zur Navigation springen

Ungewöhnliche Tiertransporte : Wenn Tiere zum Doktor müssen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nach den Lämmern im Kofferraum: Veterinäre aus Husum und Umgebung erzählen über die ungewöhnlichsten Patienten-Transporte.

Viel Wirbel hatte in der vergangenen Woche die Meldung verursacht, dass die Polizei bei einer Verkehrskontrolle einen Landwirt erwischt und mit Bußgeld belegt hat, der eine Anzahl Lämmer im Kofferraum seines Golfs zum Tierarzt fahren wollte. Jetzt haben wir bei Veterinären in Husum und Umgebung nachgefragt: Was war der ungewöhnlichste Transport, der die Praxis erreicht hat oder anderweitig beobachtet wurde?

„Die Tiere werden in der Regel so zu uns gebracht, wie es sich gehört“, erzählt Maria Viertel, Tierarzthelferin in der Praxis Alpermann in Husum. Aber sie habe auch schon andere Fälle gesehen – „auch außerhalb der Praxis“. Hunde ohne Box auf der Rücksitzbank oder gar vorne im Fußraum eines Autos. „Auch einen, der aufs Armaturenbrett geklettert war – und sogar einen großen Hund, der sich zwischen Fahrer und Beifahrer hochreckte.“ So etwas käme schon häufiger vor. Kleintiere wie Nager würden dagegen meist im Schuhkarton oder einem entsprechenden halboffenen Behälter gebracht, wo sie auch Luft bekommen. Den Hamster in der Jackentasche habe sie noch nicht erlebt.

Auch bei Kleintierärztin Dr. Dagmar Schulze in Mildstedt kommen die tierischen Patienten meist regelkonform an. „Die Katzen und Hunde in Boxen, Nager im Karton.“ Nur Ratten würden häufig im Ärmel ihres Menschen im Wartezimmer sitzen. „Diese Tiere sind oft sehr sozialisiert und werden direkt am Körper getragen“, sagt sie. Für die Behandlung müsste der Besitzer das Nagetier dann allerdings schon festhalten. Allerdings seien Ratten als Patienten seltener geworden: „Die wurden früher viel häufiger gehalten.“

Dr. Elisabeth Harder in Viöl hat spezielle Beobachtungen beim Transport von Langohren gemacht. „Ein Kaninchen wurde uns mal im Futtermittelsack verstaut auf den Behandlungstisch gepackt“, erinnert sie sich. Und an ein verletztes junges Wildkaninchen in einem Schutzbehältnis, das für das Tier doch etwas zu groß war: „Das hatten zwei kleine Jungen von etwa acht und neun Jahren gefunden und mangels anderer Möglichkeiten in einem Fahrradhelm in die Praxis gebracht.“ Sie habe das Tier übrigens retten können.

„Das Auffälligste, was ich jemals gesehen habe, war auf dem Weg von Rendsburg in die Praxis – ein Kalb, das hinten in so einem Minivan-Kastenwagen durchs Fenster guckte“, sagt Prof. Dr. Stefan Krüger aus Ostenfeld. Im Falle des Landwirts mit den Lämmern im Kofferraum gibt er zu bedenken, dass derartige Transporte normalerweise nicht über weite Strecken auf Hauptstraßen stattfinden und das ein Lamm aufgrund seines geringen Gewichts auch bei einer Vollbremsung von der Rücksitzbank aufgehalten würde. „Das allerdings ist bei einem Schäferhund mit 40 Kilogramm Gewicht nicht der Fall.“ Eigentlich müsste daher jeder, der seinen Hund ungesichert im Auto mitnimmt, viel eher Bußgeld zahlen. „Im übrigen ist der Transport von Tieren im Tierschutzgesetz geregelt.“ Und der Landwirt hätte ja auch den Tierarzt für einen Hausbesuch rufen können. „Da hätte er zwar die Fahrtkostenpauschale zahlen müssen, wäre aber auf der sicheren Seite gewesen.“

Von einem ganz besonderen – und besonders anrührendem – Fall nicht ganz artgerechten Tiertransports kann Thomas Mill aus Husum berichten: „Da saß ein etwa fünfjähriger Junge im vollbesetzten Wartezimmer, und ich habe ihn irgendwie übersehen. Aber er saß da und wartete geduldig, bis endlich jemand sagte: ,Jetzt ist aber der kleine Junge dran.‘ Da fiel mir auf, dass er seine Hand total verkrampft hatte.“ Mill öffnete vorsichtig die Hand und zum Vorschein kam – ein Marienkäfer. „Den haben wir dann draußen wieder zum Fliegen gebracht und freigelassen“, so Mill. Und der kleine Junge sei überglücklich ob des veterinärmedizinischen Erfolges nach Hause gegangen.

zur Startseite

von
erstellt am 27.Apr.2017 | 12:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen