Schwabstedt feiert : Wenn Seeräuber die Bühne entern

In originalgetreuen Kostümen proben die Darsteller den Dreiakter „De gollen Keed“ von Frenz Bertram.
In originalgetreuen Kostümen proben die Darsteller den Dreiakter „De gollen Keed“ von Frenz Bertram.

Die Vorbereitungen für die 750-Jahr-Feier in Schwabstedt laufen auf Hochtouren. Auch für das Jubiläums-Stück wird mächtig geprobt.

shz.de von
01. August 2018, 16:00 Uhr

Schreie, Säbelrasseln und wüste Beschimpfungen dringen aus dem großen Saal des Schwabstedter Fährhauses. Seit Januar treffen sich hier jeden Montagabend etwa ein Dutzend Schauspieler, um ein Stück der ganz besonderen Art – und zu einem außergewöhnlichen Anlass – einzustudieren. Und das Lampenfieber steigt langsam, wie einige Darsteller bestätigen.

Denn im Jahr 1268 wird Schwabstedt in einem Vertrag als „Andel in der Südergosharde“ zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt. Grund genug für die Gemeinde, um ihr damit 750-jähriges Bestehen ordentlich zu feiern. Dafür soll es eine ganze Festwoche geben – inklusive eines Theaterstücks, das der Autor Frenz Bertram extra für dieses Jubiläum geschrieben hat. Gespielt wird es von De Theoderlüüd ut Schwabstedt un Mildstedt. Der Dreiakter „De gollen Keed“ soll am Sonntag, 26. August, 17 Uhr im Fährhaus auf die Bühne gebracht werden.

Um Seeräuber geht es in dem Lustspiel, aber auch um das damalige Familienleben auf dem Lande. Es basiert auf der Sage über Klaus Störtebeker, der in Schwabstedt sein Unwesen getrieben hat.

Zum Inhalt: Man schreibt das Jahr 1400. Der Treenefischer Laurens Tamms (Christian Thomsen) lebt mit Frau Edda (Heidi Hansen) nahe beim Naturhafen von Holbek, in dem der Seeräuber und Likedeeler Klaus Störtebeker oft sicheren Unterschlupf fand, wenn Hamburger Kaufleute dem Piraten auf den Fersen waren.


Störtebeker trieb sein Unwesen

Das Ehepaar Tamms führt mit seinen Töchtern Dina (Andrea Thomsen) und Hedwig (Manuela Priewe) ein karges, aber ruhiges Leben. Die Nachbarin Greet Kruutbund (Marion Deckmann), eine heilkundige alte Frau, die auch das zweite Gesicht hat, ist im Familienverband voll eingebunden. Als die Runde eines morgens ihre Buchweizengrütze frühstückt, hallt ein Kanonenschuss durch die stille abgeschiedene Gegend. Von einem Aussichtspunkt aus erkennen sie, wie sich eine fremde Schnigge (offener schneller Segelschiffstyp) alle Tücken der schwierigen Hafeneinfahrt meistert. An Bord ist Klaus Störtebeker (Sven Krüger) mit seiner Mannschaft. Am Ruder steht Gumbert Grobherz (Uwe Teweleit), ein erfahrener Steuermann. Es stellt sich heraus, dass Störtebeker und seine Mannschaft in letzter Minute verletzt aus einer Falle fliehen konnten. Zur gleichen Zeit erkunden Hamburger Kaufleute das verschlafene Holbek – es sind der Ratsherr zu Hamburg, Ägidius von der Schocke (Uwe Rochel), und der Erste Schreiber des Senats, Justus von Langen (Jan Junge). Beide planen die Gefangennahme von Störtebeker und haben es auch auf seinen Besitz abgesehen. Störtebeker ahnt die Gefahr und sucht nach Möglichkeiten einer Flucht auf die offene Nordsee.

Das Bühnenbild ist eine Gemeinschaftsarbeit der Theoderlüüd ut Schwabstedt un Mildstedt. Originalgetreue Kostüme stellt der Verein Zeytreyse aus Immenstedt leihweise zur Verfügung. Regie führt Christian Thomsen, Souffleuse ist Brigitte Jebe.

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