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Klinik-Übung : Wenn es auf der Intensivstation brennt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Wie evakuiert man Patienten aus der Intensivstation? Dieses Situation simulierten die Husumer Feuerwehr, der Rettungsdienst des Kreises und das Klinikum Nordfriesland in Husum.

shz.de von
erstellt am 14.Apr.2016 | 17:46 Uhr

Ein Schreckensszenario: In der Husumer Klinik ist ein Feuer ausgebrochen. Brandherd ist die Teeküche der Intensivstation. Der Rauch breitet sich immer weiter aus. Die Station muss evakuiert werden. In einer großangelegten Übung haben die Feuerwehr Husum, der Rettungsdienst des Kreises und das Klinikum Nordfriesland durchgespielt, wie in so einer schwierigen Situation reagiert und gehandelt werden muss. In der Klinik Husum fanden sie dafür optimale Bedingungen vor, denn die neue Intensivstation ist fast fertig und geht Anfang Mai in Betrieb.

Auf Initiative des Oberarztes der Intensivmedizin und Anästhesie der Husumer Klinik, Dr. Thomas Hoffmann, kamen die Rettungskräfte und Mitarbeiter der Abteilung zusammen, um insgesamt sechs Patienten aus einer fiktiven Gefahrenzone zu bergen. Das Szenario hatte Hoffmann gemeinsam mit der Feuerwehr entwickelt: Durch einen kleinen Brand in der Teeküche der Intensivstation war die „Intermediate Care“ – der Bereich, in dem Patienten überwacht aber nicht beatmet werden – stark verraucht. Das Klinikpersonal hatte die Patienten bereits in den nächsten Brandabschnitt – der eigentlichen Intensiv-Abteilung – gebracht. Da sich die Einsatzkräfte erst einmal einen Überblick über die Situation verschaffen mussten und das Feuer noch nicht unter Kontrolle war, ordnete der Einsatzleiter der Feuerwehr, Broder Hansen, die Evakuierung der Intensiv-Abteilung an. Unterstützt wurden die 25 Feuerwehrleute durch den Rettungsdienst des Kreises, der durch Kräfte der Sondereinsatzgruppe SEG – während der Übung durch Mitglieder des DRK und der DLRG vertreten – verstärkt wurde. Den insgesamt 50 Kräften standen außerdem die Klinikmitarbeiter zur Seite.

Im Ernstfall wären die Patienten der Intensivstation in die Räume des direkt angrenzenden Operations- und Aufwachbereiches gebracht worden. „Da die Evakuierung von Intensivpatienten aufgrund der Überwachungs- und Beatmungsgeräte besonders anspruchsvoll ist, ist eine Zwischen-Verlegung in den OP-Bereich sinnvoll. Dort verfügen wir über alle nötigen Anschlüsse. Ebenso können wir dort auch die vorhandenen Überwachungsgeräte nutzen“, erklärt Oberarzt Hoffmann, der während der Übung – gemäß des Alarm- und Einsatzplanes der Klinik die Position des „Krankenhauskoordinierenden Arztes“ einnahm. Im OP-Bereich wäre selbst bei einem Stromausfall durch ein Batteriesystem noch die notwendige Elektrizität vorhanden. Von dort aus könnte dann ohne große Zeitnot eine Verlegung in andere Kliniken organisiert werden.

Die Übung war nicht als sogenannte Vollübung ausgelegt. Das heißt, die Einsatzkräfte mussten die sechs Intensivpatienten, die von vier Freiwilligen und zwei Dummy-Puppen verkörpert wurden – nicht unter Zeitdruck evakuieren. Im Mittelpunkt standen die Abläufe und das Üben der einzelnen Techniken. In einem ersten Schritt wurden die Patienten in den Flur vor den OP-Bereich gebracht. Den eigentlichen OP konnte und wollte man nicht nutzen, um dort die laufenden Operationen nicht zu stören und um die Hygienebedingungen aufrecht zu erhalten.

Von dort aus wurden die Patienten dann über das Treppenhaus – die Fahrstühle dürfen im Brandfall nicht genutzt werden – von jeweils sieben bis acht Hilfskräften ins Erdgeschoss getragen. Eine schweißtreibende und kräftezehrende Aktion unter sehr beengten Verhältnissen. Im Anschluss daran wurden dann mit Hilfe der Drehleiter der Husumer Feuerwehr die beiden Dummys über Tragen durch die Fenster der Intensiv-Abteilung erfolgreich „auf dem Luftwege“ abgeborgen.

Bei der Übung waren auch die leitenden Kräfte von Ordnungsamt, Rettungsdienst, Feuerwehr und Krankenhaus dabei. Währenddessen wurde immer wieder diskutiert und die ein oder andere Variante des Patienten-Transports erprobt.

In einer Abschlussbesprechung bei Brötchen, Kaffee und selbstgebackenem Kuchen im „Olen Peerstall“ zeigten sich alle Kräfte für diese einmalige Chance, Erfahrungen zu sammeln, sehr dankbar. Alle beteiligten Einrichtungen werten nun ihre Ergebnisse aus, um sie dann in einer gemeinsamen Nachbesprechung zusammenzutragen.




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