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Grossübung der Unfallfeuerwehren : Wenn Schere und Spreizer gefragt sind

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Kleintransporter sind häufig in schwere Verkehrsunfälle verwickelt: Spezialisierte Feuerwehren simulierten in Husum den Ernstfall in sechs Szenarien.

Sie kommen immer dann, wenn nichts mehr geht – wenn Menschen bei schweren Verkehrsunfällen in ihren Fahrzeugen eingeklemmt sind und daraus befreit werden müssen. Die Rede ist von jenen Feuerwehren, die in einem größeren Bereich – also „überörtlich“ – ausrücken und landläufig als Unfallfeuerwehren bezeichnet werden. 130 Freiwillige Feuerwehren plus zwei Pflichtfeuerwehren gibt es in Nordfriesland – 32 davon sind mit Rettungsschere sowie Spreizer ausgerüstet.

Laut Statistik steigt die Zahl der Einsätze von Unfallfeuerwehren. Mehr geworden ist auch das Material, das sie „an Bord mitführen müssen“. Wenn sie alarmiert werden, herrscht sprichwörtlich „Alarmstufe Rot“ – denn irgendwo da draußen hat sich wieder einmal Fürchterliches zugetragen, kommen Notärzte und Rettungsdienste ohne ihr Eingreifen nicht weiter.

Vor einigen Jahren trafen sie sich zu einer praktischen Großübung mit Reisebussen und „zerlegten“ gleich drei davon im Übungseinsatz, am vergangenen Wochenende nun standen die „Verkehrsunfälle mit Kleintransportern“ im Fokus. Aufgebaut waren dazu auf dem Gelände der Kreisfeuerwehrzentrale Husum sechs Stationen mit unterschiedlichen Szenarien, die in mehreren Stunden abegearbeitet wurden: Frontalunfall zweier Kleintransporter, Lkw-Unfall, Sprinter unter schwerem Ackerpflug, Kleintransporter nach Unfall in Seitenlage, Kleintransporter nach Frontalunfall hochkant gegen Hausmauer sowie Kleintransporter nach Frontalunfall mit Pkw kopfüber in einem Gebüsch. Mehrere Fotografen und ein Fernsehteam verfolgten die Großübung interessiert.

Nahezu alle Unfallfeuerwehren aus Nordfriesland – von Süderlügum bis Garding – nahmen teil. Dazu kamen solche aus anderen Landkreisen Schleswig-Holsteins – etwa aus Schleswig-Flensburg, Rendsburg-Eckernförde, Ostholstein und Stormarn. Die Gesamtleitung hatte Per Hinrichsen, Fachwart „Technische Hilfeleistung“ beim Kreisfeuerwehrverband Nordfriesland. Mehrere hochkarätige Trainer waren engagiert worden – Andre Weiss vom Rescue-Trainingscenter Ofterdingen im Landkreis Tübingen (Baden-Württemberg) wurde gar mit dem Flugzeug eingeflogen.

Pro Station arbeiteten jeweils zehn Einsatzkräfte aus unterschiedlichen Feuerwehren zusammen. In allen Fällen mussten eingeklemmte Verletzte befreit werden. Der Clou dann zum Schluss: Auf dem Platz stand ein fast neuer Kleintransporter bereit – glänzend aufpoliert und noch ohne jede Schramme. Unter Moderation der beiden baden-württembergischen Rescue-Trainer wurde das Fahrzeug dann „von beiden Seiten aus“ in Gruppen nach Einsatzgeschehen „bearbeitet“. Dazu Nordfrieslands Kreiswehrführer Christian Albertsen: „Ziel ist es, das zur Verfügung stehende Gerät unter den verschiedenen Bedingungen zu beherrschen. Wenn ich weiß, was mein Gerät kann, dann kann ich auch damit umgehen!“

Mal so eben in die Hand nehmen, das geht bei dem schweren Rettungs- und Bergegerät nicht: Eine Rettungsschere wiegt gut und gerne 20 Kilogramm. Grundsätzlich wird zwischen einer „patientengerechten Rettung“, die unter Umständen sehr viel Zeit in Anspruch nehmen kann, und einer „Crach-Rettung“ – bei der es nicht nur um Minuten, sondern um Sekunden geht – unterschieden. Brandmeister Heiko Krabbenhöft (51) von der Unfallfeuerwehr Hutzfeld-Brackrade in Ostholstein: „Über die Rettungsart entscheidet grundsätzlich der Notarzt vor Ort.“ Tönnings Wehrführer Dr. Stefan Klützke, der gerade den größten Rüstwagen (diese Fahrzeuge rücken primär zur Unfallrettung aus) im Land in Betrieb genommen, machte deutlich: Eine Rettungsschere der neuesten Generation habe eine Schneidkraft von 107 Tonnen, der Spreizer verfüge über einen Hydraulikdruck von 700 bar.

Eingebunden war auch das Technische Hilfswerk Husum, das für die Stromverteilung und die Verlegung der vielen hundert Meter Kabelstränge zuständig und vor Ort durch Ralf Nicolaisen vertreten war. Fazit von Kreiswehrführer Albertsen: „Große Ladeflächen und kleine Knautschzonen tragen dazu bei, dass Kleintransporter häufig in Unfälle verwickelt sind. Dabei gleicht kein Unglücksfall dem anderen, darauf müssen wir vorbereitet sein.“

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