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Fingerfertigkeit gefragt : Wenn jede einzelne Krabbe zählt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zum ersten Mal holte ein Mann den Siegerpokal beim Krabbenwettpulen in Tönning. Er machte 154 Schalentiere in fünf Minuten „nackig“. Bisher waren die flinken Frauenhände bei den Stadtmeisterschaften nie zu schlagen gewesen.

Die Begrüßung zur Stadtmeisterschaft im Krabbenpulen hätte nicht besser sein können. Während die gute Fee des Abends, die ehrenamtlich engagierte Bärbel Berg, mit spritzigen Worten die Bühne für den Shanty-Chor Eiderenten freigibt, ploppen im vollbesetzten Packhaus die Flaschen: der Startschuss für den Abend. Auf den Tischen sind bereits die Übungskrabben zum Warmmachen für die Wettpuler ausgelegt. Angespornt werden sie von den flinken ehrenamtlichen Helfern in Fischerhemden: „Man los!“ Die Stimmung an den Tischen steigert sich minütlich. „Das hier wird unheimlich gut angenommen“, erzählt der Stifter des aus Holz geschnitzten Sieger-Pokals, Horst-Dieter Duus. Das gute Stück wird der Gewinner mit nach Hause nehmen dürfen. Aber: Er muss es im nächsten Jahr wiederbringen, denn es handelt sich um einen Wanderpokal. „Die Entwürfe für die nächsten hölzernen Pokale liegen übrigens längst bereit“, ruft der Holzschnitzer noch herüber. Unter die einheimischen Stammbesucher mischen sich immer mehr Gäste. Einige sind seit 15 Jahren regelmäßig dabei. Andere dagegen haben Krabben bisher nur gepult im Salat gegessen und sind gespannt auf den Abend. Die Kleinen pulen fast emsiger als die Großen. Diese sind nämlich ins Gespräch mit den Insidern vertieft und verklönen sich. Heute gilt es, die Siegerin des Vorjahres, Susanne Fischer-Rohde, zu übertrumpfen. 119 Krabben in fünf Minuten zu pulen, das ist schon eine Herausforderung. „Seemann lass’ das Träumen nicht“, singen die Eiderenten, und die Gäste stimmen sofort mit ein. An einem Tisch sitzt eine Familie aus Berlin. Sie ist gerade angekommen und hat den Tipp zur Gestaltung des ersten Abends von ihrem Vermieter bekommen. „Gleich läuft aber Fußball, und dann sind wir weg“, erklären Vater und Sohn unisono. Als die Krabben später ausgezählt werden, sitzen sie aber immer noch an ihrem Platz. „Ist klasse hier“, sprudelt es aus dem Kleinen heraus. Dass es bereits eine alte Tradition ist, das Krabbenwettpulen, weiß er zwar nicht. Aber er scheint zu spüren, dass es hier um mehr geht, als nur um einen ersten Platz. Die urige Atmosphäre ist es vor allem, die Einheimische und Gäste gleichermaßen einfängt.

Als es an die Siegerehrung geht, gibt es kein Halten mehr. Das erste Mal überhaupt siegt ein männlicher Krabbenpuler. Ein Jubelschrei geht durch die Menge, als sie von seinen stolzen 154 Krabben, gepult in fünf Minuten hört. Der Gewinner heißt Stephan Erdt. Er hält Wanderpokal, Holzpokal, Urkunde und einen Gutschein in die Höhe und lässt sich beglückt feiern.

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