zur Navigation springen

Konversion in Nordfriesland : Wenn die Bundeswehr das Feld räumt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Aktuell werden in Nordfriesland neue Eigentümer für sechs Bundeswehr-Liegenschaften gesucht. Zentrales Projekt ist der geplante „Heli-Port“ – Hubschrauber-Firmen signalisieren Interesse an der Nutzung des Flugplatzes Husum-Schwesing.

von
erstellt am 27.Feb.2014 | 12:00 Uhr

Konversion ist Kärrnerarbeit. Begehungen, Gespräche, Verhandlungen und ein Gestrüpp aus (bau)rechtlichen Vorgaben erfordern viel Zeit und einen langen Atem. „Da, wo der Bund weggeht, gehen die Probleme erst richtig los“, sagt deshalb auch Bernd Franke. Er ist Konversionsmanager bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland (WFG).

Zwar ist der Kreis Nordfriesland nach seinen Worten vom neuen Stationierungskonzept der Bundeswehr arg gebeutelt, aber es gibt durchaus positive Ansätze. „Überall sind erstaunlicherweise viele Interessenten da“, sagt Franke mit Blick auf sechs Bundeswehr-Liegenschaften, für die zurzeit eine neue Verwendung gesucht wird. Franke: „Konversionsmanagement heißt Acquise zu betreiben und mögliche Nachnutzer auf Potenziale aufmerksam zu machen.“

Im Falle des Flugplatzes Husum-Schwesing sind diese erkannt und die Planungen auf einem guten Weg: So gibt es nach Aussagen des Konversionsmanagers insgesamt vier Hubschrauber-Firmen, die künftig im Auftrag großer Offshore-Windpark-Betreiber auch von Schwesing aus starten wollen. Dazu soll der Flughafen im zivilen Bereich zum „Heliport“ aufgewertet werden. In zwei Wochen soll zudem eine vertragliche Vereinbarung über eine Kooperation mit Helgoland in trockene Tücher gebracht werden. Von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) als direktem Verhandlungspartner wird für nächste Woche ein Kaufangebot oder ein Pachtvertrag, der vor Ort favorisiert wird, für die Konversionsfläche erwartet.

Nachdem Kreis, Stadt und Investoren aus der freien Wirtschaft mit in die Ko-Finanzierung eingestiegen sind, wird nun für Ende März, Anfang April mit der Förderzusage gerechnet. Und, so Franke, es wird eine „Wohlverhaltensklausel“ mit Blick auf das Offshore-Trainings- und Entwicklungs-Cluster Offtec in Enge-Sande geben, um Bedenken auszuräumen, dass es zu einem Konkurrenzverhältnis kommt (wir berichteten).

Auch in punkto Stapelholmer Kaserne in Seeth zeichnen sich mögliche Lösungen ab. Das Areal umfasst rund 42 Hektar und kann ab dem dritten Quartal 2015 zivil genutzt werden. Laut Franke gibt es zurzeit vier bis fünf Interessenten, die namentlich allerdings noch nicht genannt werden wollen. Außerdem steht kommende Woche noch ein wichtiger Termin mit einem Investor an, der der Bima das Angebot gemacht hat, die gesamte Liegenschaft zu kaufen. „Eine Entwicklung, die für unsere Region von großer Bedeutung ist“, so Franke im Wirtschaftsausschuss des nordfriesischen Kreistages.

Das Materiallager Bargum (55 Hektar) kann voraussichtlich erst Ende 2018 geräumt werden, weil die Bundeswehr dort noch Lithium-Batterien lagert. Die Kommune und die umliegenden Gemeinden möchten hier künftig einen kleinen Gewerbepark etablieren. Dafür gibt es bereits sieben kleinere Gewerbebetriebe aus der Region, die sich dort ansiedeln wollen. Dazu – es gibt viel Waldbestand – bedarf es aber noch Gesprächen mit Kreis und Land.

Für das Materiallager Ladelund (43 Hektar) gibt es ebenfalls Interessenten. Dieses wird erst im zweiten Quartal 2017 schließen. Und, so Franke: „Es muss viel investiert oder abgerissen werden“, wobei für einen Rückbau allein die Bima zuständig wäre.

Auch beim Materiallager Bramstedtlund (17 Hektar) und ein kleines, zwei Kilometer entfernt liegendes Außenlager sind Interessenten vorhanden und damit gibt es Aussicht, dass dort zivile Arbeitsplätze entstehen. „Wir können solche Flächen nicht mit Photovoltaik vollstellen, das schafft keine Arbeitsplätze“, sagt der Konversionsmanager.

Als „Sorgenkind“ sieht er derzeit noch den Flugplatz Leck. Dort gebe es neben Interessenten auch Pläne der Gemeinden Leck, Klixbüll und Tinningstedt, die Liegenschaft zu entwickeln. Gedacht sei unter anderem an einen Gewerbepark für Erneuerbare Energien oder ein deutsch-dänisches Gewerbegebiet. Da viele Flächen des 323 Hektar großen Areals unter Naturschutz gestellt werden sollen, wird mit Kiel aber noch um Größenordnungen gerungen. „Meines Erachtens sind aber noch genügend Flächen da, um mit Rücksicht auf die Natur eine vernünftige Entwicklung für den Norden zu starten“, so Franke. Und im Interesse eines Unternehmens wird auch versucht, die Landebahn wieder zu aktivieren.

„Wir sind jetzt nicht in der ersten Welle der Entmilitarisierung von Nordfriesland, sondern in einer fortlaufenden“, macht der Fachbereichs-Leiter für Kreisentwicklung, Bauen, Umwelt und Kultur, Burkhard Jansen, deutlich. Dabei verweist er auf erfolgreiche Konversionsbeispiele in Löwenstedt und Süderlügum (Lager für Feuerwerkskörper) und Offtec Enge-Sande, während das Projekt Marineversorgungsschule List gescheitert sei und die Liegenschaft derzeit nicht genutzt werde. „Die Liegenschaften, die wir jetzt in Betreuung haben, das ist nicht unbedingt Hamburg Innenstadt“, machte Jansen die Herausforderung deutlich, sinnvolle und vernünftige zivile Nachnutzungen zu finden. Und in einigen Fällen werde sich wohl auch der „Rückbau als kostengünstigste Variante“ darstellen. Verfahren jedenfalls sind aufwändig: „Es gibt keinen Bestandsschutz für diese Anlagen“, so Jansen. Alles müsse überplant und neu genehmigt werden. Und generell gelte: „Wenn wir eine qualifizierte, wirtschaftlich tragfähige Nachfolgenutzung bekommen, dann können wir glücklich sein.“

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen