Neue Gruppe für Angehörige : Wenn die Sucht zum Strudel wird

Angehörige von Menschen mit Suchterkrankungen brauchen oft Hilfe. Diese gewährt eine neue, von Rainer Lischeski (r.) – hier mit Monika Weiss-Menke – angeleitete Gesprächsgruppe.
Angehörige von Menschen mit Suchterkrankungen brauchen oft Hilfe. Diese gewährt eine neue, von Rainer Lischeski (r.) – hier mit Monika Weiss-Menke – angeleitete Gesprächsgruppe.

Weil der Bedarf groß ist, hat das Diakonische Werk Husum eine neue Gruppe für Angehörige von Suchtkranken eingerichtet.

shz.de von
23. Januar 2018, 07:11 Uhr

Nordfriesland | Angehörige von Suchtkranken sind großen Belastungen ausgesetzt, geraten mitunter selbst in einen Teufelskreis. Bis zur Entscheidung, selbst Hilfe in Anspruch zu nehmen, braucht es jedoch oft geraume Zeit. Dabei kann der Entschluss auch neue Hoffnung geben und dazu ermutigen, alte Verhaltensmuster zu überdenken und Lebensentwürfe neu zu ordnen.

Unterstützung gewährt dabei eine angeleitete Gruppe für Angehörige von Personen mit Suchterkrankungen, die ausgelöst wurden durch die Einnahme legaler und illegaler Drogen. Die Beratungs- und Behandlungsstelle für Suchtkranke im Diakonischen Werk Husum hat sie erst vor wenigen Wochen eingerichtet.

„Sie ist aus einem großen Bedarf heraus entstanden“, erläutern die Leiterin der Beratungsstelle, Monika Weiss-Menke, und Sozialtherapeut Rainer Lischeski, der diese Gruppe leitet und begleitet. „Es wirkt sich positiv auf die Kontinuität einer solchen Gruppe aus, wenn jemand, der nicht selbst betroffen ist, aus dieser Distanz heraus beim Sortieren und neu ordnen unterstützt und bei Bedarf moderierend und stabilisierend eingreifen kann“, sagt Lischeski. Angesprochen sind enge Bezugspersonen von Suchtkranken; sie leiden oft stark unter der Sucht der betroffenen Person, sind vollständig auf diese fixiert und haben das eigene Wohlergehen und die Selbstfürsorge aus den Augen verloren.

„Die Versorgung der Suchtkranken ist gut organisiert“, so Monika Weiss-Menke. Sie werden in einem funktionierenden System aufgefangen und sind getragen von einem stabilen Netzwerk. Doch die Angehörigen – oder engen Bezugspersonen – kommen häufig zu kurz. Sie befinden sich in einem Dilemma: Sie möchten einerseits die Fürsorge für die Kranken übernehmen, ihr Verhalten entschuldigen und „deckeln“ oder sie vor Negativerfahrungen bewahren – das ist nervenaufreibend und stressreich. Andererseits leiden sie häufig unter Versagens- und Schamgefühlen und geben sich die Schuld an den gegenwärtigen Zuständen. Sie haben viele Kränkungen erfahren, beispielsweise durch physische und psychische Gewalt.

Darüber hinaus besteht die Gefahr psychischer Erkrankungen wie Angstzustände oder Depressionen, dass sie sich komplett zurückziehen oder Medikamente mit Suchtpotenzial einnehmen: „Diese Menschen sind in Not, sie müssen sich ihre Sorgen von der Seele reden“, bringt es Weiss-Menke auf den Punkt.

Sich aufgehoben zu fühlen in einer Gruppe von Menschen, die ein gemeinsames Schicksal verbindet, kann Entlastung und eine klarere Sicht auf die momentane Lebenssituation bringen. Im Austausch mit anderen Betroffenen kann unter fachlicher Begleitung – als erste Hilfe zur inneren Stärkung – das System aus „gedanklichen Sackgassen“ entwirrt werden.

Die Angehörigengruppe ist auf unbegrenzte Dauer ausgelegt und trifft sich jeden Dienstag von 19 bis 20.30 Uhr im Diakonischen Werk Husum in der Theodor-Storm-Straße 7. Vertraulichkeit und Anonymität werden ausdrücklich zugesichert. Die Teilnahme an den Abenden ist kostenlos. Für Angehörige, die vor ihrem ersten Besuch besondere Unterstützung haben möchten, kann ein Vorgespräch mit einer Suchtberaterin oder einem Suchtberater sinnvoll sein – Terminvereinbarung unter Telefon 04841/691420.

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