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Geschichte Friedrichstadts : Wenn Mauern reden könnten

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Mehr als 100 Hausmarken sind in Friedrichstadt verteilt – sie alle haben ihre eigene Geschichte.

Geduldig wacht eine weiße Taube mit einem grünen Ölzweig im Schnabel über das Haus, das sich Am Binnenhafen 22 befindet. Darunter ist die Jahreszahl 1622 zu lesen. Die Taube verkörpert nicht nur das christliche Symbol für Frieden und den Heiligen Geist – sie ist die älteste überlieferte Hausmarke Friedrichstadts. Frieden wünschten sich auch die niederländischen Siedler, als sie 1621 die neue Stadt an der Treene gründeten. Nicht immer friedfertig ist dagegen der Comic-Held und Spinat-Fan Popeye, der bekanntlich für die eine oder andere Prügelei zu haben ist. Der muskelbepackte Matrose ist – in Sandstein verewigt – in der Schmiedestraße 10 zu sehen. Zwischen Friedenstaube und Popeye liegen 375 Jahre.

Die Friedrichstädter Hausmarken sind im gesamten Holländerstädtchen verteilt. Sie stammen aus den Gründerjahren bis hin in die Gegenwart. Insgesamt sind es weit mehr als 100. Diese einzigartigen Kunstwerke aus Sandstein an den Häuserfronten sind ein Kulturerbe der ersten niederländischen Siedler. Egal, ob Katze oder Schwan, Holzschuhe oder Zunftzeichen, Wappen oder Rosen – die Symbole verraten viel über die Hauseigentümer. „Und sie verdeutlichen, wie sehr sich die Bürger mit ihrer Stadt identifizieren“, erklärt Christiane Thomsen. Sie kenne keine andere Stadt im Norden Deutschlands, wo diese Sitte so praktiziert wird wie in Friedrichstadt, betont die Historikerin. Die „Gevelsteenen“ (Giebelsteine), wie die Hausmarken im Holländischen heißen, wurden von den niederländischen Siedlern, die Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf Anfang des 17. Jahrhunderts ins Land holte, als Zeichen heimatlicher Verbundenheit mit nach Friedrichstadt gebracht. Außerdem sollte damit die Identifizierung der Häuser erleichtert werden, denn die wurden nicht nach Straßen und Nummern benannt, sondern nach den Hausmarken. Beeindruckend sei deren Vielfalt in Farbe, Form und Motivwahl, sagt Christiane Thomsen, die auch das Friedrichstädter Stadtarchiv leitet. Die Zahl der Baudenkmäler und Giebelsteine in Friedrichstadt wäre heute deutlich größer, wäre nicht 1850 während des Krieges zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark ein großer Teil der Stadt in Schutt und Asche gelegt worden. Besonders viele alte Symbole sind aber noch in der Prinzenstraße zu finden. Denn die Besitzer der völlig zerstörten Häuser des Straßenzuges retteten die Hausmarken aus den Trümmern und brachten sie an den Fassaden der neuen Gebäude wieder an.

Tiere, Wappen, Berufszeichen, Landschaftsmotive und symbolische Zeichen, deren Bedeutung nicht immer klar ist, sind auf den farbigen Sandsteinplatten abgebildet. Hausmarken geben auf künstlerische Weise Aufschluss über die Funktion eines Gebäudes, die Namen oder den Beruf der Bewohner. Und immer wieder kommen neue Exemplare hinzu, wie zum Beispiel Am Fürstenburgwall 8, so Thomsen. Hier ist das Wahrzeichen des Friedrichstädter Marktplatzes abgebildet: das blauweiße Pumpenhäuschen von 1879.

Gibt es Regeln, an die man sich halten muss, wenn man eine Hausmarke an seiner Fassade anbringen möchte? „Nein“, antwortet Thomsen. Der Fantasie seien keine Grenzen gesetzt. Wer aber einen historischen Bezug sucht und Tipps braucht, könne sich gern an sie wenden, so die Historikerin, die im Stadtarchiv (04881/1511) erreichbar ist. In die Tat umgesetzt werden die Vorstellungen dann von Steinmetzen, Künstlern oder auch Töpfern.

 

Mehr Informationen gibt es im 78. Mitteilungsblatt der Gesellschaft für Friedrichstädter Stadtgeschichte, Heinz Zilch und Christiane Thomsen: „Die Friedrichstädter Hausmarken“, Friedrichstadt 2009.

 

 

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erstellt am 22.Apr.2017 | 13:00 Uhr

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