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Altersarmut nimmt zu : Wenn es nicht mehr zum Leben reicht

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Immer mehr Menschen werden künftig von Altersarmut betroffen sein. Eine Ausstellung im Husumer Rathaus informiert über die Folgen. Die nordfriesische Arbeiterwohlfahrt bekräftigt ihre Forderung an die Politik, rasch einen Kurswechsel einzuleiten.

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erstellt am 21.Okt.2013 | 10:00 Uhr

Wer arm ist, redet nicht gern darüber. Und wer heute schon ahnt, dass er im Alter finanziell nicht klar kommen wird, verdrängt es. Das beobachtet Christa Formesyn, Nordfrieslands Kreisvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt (Awo), immer wieder. „Lohnarmut führt zu Kinderarmut und mündet in Altersarmut“, sagt Hans-Peter Henkens, Mitglied im Kreisvorstand und Vorsitzender des Mildstedter Awo-Ortsvereins, der gemessen an der Einwohnerzahl der größte in Deutschland ist.

Auch in Nordfriesland ist das Problem der Altersarmut allgegenwärtig. Aber die Brisanz wird in nicht allzu ferner Zukunft dramatisch zunehmen. „Dann wird die Altersarmut in der Mitte der Gesellschaft angekommen sein. Aber dann ist es zu spät“, betont Henkens mit Blick auf immer mehr Geringverdiener, unterbrochene Erwerbsbiografien oder die häufig sehr schwierige Situation von Alleinerziehenden und sogenannten Ein-Mann-Betrieben.

Unter dem Motto „Altersarmut bekämpfen – heute die Weichen für morgen stellen!“ hat die Awo deshalb mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und dem Sozialverband eine Kampagne gestartet, um eine breite öffentliche Diskussion anzustoßen und von der Politik einen Kurswechsel hin zu mehr sozialer Gerechtigkeit einzufordern. Dazu wird am 21. Oktober um 11 Uhr im Husumer Rathaus die Wanderausstellung „Altersarmut hat viele Gesichter“ mit Bildern der Fotografin und Grafikerin Cynthia Rühmekorf eröffnet. Sie läuft bis zum 1. November. Anhand sehenswerter Schwarz-Weiß-Aufnahmen vermittelt sie eindrucksvoll, wie es Menschen ergeht, deren Rente nicht zum Leben reicht und die sich häufig schämen, Sozialleistungen in Anspruch zu nehmen. Zur Eröffnung wird Husums Bürgermeister Uwe Schmitz erwartet.

Das „Soziale Bündnis für Schleswig-Holstein“ verbindet seine Forderung nach einem Altern in Würde und sozialer Gerechtigkeit mit klaren Handlungsempfehlungen an die politisch Verantwortlichen: So plädiert es dafür – analog zum Konzept der Bürgerversicherung – bei der Kranken- und Pflegeversicherung als tragende Säule der Altersvorsorge eine sozial gerechte, gesetzliche Rentenversicherung für alle Erwerbstätigen einzuführen. Eine Absenkung des Rentenniveaus sei nicht hinnehmbar. Und ganz wichtig: „Armutsfeste Lohnstrukturen sind die beste Vorsorge für armutsfeste Renten.“

Wenn nicht schleunigst politisch umgesteuert wird, werden sich die Probleme, von denen vor allem auch Frauen betroffen sind, in Zukunft immer weiter verschärfen. Das machten Mitglieder des Awo-Kreisvorstandes und Helge Hinz vom Landesverband im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich. Demnach muss bundesweit jeder vierte Beschäftigte von Niedriglöhnen leben. Und wenn heute jeder 40. Rentner Grundsicherung im Alter in Anspruch nehmen müsse, dann werde es im kommenden Jahrzehnt bereits jeder siebte sein.

Diese Tendenz bestätigen die Daten des Statistischen Amtes für Hamburg und Schleswig-Holstein sowie des zuständigen Fachbereichs im Kreis NF: Altersarmut nimmt zu, wenngleich die Zahlen in Nordfriesland noch unter dem Landesschnitt liegen. Und viele die heute nicht ausreichend verdienen, „werden niemals eine normale Rente zusammenbekommen, von der sie anständig leben können“, weiß Hans-Peter Henkens.

In Nordfriesland gehört dazu mit rund sechs Prozent der Einwohner der große Kreis der Bezieher staatlicher Leistungen. Alarmierend nennt es die Awo, dass allein im Kreisgebiet bereits mehr als 2000 Menschen, die nicht von ihrem Einkommen leben können, mit staatlicher Hilfe aufstocken müssen. Auch rund 1000 Alleinerziehende sind auf ergänzende Leistungen angewiesen. Angesichts der wachsenden Zahl armutsgefährdeter Menschen steht für Henkens mit Blick auf die Höhe des in Berlin in Rede stehenden Mindestlohns deshalb auch fest: „8,50 Euro ist erst der Anfang, das kann nicht das Ende sein.“

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