Lieblingslieder von Pastoren : Wenn ein Lied den Himmel öffnet

Halleluja: An bedeutsamen Festtagen wie Weihnachten zitieren die Kirchgänger besonders inbrünstig aus den Gesangbüchern.
Halleluja: An bedeutsamen Festtagen wie Weihnachten zitieren die Kirchgänger besonders inbrünstig aus den Gesangbüchern.

Vom heiligen Choral bis zum pastoralen Geheimtipp – bei welchen weihnachtlichen Klängen Nordfrieslands Geistlichen das Herz aufgeht.

Avatar_shz von
24. Dezember 2017, 14:00 Uhr

Das Weihnachtslied gehört zum Weihnachtsfest wie der Weihnachtsbaum oder die Weihnachtsgeschenke: In jedem Supermarkt singen Engelschöre über die Lautsprecheranlagen, auf den Märkten dreht sich das Kinderkarussell zur Weihnachtsbäckerei und in vielen Stuben wird am Heiligen Abend eine CD mit festlicher Musik aufgelegt. Aber was gibt es eigentlich für Weihnachtslieder, und welche sind die schönsten? Wir haben bei den nordfriesischen Pastoren nachgefragt.

„Mein liebstes Weihnachtslied ist ‚Herbei, o, ihr Gläubigen‘“, sagt zum Beispiel Petra Hansen, die Pastorin in List auf Sylt ist. Dass sie dieses Lied so besonders gerne mag, liegt an einer Geschichte aus ihrer Kindheit. „Ich war als Fünfjährige zur Weihnachtszeit in London. In einer Kathedrale sang ein Chor dieses Lied, und ich dachte, dass sich gleich der Himmel über uns öffnen würde.“ Sie sei sogar deswegen Pastorin geworden, glaubt sie heute, da berührte sie etwas, was sie noch immer begleitet. Silke Wittmaack aus Tetenbüll geht es übrigens genauso bei diesem Lied. Weihnachten wird für sie erst, wenn sie dieses Stück singen kann. Und als einmal ein Pastor es am Heiligen Abend vergaß, sang sie es auf dem Rückweg laut und alleine – „textlich kreativ“, wie sie sich erinnert.

Ein anderer „Schlager“ ist bei den Pastoren „Ich steh an deiner Krippen hier“ – ein Choral mit neun Strophen von Paul Gerhard aus dem Jahr 1653. Für Pastorin Katrin Hansen aus Husum und Propst Jürgen Jessen-Thiesen ist das der Favorit, ohne den es nicht recht Weihnachten werden kann. „Das Lied versetzt mich mit meinen Sinnen und Gedanken in den Stall von Bethlehem“, so der Propst. Katrin Hansen mag das Lied am liebsten in der Version des vierstimmigen Bach-Chorals. „Es gibt keinen Weihnachtsgottesdienst, in dem ich es nicht singen lasse. Da bin ich eigen“, sagt sie und lächelt.

Es gab auch Exoten unter den Befragten: So liebt zum Beispiel Andreas Raabe aus Husum das Lied „Welchen Jubel, welche Freude“, ein Stück aus der Erweckungsbewegung, das in der Familie seiner Frau große Tradition hat. Peter Janke aus Leck mag „Mit den Hirten will ich gehen“ – das kommt ebenfalls aus der Erweckungsbewegung und ist selbst unter Christenmenschen eher ein Geheimtipp. Sylvia Goltz aus Schwabstedt kürt „Es wird nicht immer dunkel sein“ von Manfred Siebald zum Lieblingsstück. „Es ist so schön melancholisch und gleichzeitig zuversichtlich“, sagt sie.

Für „Stille Nacht, Heilige Nacht“ macht sich Ingo Pohl aus Tinnum stark. „Dazu lasse ich in der Christmette alle Lichter löschen, nur die Weihnachtsbäume glänzen“, erzählt er. „Und dann schmettere ich voll Inbrunst mit der Gemeinde dieses Lied zum Ende des Gottesdienstes.“ Manchen sei der „holde Knabe im lockigen Haar“ ein bisschen zu rührselig, das weiß Pohl wohl, aber für Weihnachten ist ihm das gerade recht. „Ein bisschen Kitsch muss sein“, sagt er.

Was auffällt: Weder der grünblättrige Tannenbaum noch das Schneeflöckchen gehören zum Lieblingsrepertoire der Seelsorger. Auch der morgen kommende Weihnachtsmann fehlt gänzlich. Das mag auch daran liegen, dass die Theologen mehr als andere Berufsgruppen an zahlreichen Adventsfeiern teilnehmen, bei denen solche Lieder nicht fehlen dürfen. Wenn es denn so weit ist, wenn der Heilige Abend da ist und der Trubel zur Ruhe kommt, dann sind sie froh, sich auf das besinnen zu können, worauf es ihnen ankommt: Das ist das Kind in der Krippe, das Licht der Welt ist.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen