Wohnungsnot in Husum : Wer baut nun neue Wohnungen?

Klaus-Groth-Straße: Diese Häuserzeile errichtete vor Jahren die Wobau Eiderstedt, nachdem sie städtische Wohnungen gekauft und später abgerissen hatte.
Klaus-Groth-Straße: Diese Häuserzeile errichtete vor Jahren die Wobau Eiderstedt, nachdem sie städtische Wohnungen gekauft und später abgerissen hatte.

Fragen zu den nächsten Schritten an die Sprecher von Parteien und Bürgermeister Uwe Schmitz.

shz.de von
08. Juni 2018, 11:00 Uhr

Husum | Betroffene und Experten haben die Wohnungsnot in Husum hinreichend belegt. Welche Konsequenzen gedenken nun Politik, Verwaltung und Bauträger aus der Misere ziehen?

„Jetzt muss Butter bei die Fische“, sagt Frank Hofeditz vom Bündnis 90/Die Grünen. Schließlich hätten alle Husumer Parteien im Wahlkampf betont, dass neuer bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden muss. Er hält es nach wie vor für richtig, von Investoren einen Anteil von 20 Prozent gefördertem Wohnraum zu verlangen, auch wenn das kürzlich beim Projekt auf dem Gelände an der Poggenburgstraße an der Mehrheit im Stadtverordnetenkollegium gescheitert war (wir berichteten mehrfach). Stattdessen habe die Gewoba Nord in Hockensbüll gezeigt, dass „eine gesunde Mischung“ möglich sei. Hofeditz verweist auch auf das Projekt des Rendsburger Investors Michael Demandt, der am Trommelberg drei Häuser mit 57 Wohnungen errichten will.

Für die Zukunft hofft Hofeditz auf mehr Gestaltungsspielraum für die Stadt, etwa durch Zugriff auf Areale der Stadtwerke wie den Standort des jetzigen Hallenbades. „Und letztlich steht ja auch noch die Idee im Raum, dass die Stadt selbst Sozialwohnungen errichtet.“

Christian Czock (CDU) bestätigt die Wohnungsnot in Husum, wie sie in der Artikelserie unserer Zeitung beschrieben worden ist. „Gott sei Dank haben wir Bautätigkeit in Husum, aber es fehlt nach wie vor – wie beschrieben – bezahlbarer Wohnraum.“ Bereits im Wahlkampf habe die CDU „das Thema ganz oben auf den Zettel“ genommen, sagt er – und überrascht dann mit dieser Nachricht: Die CDU-Fraktion habe kürzlich einen auswärtigen Unternehmer zu Besuch gehabt, der hier bislang nicht in Erscheinung getreten sei, und einen Mix aus geförderten und freifinanzierten Wohnungen errichten möchte – und betont noch einmal, dass die „eben nicht hochpreisig“ vermietet werden sollen, sondern genau in dem Segment, in dem Alleinerziehende oder Ältere zurzeit suchen. Dafür habe die CDU sogar schon ein Grundstück in privatem Besitz im Blick. Das Projekt müsse als nächstes der Stadt schmackhaft gemacht werden. „Für uns steht fest: Wer eine Wohnung sucht, soll eine bekommen – Punkt.“

Das steht auch für Horst Bauer (SPD) fest. Es könne nicht so weitergehen, dass auf privaten Flächen in Husum oft Eigentumswohnungen entstehen, die dann eher hochpreisig vermietet werden. Aus seiner Sicht müsse weiter die Steuerungsfunktion, die das Baurecht biete, genutzt werden. „Wir halten daran fest, dass bei größeren Vorhaben 15 bis 20 Prozent öffentlich geförderte Wohnungen mit errichtet werden müssen.“

Nicht machbar sei es, als Stadt selber zu bauen oder Wohnungen anzukaufen, weil die teuer erworben und dann günstig weitergegeben würden – „das baut nur gigantische Verluste auf.“

Bauer rät, sich an Maßnahmen in den 1950er Jahre zu erinnern, als gemeinschaftliche Selbsthilfe üblich war, etwa wie in Arbeiter-Bauvereinen in Flensburg. „In diesem Sinne wünsche ich mir auch mehr Engagement von den Genossenschaften in Husum.“

Neben solchen Appellen ist eine direkte Einflussnahme auf Genossenschaften nicht so leicht, wie Dr. Michael Stöber, Professor am Institut für Wirtschafts- und Steuerrecht der Christian-Albrechts-Universität in Kiel auf Nachfrage erläutert. Der auf Gesellschaftsrecht spezialisierte Experte sagt, dass die Stadt Husum dazu Mitglied der Genossenschaften sein müsste, „um bestimmte Strategien durchzusetzen“. Hauptzweck einer Genossenschaft sei nämlich, die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Belange ihrer Mitglieder zu fördern. Ansonsten bliebe der öffentlichen Hand nur, „durch den Erlass von Flächennutzungs- und Bebauungsplänen Art und Maß der baulichen Nutzung festzulegen“.

Was die Stadt jetzt als erstes in Angriff nimmt, beschreibt Bürgermeister Uwe Schmitz: „Der Druck auf den Wohnungsmarkt ist zweifellos in Husum besonders groß – daher ermitteln wir gerade mit dem Sozialzentrum, wie der Bedarf der Menschen genau aussieht.“ Schmitz verweist auf die seiner Ansicht nach gute Zusammenarbeit mit der Gewoba. Aber auch er wisse, dass nicht einmal sozial geförderte Wohnungen für alle erschwinglich seien. Dennoch werde der Weg wie in den aktuellen Bauvorhaben Statthus und Demandt am Trommelberg weiter verfolgt und seitens der Verwaltung unterstützt.

Jenen, die von der Stadt erwarten, selbst in die Bresche zu springen und als Bauherr aufzutreten, hält er mehreres entgegen: Dafür brauche man Grundstücke und personelle Ressourcen. Eine Kommune müsse sich ans Vergaberecht halten und Meistbietende berücksichtigen. Und am Ende müssten Mieten auch von der Stadt kostendeckend kalkuliert werden. „Irgendwie knirscht es da noch im System.“

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