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Pfusch am Bau : Wenn eine Straße Wellen schlägt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

4,2 Millionen Euro kostete der neue Zubringer für den Schwerlastverkehr zum Husumer Hafen. Noch nicht einmal ein Jahr nach der Einweihung ist die Straße ein Sanierungsfall.

Husum | Wer die neue etwa ein Kilometer lange Verbindungsstraße zwischen der Simonsberger Straße und der Bundesstraße (Alte B 5) befährt, hat die Garantie, dass er nicht einnicken wird. Denn auf dieser Strecke werden Autofahrer auf gut der Hälfte durchgerüttelt.

Vor nicht einmal einem Jahr, am 20. November 2013, war die Straße vom Bauträger, dem Kreis Nordfriesland, für den Verkehr – bis zu 40 Tonnen – freigegeben worden und weist jetzt erhebliche Schäden auf: Auf der Teerdecke haben sich Wellen gebildet.

Schon bei der Planung zeigte sich, dass der bis in vier Meter Tiefe reichende moorig-torfige Untergrund die Bauarbeiten vor besondere Herausforderungen stellen würde. „Das übliche Verfahren hätte darin bestanden, den Baugrund vier Meter tief auszukoffern und mit tragfähigem Sand und Kies wieder aufzufüllen“, erklärte Kreis-Pressesprecher Hans-Martin Slopianka auf Anfrage. In einem frühen Stadium sei zwar die Methode vorgesehen gewesen, den moorigen Boden auszutauschen. Doch in diesem speziellen Fall hätte die gewaltige Menge von rund 300.000 Kubikmetern ausgekoffert, abtransportiert und dauerhaft gelagert werden müssen. „Das wäre sehr teuer geworden und hätte unzählige Lkw-Fahrten erfordert. Dazu kommt der dort sehr hohe Grundwasserstand, der ein ständiges Abpumpen großer Wassermengen nötig gemacht hätte.“

Die Ingenieure der Kreisverwaltung entschieden sich deshalb dafür, den Untergrund mit rund 2000 versenkten Betonsäulen stabilisieren zu lassen. Diese wurden in einem Abstand von zwei Metern schwingungsfrei gebohrt. Darauf wurden ein Vlies und ein Geflecht von Geozellen aus Kunststoff verlegt. Erst dann konnten Sand, Kies und die Straßenoberfläche aufgebracht werden. Mit dieser Technik ist die halbe Straße gebaut worden. Auf dem restlichen Stück wurde dem Untergrund mit Saugpumpen das Wasser entzogen. Daraufhin sackte die Oberfläche um 1,50 Meter ab. „Die Fläche war nun so verdichtet, dass sich die behandelte Strecke auch ohne Betonpfeiler als stabiler Untergrund eignete“, informierte der Kreis-Pressesprecher.

Während der verdichtete Untergrund stabil und gut zu befahren ist, sind die spürbaren Schäden auf der mit Betonsäulen abgestützten Fläche deutlich zu erkennen. „Im Abstand der Säulen hängt die Fahrbahn durch“, formulierte Hans-Martin Slopianka. Die beschriebene Bauweise mit den Betonsäulen sei jedoch ein gängiges Verfahren, mit dem generell sehr gute Erfahrungen gemacht würden. Slopianka: „Daher gehen wir davon aus, dass das beauftragte Unternehmen entweder bei der statischen Bemessung oder der Bauausführung einen Fehler gemacht hat und die Straßenoberfläche im nächsten Jahr auf eigene Kosten sanieren wird. Zurzeit betreiben wir gemeinsam mit dem Unternehmen Ursachenforschung. Daher ist es noch zu früh für eine abschließende Aussage.“

Doch es gibt noch ein weiteres Problem. Die Strecke soll für Lkw-Fahrer eine Erleichterung sein, um schnell zur Bundesstraße 5 zu gelangen, ohne die Wilhelmstraße zu befahren. Doch bei ihnen kommt das „Waschbrett“ oder die „Stoßdämpfer-Teststrecke“, wie die neue Verbindungsstraße von „Brummi“-Fahrern genannt wird, eher nicht in Frage. „Wenn wir von Süden kommend die alte Bundesstraße befahren und dann in den Verbindungsweg einbiegen, ist alles in Ordnung. Aber: „Wenn wir von der neuen Straße einmünden wollen in die alte Bundesstraße, um von dort auf die B 5 Richtung Süden zu gelangen, wird es für uns haarig“, sagte uns der Fahrer einer Firma im Husumer Außenhafen. Denn sobald die Autofahrer am Ortsschild Husum vorbei seien, werde sofort auf das Gaspedal gedrückt. „Sich mit einem großen Gefährt in die alte Bundesstraße einzugliedern, ist dann ein waghalsiges Unternehmen“, meinte der Mann stellvertretend für seine Kollegen.

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erstellt am 10.Okt.2014 | 18:00 Uhr

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