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Multimar Wattforum in Tönning : Wenn sich Hummer in Schale werfen

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Seltenes Ereignis im Tönninger Multimar Wattforum: Ein 20 Jahre alter Hummer hat sich in der Quarantäne gehäutet und erstrahlt jetzt im leuchtend hellblauen Panzer.

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erstellt am 12.Apr.2016 | 09:00 Uhr

Der Hummer kann es kaum abwarten, endlich den Boden des sieben Meter tiefen Aquariums zu erreichen – und gibt mit seinem Schwanzfächer noch einmal richtig Gas. Gerade wurde die leuchtend blaue Schönheit ins Wasser gelassen, nachdem sie mehr als zwei Monate im Quarantäne-Becken verbringen musste, um sich zu häuten.

Unten angekommen wird der Neuankömmling von Seewölfen und Dorschen umschwärmt. Genau die können zur Gefahr werden, sobald ein Hummer seinen dicken Panzer abgestreift hat. Denn bis der neue ausgehärtet ist, vergehen einige Wochen. „Durch die Quarantäne verhindern wir, dass die Tiere, solange sie noch so weich sind, gefressen werden“, sagt Birger Kreutz, Leiter des Großaquariums im Tönninger Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum, das zu einem seltenen Ereignis – dem Hummertausch – eingeladen hat. Mittlerweile ist der Panzer des Hummers jedoch widerstandsfähig genug für das 250.000 Liter fassende Becken, das er sich mit Katzenhaien, Rochen, Seelachsen, Dorschen, einem Stör und scharfzahnigen Seewölfen teilen muss.

Schnell verzieht sich das auffällige Krustentier in eine kleine Höhle am Felssockel, die noch vor zehn Minuten von einem kleineren, dunkelblauen Artgenossen bewohnt wurde. Der ließ sich jedoch nur unter Protest und mithilfe eines Besens von Taucher Timo Kaminski aus seiner Behausung herauslocken und einfangen. Denn Hummer Nummer zwei steht die Häutung noch bevor. Kaminski hat Respekt vor den großen, muskulösen Scheren der Tiere. „So ein Hummer kann einem mit seinen Scheren locker die Finger brechen – oder auch das Handgelenk. Und dieser hier war gar nicht davon begeistert, dass er seinen Lieblingsplatz verlassen sollte, um in die Quarantäne gebracht zu werden“, sagt der Biologe. Der 38-Jährige ist ausgebildeter Forschungstaucher und arbeitet seit zehn Jahren im Nationalpark-Zentrum.

So ein Hummertausch ist heikel. Die Tiere sind schnell gestresst, so dass die ganze Aktion möglichst schnell vonstatten gehen muss. Beim letzten Wechsel vor anderthalb Jahren sind die langen Fühler von Hummer Nummer zwei abgebrochen. Auch wenn sie wieder nachwachsen – das möchte Birger Kreutz nicht noch einmal erleben, sagt er. Und einen Hummer essen würde er auch nicht. „Die sind mir viel zu majestätisch“, erklärt der Biologe, der die Gunst der Stunde nutzt, um in der Transportbox die Maße seines hellblauen Schützlings zu nehmen: Er ist mittlerweile 46 Zentimeter lang ( Scheren und Fühler nicht mitgezählt). Finden die Tiere optimale Bedingungen vor, können sie bis zu 100 Jahre alt werden. Beide Hummer sind rund 20 Jahre alt. Sie leben seit der Eröffnung 1999 im Nationalpark-Zentrum – und sind damit die dienstältesten Bewohner.

Multimar-Besucher, die den hellblauen Hummer außerhalb seiner Höhle sehen möchten, müssen etwas Geduld mitbringen. Die besten Chancen gibt es bei den regelmäßigen Tauch-Fütterungen. Die moderierte Veranstaltung „Mahlzeit mit Taucher“ findet montags und freitags (im Winterhalbjahr montags und donnerstags) jeweils ab 14 Uhr statt.

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