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Engagement für Mitgeschöpfe : Wenn Vierbeiner kein Zuhause haben

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Im Tierheim Ahrenshöft kümmern sich die Mitarbeiter um Fundhunde und -katzen. Immer mehr Stubentiger werden abgegeben, weil Herrchen und Frauchen nicht mehr genug Geld haben, um Futter, Katzenstreu und den Tierarzt zu bezahlen.

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erstellt am 01.Dez.2013 | 12:00 Uhr

Viele Menschen freuen sich auf die bevorstehende Adventszeit. Gemütlich bei Tee, Punsch und Gebäck zusammensitzen und klönen, Pläne für die Festtage schmieden, die Hektik des Alltags außen vor lassen und Gemeinschaft genießen - herrlich! Da räkelt sich auch Familienhund Beppo wohlig auf seiner Decke und Kater Moritz schnurrt zufrieden auf Frauchens Schoß. Ein idyllisches Bild – nur leider nicht für alle.

Auch in unserer Wohlstands-Gesellschaft ist längst nicht alles Gold, was glänzt. Da gibt es so viele Menschen, die alt, krank und einsam sind, die kaum Geld für das Nötigste haben, Familien, die ihren Kindern keine tollen Geschenke unter den Weihnachtsbaum legen können. Und auch in der Welt der Tiere liegt noch so viel im Argen . . .

In einer vierteiligen Serie „Hilfe im Advent“ stellen die Husumer Nachrichten deshalb an den Sonnabenden vor Weihnachten Institutionen vor, die sich jahrein, jahraus um Bedürftige kümmern, die nach Kräften versuchen, Not zu lindern und Wege zu finden, die aus der Misere führen. Vielleicht entschließt sich der ein oder andere Leser gerade in der Weihnachtszeit dazu, nicht nur sein Herz für solche Themen zu öffnen, sondern auch seinen Geldbeutel.

Da wäre zum Beispiel das Tierheim des Tierschutzvereins Nordfriesland in Ahrenshöft. Tagein, tagaus versorgen dort zwei fest Angestellte Mitarbeiterinnen und zwei 400-Euro-Kräfte die Vierbeiner, die als Fund- oder Abgabetiere ein Zuhause auf Zeit brauchen. Bei manchen findet sich postwendend ein lieber Mensch, der sie zu sich holt. Andere wiederum müssen warten, warten, warten.

So wie Bambi, ein Prachtkater, wie Katzenkenner ihn sich nur wünschen: rot-getigert mit weiß, groß und stattlich und dennoch dem Menschen innig zugetan. Sein einziges Manko – und deswegen hat sich seine Familie auch von ihm trennen müssen – er duldet keine Konkurrenz neben sich, weder im Haus noch im Freien. „So hat der Kater wirklich schlechte Karten“, sagt Mitarbeiterin Anja Schade traurig. Denn wo findet sich ein alleinstehender Tierfreund (oder ein Ehepaar ohne Kinder), der keine Katzen in der Nachbarschaft hat?

Auch Nuffo wünscht sich dringend ein neues Zuhause. Für die Zwischenzeit kümmert sich Britta Laue – sie ist seit einem dreiviertel Jahr Vorsitzende des Tierschutzvereins NF – um den Deutschen Drahthaar-Mix (Magyar-Viszla). Sie bringt ihm in ihrer Freizeit am Wochenende bei, was vor allem ein so großer Hund unbedingt können muss – Grundkommandos wie Sitz, Platz und Bleib. Zu gerne würde sie sich auch intensiv um das derzeitige Sorgenkind des Heims, Hund Pico, kümmern. Doch dafür fehlt der 37-jährigen Justizbeamtin die Zeit. „Sollte sich kein hundeerfahrener neuer Besitzer finden, müssen wir einen Trainer engagieren“, sagt sie.

Und da wären wir schon beim leidigen Thema Geld. „Die finanzielle Lage des Tierheims ist immer angespannt“, berichtet die Vorsitzende. Sie ist seit drei Jahren Vereinsmitglied und seit zwei Jahren im Vorstand. Die beiden vergangenen Jahre seien besonders kostenintensiv gewesen. Das Gebäude musste neu eingedeckt werden, ständig stehen Reparaturen und Sanierungsarbeiten an. Futter und Katzenstreu wird gleich säckeweise angekarrt – „da geht massig was durch“. Große Hoffnungen setzt das Team wieder auf die Tierbescherung, die traditionsgemäß am dritten Adventssonntag von 15 bis 17 Uhr im Heim stattfindet. Die Futterspenden sind meistens so üppig, dass sie wochenlang vorhalten. In diesem Jahr stehen außerdem auf dem Wunschzettel: Katzenstreu, Warnwesten für Hund und Mensch sowie reflektierende Leinen.

Zurzeit bevölkern sechs Hunde die Zwinger in Ahrenshöft – das ist weniger als sonst. Voll sind dagegen die Katzenzimmer. „Im Durchschnitt hatten wir das ganze Jahr über 40 Stubentiger zu versorgen“, so Laue. Die Zahl der Abgabetiere steigt. „Die Leute rufen von überall her an“, erzählt Anja Schade, „sogar aus Hamburg.“ Weil sie nicht mehr das Geld haben, um Futter, Streu und Tierarzt zu bezahlen, suchen sie nach einer Einrichtung, die ihnen den Vierbeiner abnimmt – und das möglichst ohne Gebühr. Da stecken schon anrührende Schicksale dahinter, weiß das Team um Britta Laue.

Merklich weniger Abgabetiere kamen in diesem Jahr aus dem Raum Bredstedt-Land. Die Tierschützer führen das auf die Kastrations-Aktion des Amtes zurück: Wegen der Kosten-Ermäßigung lassen mehr Bürger ihre Katzen sterilisieren, und so kommen merklich weniger Kitten auf die Welt. Ein großer Schritt in Richtung Eindämmung des großen Katzen-Elends.

Kater Bambi und seine vierbeinigen Mitbewohner ahnen nichts von all den Sorgen, die sich die Menschen wegen ihnen und um sie machen. Aber ohne deren Fürsorge und liebevolle Zuwendung wäre es schlecht um unsere Mitgeschöpfe bestellt. Und so ist es auch zu verstehen, wenn Britta Laue sagt: „Ich freue mich immer, wenn wir wieder ein Tier gut vermittelt haben. Das sind dann die Momente, wo man weiß, warum man diese Arbeit macht.“

 

 

 

 

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