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Ufersicherung mit 390 Tonnen Stahl : Wenn das Wasser Blasen schlägt

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Im Friedrichstädter Ostersielzug wird eine neue Spundwand für rund 850.000 Euro gebaut. Zwölf Meter lange Stahlelemente werden mit Hochfrequenz in den Boden getrieben, so dass der Untergrund nicht erschüttert wird .

Nahezu unbemerkt von der Bevölkerung ist in Friedrichstadt eine Großbaustelle eingerichtet worden – zumindest was das Bauvolumen betrifft. Immerhin werden dort bis März rund 850.000 Euro in den Untergrund versenkt. Die Baustelle wurde in Höhe des Holmer Tors eingerichtet, auf dem Ostersielzug. Denn auf der östlichen Seite, also dort, wo auch der Große Garten liegt, wird die Spundwand erneuert.

Mittlerweile haben sich die Friedrichstädter an diese Arbeiten gewöhnt, denn erst im vergangenen Jahr wurde der erste Bauabschnitt, der südliche Teil des Ostersielzugs mit neuen Spundwänden versehen. Die Kosten für die gut 200 Meter lange Strecke belief sich auf gut 700.000 Euro. Bauherr war und ist der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN).

Das teuerste sind bei diesen Arbeiten nicht die Lohn-, sondern die Materialkosten. So verschlang beispielsweise der laufende Meter Spundwand im südlichen Teil des Wasserlaufs einschließlich des Deckwerks rund 3500 Euro. Das ist zwar sehr teuer, doch im Verhältnis zu den Kosten von Spundwänden in Seehäfen immer noch eine günstige Angelegenheit. denn dort werden je Meter locker 12.000 Euro veranschlagt.

Verändert haben sich im nördlichen Bereich des Ostersielzugs die Dimensionen der Stahlelemente. Bis zu zwölf Meter lang sind sie und bestehen aus zwei zusammengepressten Teilen, so dass mit jedem Arbeitsschritt quasi zwei Spundwände eingebaut werden. Von den langen Stahlelementen ist später nicht mehr viel zu sehen. Nur knapp ein Meter ragt noch über die Wasseroberfläche. „Wir haben extra lange Elemente ausgewählt, da sie im unteren Bereich sogar noch in der tragfähigen Sandschicht stehen“, sagt dazu Florian Schröter vom LKN. Während im ersten Bauabschnitt insgesamt rund 130 Tonnen Stahl in den Boden versenkt wurden, unterteilt in Einzelelemente zwischen 6,25 bis 7,25 Meter Länge, sind es im aktuellen Bauabschnitt 369 Tonnen Stahl. Die Instandsetzung der 265 Meter langen östlichen Uferwand des Ostersielzugs Nord, von der Brücke Holmer Tor bis zum Absperrbauwerk zur Treene wurde nach Angaben von Schröter notwendig, da die bestehende Uferwand aus 5,5 Meter langen Eichenholzbohlen mit Rückverankerung langsam rott geworden ist. Gebaut worden war sie in den 1980er bis Anfang der 1990er Jahre.

Das Niebüller Unternehmen Martin Limbrecht GmbH & Co. KG setzt bei den Arbeiten keine klassischen Rammen mehr ein. Die Stahlspundbohlen werden durch Pressen beziehungsweise im Hochfrequenzverfahren erschütterungsarm in den Boden eingebracht. Viele Zaungäste staunten darüber, wie die langen Spundwände nahezu geräuschlos im Untergrund verschwanden – an der Wasseroberfläche waren lediglich Blasen zu sehen. Um ganz sicher zu gehen, ist um die Baustelle herum eine Ölsperre ausgelegt. „Wir könnten ja auf Altlasten treffen“, sagt Schröter. Aber die Sperre dient auch dem Gewässerschutz im Falle eines technischen Defekts. „Die Maschinen sind alle mit Öl ausgerüstet, das für den Wasserbau genehmigt ist, dennoch, sollte ein Hydraulikschlauch platzen, soll ein Ausbreiten verhindert werden. Die während der Arbeiten auf dem Wasser zu sehende Schicht sei kein Öl, sondern stamme lediglich aus dem schlickigen Untergrund.

Die eigentlichen Bauarbeiten werden bis in den März hinein dauern. Während dieser Zeit ist das Befahren des nördlichen Teils des Ostersielzugs verboten. Wenn alle Stahlbohlen gesetzt sind, dann wird die Oberkante mit einer massiven Holzabdeckung versehen, die zusätzlich einen Unterfahrschutz erhält. „An dieser Holzabdeckung können dann die Liegeplatzinhaber ihre Festmacherklampen befestigen, so dass ihre Boote in der neuen Saison wieder sicher vertäut sein dürften“, so Schröter.

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erstellt am 18.Nov.2015 | 11:00 Uhr

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