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Unruhe in Mildstedt : Wenn es regnet, schwillt der Kamm

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Regenwasser-Entwässerung des Deich- und Hauptsielverbandes verärgert viele Mildstedter. Dabei bewegt sich der Verband laut dem Umweltministerium auf rechtlich einwandfreiem Feld.

Mit sorgenvollen Blicken schauen viele Mildstedter, speziell aus dem Ortsteil Rosendahl, täglich zum Himmel. Denn wenn Petrus seine Schleusen öffnet, dann werden sie unweigerlich an eine unangenehme Sache erinnert, an die Oberflächenentwässerung in der Gemeinde. Während anderenorts, wie etwa in Husum, die zuständigen Stadtwerke froh darüber sind, dass möglichst wenige Bürger das Regenwasser von ihren Grundstücken in die Kanalisation einleiten, und es lieber versickern lassen, sieht das in Mildstedt ganz anders aus.

Seit nämlich der Deich- und Hauptsielverband Eiderstedt am 1. Januar vergangenen Jahres das Niederschlagsnetz von der Gemeinde übernommen hat, reißen die Beschwerden bei Bürgermeister Bernd Heiber nicht ab. Ging es anfangs noch um die Form von Anschreiben des Verbandes an Grundeigentümer, die eher einer Drohung denn einer Information glichen, richtet sich der Zorn der Bürger nun gegen den Anschlusszwang.

Doch da erlauben Jan Paul Bonse, Geschäftsführer des Deich- und Hauptsielverbandes Eiderstedt (DHSV), und Oberdeichgraf Jan Rabeler keine Ausnahmen. Die einfache Begründung: Der DHSV hat von der Gemeinde Mildstedt das Regenwasserkanalnetz übernommen, daher gelte die Satzung des Verbandes – und die schreibe einen Anschluss an ein vorhandenes Netz vor. Beide DHSV-Vertreter sagen übereinstimmend, dass in den vergangenen Jahrzehnten wohl nicht ordentlich in Mildstedt gearbeitet worden sei, vermutlich habe man den Bürgern die Gebühren vom Hals halten wollen. Niemand, so unterstreicht Rabeler, habe nämlich darauf geachtet, ob Grundstücke an das vorhandene, immerhin 22,5 Kilometer lange Kanalnetz angeschlossen worden seien. Bislang sind nach Unterlagen des Verbandes 1050 Grundstücke angeschlossen, rund 100 müssen noch kurzfristig ans Kanalnetz.

Ökologisch mag es vielleicht manchmal sinnvoller sein, das Regenwasser auf dem eigenen Grundstück zu verrieseln, doch da die Leitungen vorhanden seien, müssten die Kosten dafür auch auf alle umgelegt werden, betont Rabeler. Bonse ergänzt, dass insgesamt 6,5 Millionen Euro investiert werden müssen, von denen die Gemeinde 50 Prozent trägt. Der Grund: Straßen und öffentliche Liegenschaften machen etwa 50 Prozent des eingeleiteten Regenwassers aus.

Etwa 50 Prozent der Rohre haben einen zu geringen Querschnitt und müssen erneuert werden, damit auch größere Wassermengen abtransportiert werden können, letztendlich in die Mühlenau und den Sielzug Lagedeich. Beide sind nach Starkregen bis zur Oberkante gefüllt. Um Entlastung zu erreichen, war der Bau eines unterirdischen Regenwasser-Rückhaltebeckens im Gespräch, doch die Pläne wurden wieder einkassiert. Nun, sagt Bonse, werde wohl ein zusätzlicher Kanal zum schnelleren Abfluss gebaut. Die großen Wassermengen ohne Zwischenspeicherung verursachen allerdings an anderen Orten Kosten. Beispielsweise fielen im Dezember 2014 allein in der Südermarsch rund 10.000 Euro mehr als üblich an Stromkosten für die Pumpen an – es war ein extrem nasser Dezember.

Der Ärger vieler Grundeigentümer: Jahrzehntelang funktionierte die Verrieselung des Regenwassers auf dem eigenen Grundstück, und nun soll es in die Kanalisation geleitet werden. Dafür sind nicht unerhebliche Investitionen nötig. Der Anschluss an das Netz und ein Kontrollschacht auf dem Grundstück können nämlich bis zu 6000 Euro kosten. Doch dies ist rechtmäßig, sagt zumindest das Kieler Umweltministerium. Nach Paragraf 31a des Landeswassergesetzes (LWG) können die Gemeinden die Aufgabe der Abwasserbeseitigung zusammen mit dem Satzungsrecht auf einen Wasser- und Bodenverband übertragen. In diesem Fall gelten dann die Paragrafen 30 und 31 des LWG. Ein Anschlusszwang kann nach Aussage des Ministeriums grundsätzlich sinnvoll sein, weil nur so gewährleistet werden könne, dass das gesamte Abwasser ordnungsgemäß abgeführt und behandelt wird. Zudem führt der Anschlusszwang zu einer Verteilung der anfallenden Kosten bei einem Kanalnetz.

Nach Aussagen von Bonse und Rabeler sehen das auch die Gerichte so, „denn seit dem 1. Januar 2014 hat es rund 20 Klagen gegeben, von denen bereits 15 entschieden wurden. Der DSV hat alle Streitigkeiten gewonnen.“

Ein weiterer Streitpunkt sind die Grundstückszufahrten. Denn nach Auffassung des Verbandes muss an deren Ende, vor der Straße, eine Auffangrinne installiert werden, damit das Wasser nicht ungehindert auf die Straße laufen kann. Nicht in allen Fällen, da komme es auf die Verhältnismäßigkeit an, so Bonse, werde das Wasser dann in den Kontrollschacht geleitet – oder kann auf dem Grundstück verrieselt werden.

Doch zufrieden sind die Mildstedter nicht, denn der für sie zuständige Verbandsmitarbeiter, so bestätigen viele Bürger, sei zu keinerlei Informationen bereit, vielmehr habe er sogar ohne Erlaubnis Grundstücke betreten und Fotos angefertigt. So, lautet der Vorwurf einiger Bürger, könne man nicht mit seinen Kunden umgehen. Auch lehnt der Verband die Teilnahme an einer Infoveranstaltung mit der Gemeinde ab. Die Begründung: Im kleinen Kreis sei die Information effektiver. Im nächsten Jahr sollen übrigens rund eine Million Euro investiert werden.

 

 

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erstellt am 19.Nov.2015 | 18:18 Uhr

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