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Spendenaufrufe : Wenn Kirchturmdenken zur Erfolgsgeschichte wird

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Aktion des Kirchenkreises Nordfriesland: Bis heute schon mehr als 95 000 Euro gespendet.

shz.de von
erstellt am 17.Mai.2013 | 07:54 Uhr

Nordfriesland | Pastorin Wiltraud Schuchardt freut sich. Vor zwei Monaten noch hatte sie befürchtet, dass sie im Gottesdienst Taschenlampen verteilen müsste - so dunkel ist es in der Bredstedter Kirche. Doch die Bredstedter haben ihre Pastorin nicht im Dunkeln sitzen lassen - und die benötigten 7000 Euro gespendet. Eine Fachfirma sei auch schon gefunden worden, so dass es hoffentlich bald Licht werde in der Kirche, sagt die Pastorin. "Jetzt können wir zumindest schon mal mit der Beleuchtung des Altarraumes beginnen, denn da sieht es besonders finster aus."

Zehn Kilometer weiter südlich auf Nordstrand steht Pastor Thorsten Wiese vor 60 neuen Stühlen, die er für seine Kirche angeschafft hat. Er ist ganz begeistert, wie schnell das engagierte Werben Wirkung gezeigt hat. Gemeinsam mit der ältesten Nordstrander Bürgerin, der 101-jährigen Sophia Hansen, und dem damals jüngsten Nordstrander, Marek Möhrke, hatte er Probe gesessen. Das hat offenbar überzeugt. Seine Nordstrander haben nicht lange gefackelt und Geld für 60 Stühle zu 110 Euro gespendet.

So wie in Bredstedt und auf Nordstrand läuft es in vielen Gemeinden, die bei der Aktion "Kirchturmdenken? Ja, bitte" mitmachen, sagt Pastor Michael Goltz, der das Projekt koordiniert. 16 nordfriesische Gemeinden haben zu Spenden für ihre Kirche aufgerufen. Fast 12 000 Briefe wurden verschickt. Ob maroder Kirchturm, vergammelte Fenster, kaputte Kirchenbänke oder Beschallungsanlage - jede Kirchengemeinde hat ihr Projekt, für das gesammelt wird (alle Vorhaben im Internet unter www.kirchturmdenken.de). Pastor Goltz ist ganz überwältigt von der großen Resonanz: Rund 95 000 Euro sind bisher zusammengekommen - und das in gerade einmal sechs Wochen.

Die Idee einer Spendenaktion ist aufgegangen. Die einzelnen Spenden liegen zwischen fünf und 2000 Euro. Die Zahl der Spender bei 1500. Selbst Vereine setzen sich zusammen und geben etwas für "ihren" Kirchturm. Das Projekt habe bewusst gemacht, wie viel den Menschen an ihren Kirchen liegt - "so viel, dass sie etwas dafür tun möchten", so Michael Goltz.

Viel bewegt haben auch die Westerländer. Fast 14 000 Euro sind dort bisher zusammengekommen, um den schönen Altar und das historische Kruzifix zu restaurieren. Beide befinden sich in einem schlechten Zustand. Ruß hat sich auf Figuren und Rahmen gelegt. Die Farbe blättert. Die Figuren sind zum Teil locker beziehungsweise beschädigt. Einzelne Teile drohen sogar herauszufallen. "Wir brauchen allerdings noch weitere 11 000 Euro", sagt der Gemeindepastor Christoph Bornemann. Aber er ist zuversichtlich, dass "seine" Westerländer noch ein wenig drauflegen: Und wenn dann noch die vielen Touristen mithelfen, die die Westerländer St.-Niels-Kirche besuchen, werden die benötigten Spenden für die Restaurierung schon zusammenkommen.

Je nach Projekt und Bedeutung ist es ganz unterschiedlich, wieviel den einzelnen Gemeinden noch fehlt, um ihren Herzenswunsch zu erfüllen. In Koldenbüttel, wo die Beschallungsanlage am kommenden Sonntag eingeweiht wird, Friedrichstadt und Klixbüll (Kirchenfenster) sowie in Leck (Beleuchtung der Wege um die Kirche) fehlen jeweils noch etwa 2000 Euro. In Neugalmsbüll (barrierefreier Zugang zur Kirche) sind es "nur" noch 1000 Euro. In der Husumer St.-Marien-Kirche ist es deutlich mehr, dafür wird dort auch das ganze Gotteshaus saniert. Von den fehlenden 15 000 Euro sind bereits 8500 Euro zusammengekommen.

"Die Kirchengemeinderäte der einzelnen Gemeinden sind durch die vielen Spenden unglaublich motiviert", sagt Michael Goltz. Sie hoffen auf weitere Spenden und überlegen sich kreative Aktionen, wie sie das fehlende Geld einsammeln können. "Kirchturmdenken ist zu einer echten Erfolgsgeschichte geworden. Wenn viele Menschen den eigenen Kirchturm zu ihrer Sache machen, dann kann man gemeinsam ganz viel bewegen. Da macht mir dieses Projekt richtig Mut."

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