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Übung auf Eiderstedt : Wenn der Blanke Hans tobt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Eiderstedter Feuerwehren und Deichgänger probten gemeinsam die Überwachung der Außendeiche im Falle einer Sturmflut. Dabei wurde vor allen Dingen der neue Digitalfunk getestet.

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erstellt am 27.Feb.2015 | 13:00 Uhr

Ein seltsames Schauspiel bot sich am Mittwochabend, 25. Februar, am Außendeich von Eiderstedt: In regelmäßigen Abständen leuchteten Taschenlampen in den dunklen Himmel, tasteten mit ihrem Lichtstrahl Krone und Flanken des 66,6 Kilometer langen Bollwerks rund um die Halbinsel ab. Das waren nicht etwa Spaziergänger, die nach Strandgut suchten, sondern Deichgänger und Feuerwehrmänner, die gemeinsam den Einsatz bei einer Sturmflut übten. Eine ganz wichtige Rolle spielen in dieser Situation die Ehrenamtler. Sie kontrollieren dann fortlaufend den Zustand des Bauwerks, ob es schon zu Ausspülungen oder gar zu Rutschungen gekommen ist.

An diesem Abend wurde auf Eiderstedt nun zum ersten Mal die neue Digitalfunktechnik getestet, die 2016 eingeführt werden soll. Alle 37 Deichgänger, begleitet von je zwei Feuerwehrmännern, hatten Posten in ihren je rund zwei Kilometer langen Deichabschnitten bezogen. Dort sollten sie Schäden anhand eines festgelegten Schemas benennen. Da gerade keine echten vorlagen, waren Fotos hinterlegt worden. Die Schäden wurden dann von den beiden Feuerwehrmännern per Funk an den Katastrophenstab im Gardinger Feuerwehrgerätehaus gemeldet – einmal analog mit der alten Technik und einmal digital. Nicht wirklich realistisch waren die Übungsbedingungen an diesem Abend: Es war fast windstill, die Nordsee ruhig, es regnete nur ein wenig. Im Gerätehaus saß derweil der Stab zusammen und lauschte den Meldungen, die die Funker der Feuerwehr, Nicole Dietz, Petra Börns, Christoph Busse, Dietmar Wibberg, Frank Ranft und Frank Spiegel, entgegennahmen. Hermann Nienaber koordinierte ihren Einsatz und hatte am Abend zuvor die Trupps auf den Deichen in die Arbeit mit den Geräten eingewiesen.

Katastrophenschutz ist eine Aufgabe des Kreises. Und so hatte Boye Hach von der zuständigen Abteilung die Übung gemeinsam mit Matthias Trapp, Leiter des Abschnittsbereichs Garding und Wehrführer der Stadt, sowie Oberdeichgraf Jan Rabeler vom Deich- und Hauptsielverband (DHSV) vorbereitet. Der Kreis Nordfriesland ist in drei Abschnittsbereiche eingeteilt. „Eine Sturmflut könnte mit einem einzigen Stab gar nicht abgedeckt werden“, erklärte Hach. Zum Stab gehören neben den Mitgliedern, die vom Kreis benannt werden, auch Fachberater vom Landesbetrieb Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN), Technischem Hilfswerk (THW), DRK und Bundeswehr sowie die Polizei. Die Deichgänger werden vom DHSV gestellt, nur in St. Peter-Ording ist die Gemeinde zuständig. Es sind Freiwillige, die den Deich gut kennen müssen. Denn im Ernstfall kann es entscheidend sein, zu wissen, wo die Schwachstellen sind. Neuzugänge sind jederzeit willkommen, auch Frauen, denn es werden Reservegänger benötigt, wie Rabeler betonte.

Das Ergebnis der Nachbesprechung war eindeutig: Während die alte analoge Funktechnik deutlich zu wünschen übrig lässt, was den Empfang und die Verständigung betrifft, wurde beim Digitalfunk nur aus einem Abschnitt die Sendeleistung bemängelt. Etwas Kritik gab es an der Lautstärke – im Ernstfall bei Regen, Orkan und einer tosenden Nordsee könnte sie zu leise sein, hieß es. „Ich hoffe, dass wir erst den nächsten Ernstfall haben, wenn wir mit der neuen Technik ausgestattet sind“, sagte Trapp abschließend. Zudem ist ihre Reichweite deutlich besser als die der alten. Denn beim analogen System wird in jedem Deichabschnitt noch ein Funkbrückenfahrzeug der Feuerwehr benötigt, weil die Handgeräte nicht stark genug sind, um direkt bis Garding zu senden. „Die Fahrzeuge können wir im Notfall natürlich besser an anderer Stelle gebrauchen“, so Trapp. Die Deichgänger sollen künftig vom DHSV einen Flyer erhalten, auf dem ihre Aufgabe und die Schadensbewertung erklärt werden, sagte Rabeler.

Wie seine Vorredner dankte Amtsvorsteher Christian Marwig den zahlreichen Ehrenamtlern für ihr großes Engagement. „Die freiwillige Bereitschaft ist besser als jeder Befehl. Dass Menschen sich für den Ernstfall zur Verfügung stellen, und damit ihrer eigenen Familie nicht helfen können, ist gar nicht hoch genug zu bewerten. Die heutige Übung kann im Notfall Leben retten“, machte er ihre Wichtigkeit deutlich.

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