltung enorm entlasten. Oder eine Anlage für die Stadtpolitiker im Ausschuss-Sitzungsraum des Rathauses, wo auf Knopfdruck automatisch ein neuer Prüfantrag zum gerade behandelten Thema an das jeweils zuständige Amt generiert werden kann. Das allerdings würde die Verwaltung enorm belasten. Ach nein, doch nicht: Es passiert ja sowieso dauernd.

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