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Husumer Bock-Auktion : Wenn Schafe zum Friseur gehen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Friseurtermin: Ein Schafzüchter aus Osterhever verrät, wie er seine Prachtexemplare für den Husumer Schafmarkt herausputzt.

von
erstellt am 19.Aug.2015 | 07:00 Uhr

Begeistert sind sie nicht, die vier Blaukopf-Mutterschafe, als sie von Jens Kohrs und seinem Mitarbeiter Tobias Koch von der Weide geholt werden. Mit Sicherheit hätten sie lieber weitergefrühstückt, doch nun müssen sie in die Scheune – zum Friseurtermin. Denn sie haben Großes vor: Sie werden beim Schafmarkt in der Husumer Messehalle zum Verkauf angeboten, zusammen mit rund 700 anderen Tieren. Und dafür sollen sie schick gemacht werden.

Die Behandlungspritsche, auf die ein zappelndes Schaf nach dem nächsten gehievt wird, ähnelt eher einem Zahnarzt- als einem Friseurstuhl. Normalerweise werden den Schafen darauf die Klauen gekürzt. Doch die Pritsche hat Kohrs zufolge einen großen Vorteil: Die Tiere liegen auf dem Rücken und sind dadurch erheblich ruhiger. „Nicht viele Kollegen treiben diesen Aufwand vor einer Auktion, doch mir gefällt es, wenn meine Tiere schier aussehen“, sagt er und nimmt die Hundeschermaschine zur Hand, um die Konturen der dicken Wolle anzugleichen und die Beine von zu groben Haarbüscheln zu befreien. Ruhe und Sorgfalt sind dabei oberstes Gebot. „Ein Friseur würde das Shortcut nennen“, sagt er lächelnd.

In Osterhever züchtet der 42-Jährige Blaukopfschafe, in seiner Herde gibt es 50 Muttertiere, dazu kommen Lämmer und Böcke. Zur Auktion nach Husum nimmt er vier Schafe, die noch nicht gelammt haben, und neun Böcke mit. Sie alle sind sieben bis 18 Monate alt. Keines von ihnen hat einen Namen. Die werden erst im Herbst vergeben. 2014 geborene Schafe führen dann den Anfangsbuchstaben S, der Jahrgang 2015 beginnt jeweils mit T.

Nachdem die Schaf-Damen rund zehn Minuten lang geschoren wurden, werden verklebte Wollbüschel weggeschnitten. Der Regen der vergangenen Tagen hat seine Spuren hinterlassen. „Optimal wäre es natürlich, wenn wir mehr Wind und Sonnenschein hätten, dann kann die Wolle schön trocknen und macht gleich viel mehr her“, erklärt Kohrs. Doch auf die Frage, ob er den Pelz nicht föhnen könne, antwortet er: „Bei aller Liebe – das geht dann doch zu weit.“ Die Methode hat der Landwirt sich von einem befreundeten Züchter aus Großbritannien zeigen lassen. „Die Briten sind meine großen Vorbilder. Die Züchter dort beherrschen einfach ihr Handwerk und geben sich richtig Mühe, bevor sie zu einer Auktion fahren“, ist Kohrs überzeugt.

Die Begeisterung für die Landwirtschaft hat den gelernten Tischler und Großhandelskaufmann nie losgelassen – deshalb zog der gebürtige Niedersachse vor 14 Jahren nach Nordfriesland, um hier Blaukopfschafe und Shorthorn-Rinder zu züchten. Davon hat er 40 Stück. „Meine Liebe zu dieser Rinderrasse habe ich unter anderem der britischen Fernsehserie ‚Der Doktor und das liebe Vieh‘ zu verdanken“, verrät er.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Dreckige Schafe sind keine schlechteren Schafe. Entscheidend für die Bewertung sind der Körperbau, der Zustand der Wolle, die Muskeln der Tiere und die Fettauflagen. Schon Wochen vor der Auktion fuhr der Züchter aus Osterhever nach Tetenbüll, um seine Schafe und Böcke einem Experten zu präsentieren. Dieser vermaß und bewertete sie. Die gesammelten Informationen landen in einem Katalog des Schleswig-Holsteinischen Landesverbands für Schaf- und Ziegenzüchter. In Husum bewertet eine Jury nochmal den Zustand der Tiere. Doch weder Preisgericht noch Experten bieten bei der Auktion mit. Es zählt, was die Züchter wollen. Die machen sich ein eigenes Bild und legen ihre eigenen Maßstäbe an. Kohrs wird in der Husumer Messehalle vermutlich nicht mitbieten, er möchte seine neuen Tiere lieber in Großbritannien kaufen. Aber er hofft, dass die Kollegen Gefallen finden an seinen Blaukopfschafen. „Vor zwei Jahren lief es richtig gut für mich, da habe ich im Durchschnitt 500 Euro pro Tier bekommen – das würde ich mir in diesem Jahr auch wünschen“, sagt er.

Den Schafen ist das alles herzlich egal. Sie dürfen jetzt wieder zurück auf die Weide – zum wohlverdienten Mittagessen.

 

 


Der Husumer Schaf- und Bockmarkt beginnt am Mittwoch, 19. August, um 9 Uhr und endet am Sonnabend, 22. August. Er ist nicht nur für Käufer ein Erlebnis, sondern auch für Besucher, die hier eine traditionelle Schaf-Auktion miterleben können, bei der noch „op Platt“ geboten wird.

 

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