Wenn ein Rockmusiker aus seinem Leben erzählt

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13. August 2012, 09:14 Uhr

Bredstedt | Er kam, las und siegte: der Sänger und Gitarrist der norddeutschen Rockband Illegal 2001. Thomas Lötzsch plauderte drauf los, erzählte wortreich, lebendig und witzig aus seinem Leben und bescherte den Zuhörern vor der Open-Air-Bühne auf dem Fiede-Kay-Platz in Bredstedt eine Stunde Hörgenuss. Dass er nicht nur Musik kann, bewies er eindeutig. Er las im Rahmen des dritten Wochenendes des ersten Bredstedter Open-Air-Sommers aus seinem Erstlingswerk "Punks op de Deel".

Organisator Torsten "Toshi" Humfeldt, der den Vollblutmusiker persönlich kennt, wagte mit ihm gemeinsam das Experiment. Um den Neu-Autor scharten sich zwar nur wenige Zuhörer, doch die fesselte er umso mehr. Dabei war er vorher ziemlich aufgeregt gewesen. "Open air habe ich noch nie gelesen. Ich weiß nicht, wie das wird", gestand er beim Soundcheck. Alle Bedenken warf er über Bord, als er völlig locker die Bühne betrat. Ein Zehnjähriger habe ihn, so begann er, einmal gefragt, was er so alles während seiner Jugend getrieben habe. "Das war für mich als 48-jähriger Familienvater der Startschuss gewesen, alles aufzuschreiben. 250 Seiten sind das geworden. Keine Angst, ich lese nur Ausschnitte", scherzte Lötzsch.

An die Was-ist-Was-Bücher, die er verschlungen hatte, an Kosmos-Experimentierkästen und an Zeiten, in denen Fernsehen noch schwarz-weiß war, es zwei Programme, ein Testbild und die Serie Kung Fu mit David Carradine, gab, könne er sich genau erinnern, viel genauer noch an seine erste große Liebe. Für die habe er sogar das Rauchen angefangen - dennoch umsonst. Er erzählte von seinen ersten Schallplatten, den ersten Erfahrungen mit Punkmusik und den gemeinsamen Streichen mit Freunden in Hohenwestedt und Itzehoe. Vor allem habe er in Kindheit und Jugend eines noch gekannt: das Draußen. Damals sei Stubenarrest die Höchststrafe der Eltern gewesen, heute wäre das Grund zum Jubeln. Draußen sein, weg von der Cyber-Welt, sei wohl eher eine Qual.

Mit Hingabe schilderte der Autor Episoden mitunter total komisch, manchmal nachdenklich, aber immer authentisch. Mit dem gewissen Augenzwinkern räumte er ein, dass ihn das Buch verändert, ja gesellschaftlich aufgewertet, habe. "Es macht schwer Eindruck, wenn ich sage, ich hab ’ne Lesung." Mit viel Beifall bedankte sich das Publikum. Der Künstler bewies, dass er auch noch Musik machen kann. Freche Texte zu rockigen Melodien auf der Akkustikgitarre kamen an.

Die Bands Crazy Horst und Melted Ego hatten es einfacher. Je später der Abend, umso mehr Besucher erstürmten den Platz. Doch das Experiment, so der Organisator, sei gelungen. "Ich wollte ja ein vielfältiges Programm, das jedem etwas bietet", erklärte Humfeldt. Und dass er den richtigen Riecher hatte, bewiesen schon die ersten beiden Abende. Für den guten Ton war Martin Petersen mit seinem Team zuständig.

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